Düsseldorf : Der Natur auf der Spur

Zwölf Senioren arbeiten mit zwölf Kita-Kindern im Zentrum Plus gemeinsam an einem Generationenprojekt.

Es ist Zeit für die Generalprobe im Zentrum Plus an der Klever Straße: Zwölf Senioren und zwölf Vorschulkinder der Kita Duisburger Straße studieren mit ihrem selbst gebastelten Kopfschmuck aus Blättern und Zweigen, der sie wie Buschindianer aussehen lässt, einen Tanz ein, der am kommenden Donnerstag ab 11.30 Uhr beim großen Baumfest auf dem Kolpingplatz präsentiert wird. Es wird der Höhepunkt eines Naturprojekts sein, das zwei Generationen zusammengeführt hat, deren Altersunterschied kaum größer sein könnte.

"Anfängliche Berührungsängste sind ganz schnell verflogen. Spätestens, wenn der kreative Part beginnt, sind vor allem die Kinder mit Feuer und Flamme bei der Sache. Und das wirkt auch ansteckend auf die Erwachsenen", hat Ulla Hanenberg, die das auf fünf Einheiten ausgelegte Projekt betreut, beobachtet. Unter der künstlerischen Leitung von Kirsten Schulte-Frohlinde haben sich im Verlauf der Workshops Zweierteams mit jeweils einem älteren und einem ganz jungen Teilnehmer gebildet, die emsig an der Vorbereitung des Baumfestes arbeiten. "Und die Inspiration für die vielen kreativen Ideen kommt dann auch stets aus den Gruppen selbst, die keineswegs nur auf Anweisung arbeiten sollen", sagt Schulte-Frohlinde. In den folgenden Wochen sollen die Teams das Projekt zu den Themen Wasser und Stein fortsetzten.

Die vorläufige Krönung sollte beim Baumfest am Donnerstag jedoch eigentlich das Pflanzen von zwei Bäumen sein, für die jeweils eine Patenschaft von den Besuchern des Zentrums Plus übernommen wird. Verschiedene Gruppen der Einrichtung haben insgesamt 1200 Euro gesammelt, um die jungen Bäume erwerben zu können. Senioren haben Waffeln gebacken und verkauft, die Kinder Karten gestaltet, um so Geld in die Kasse zu bekommen. "Leider konnte uns die Stadt nicht fest zusagen, ob das wirklich bis Donnerstag klappt", bedauert Inge Gößling, Leiterin des Zentrum Plus. "Falls nicht, wäre das natürlich sehr schade. Der Symbolwert der Aktion ist enorm, denn gerade die Kinder sollen die Bäume ja noch Jahrzehnte später als die ihren wiederkennen können."

Bereits seit 2008 führe die offene Einrichtung dere Diakonie für Derendorf und Golzheim solche Generationentage mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten durch, berichtet Gößling. Egal, ob zu Themen wie Kunst, Fotografie oder Architektur, "es ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wichtig, dass Kinder und ältere Menschen Gelegenheit haben, gemeinsam aktiv Zeit miteinander zu verbringen".

Denn der Kontakt zwischen Enkeln und Großeltern sei in der heutigen Gesellschaft häufig durch die räumlich große Entfernung der Wohnorte nicht mehr gegeben, erläutert Gößling die Hintergründe der Idee. Die gemeinsame Arbeit an einem bestimmten Projekt sei dann unter dem Strich für beide Seiten ein Gewinn: "Die Kinder profitieren von der Erfahrung, der Geduld und der Zuwendung der älteren Teilnehmer und nehmen diese auch als Partner wahr, ohne dass ein erzieherischer Hintergrund den Spaß am Spiel verdirbt. Die Senioren wiederum genießen die Spontaneität und wuselige Lebendigkeit um sich herum", sagt die Leiterin des Zentrum Plus.

Für den Herbst gibt es bereits ein neues Generationenprojekt an der Klever Straße. "Bis an das Ende der Welt - vom Verreisen und Nach Hausekommen", lautet dann das Thema.

(RP)
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