Derendorf : Das Comeback der Big Band

Das Derendorfer Salonorchester hat sich vor zwei Jahren gebildet. Am Freitag spielen die jungen Musiker am Rathaus.

Es ist einer der letzten Proben vor dem großen Auftritt im Institut für Musik und Medien an der Robert-Schumann-Hochschule. Nach und nach kommen die jungen, lässig gekleideten Männer hereingeschlappt, die Feuertaufe verlangt noch keine optischen Raffinessen. Das wird am Freitag mit Sicherheit anders sein, wenn das Derendorfer Salonorchester bei der Jazz Rally auf der Bühne am Rathaus aufspielen wird (17.45 Uhr). "Wir bevorzugen den Salonstyle: weißes Hemd, schwarze Hose und Fliege", erklärt Bandleader Daniel Rheinbay.

Er war es, der vor zwei Jahren das Ensemble gründete. Nicht wirklich bewusst, denn eigentlich benötigte er nur ein Band für seine Instrumentenprüfung. "Und ich hatte die etwas verrückte Eingebung, es müsste unbedingt etwas mit vielen Bläsern sein", erzählt der Schlagzeuger. Tatsächlich fand Rheinbay ausreichend Kommilitonen für sein Projekt. Da sein Prüfungsrepertoire gut ankam, es im Umfeld der Hochschule auch immer genug Auftrittsmöglichkeiten gibt und man sich ohnehin gut verstand, wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Das Derendorfer Salonorchester wurde aus der Taufe gehoben.

"Eigentlich sind wir für eine richtige Big Band mit 15 Musikern zu klein, aber das geht schon so in die Richtung", bestätigt Daniel Rheinbay, der einen Großteil der Stücke selbst schreibt oder zumindest neu arrangiert. So wird man dann womöglich auch beim Auftritt am Freitag ein verjazztest "Call me maybe" oder eine Swing-Version vom Cranberries-Hit "Zombie" zu hören bekommen. Der Combo-Dozent Jan Schneider, selbst Jazz-Trompeter in Köln, besorgte dem jungen Ensemble (alle sind Anfang bis Mitte 20) einen Auftritt in der Jazz-Schmiede. "Das war ein toller Abend, so etwas wie unser kleiner Durchbruch", sagt Rheinbay.

Gesucht wurde noch ein Name für die Band. "Der sollte bewusst ein wenig altbacken und kitschig klingen sowie ebenfalls unsere lokale Herkunft aufzeigen. Und da wir zu Beginn alle hier aus dem Umfeld der Hochschule kamen, war der Name schnell gefunden", berichtet Rheinbay. Mittlerweile hat sich die Besetzung aber geändert, die Musiker kommen zum Teil aus Dortmund, Essen oder Moers. "Das erschwert es natürlich enorm, Termine für gemeinsame Proben oder Auftritte zu finden. Da geht nichts ohne eine diffizile Planung", sagt der Bandleader, der mit Marisa Möller aus Köln inzwischen auch über eine Sängerin verfügt, die das Salonorchester aufwertet.

Wenn das Ensemble mit allein neun Bläsern bei der Jazz Rally auf dem Marktplatz auftritt, "müssen wir praktisch alles raushauen, was wir an Repertoire haben, um die zwei Stunden zu füllen", sagt Rheinbay, der trotzdem kein Lampenfieber verspürt. "Das ist eine tolle Chance für uns, ich erwarte viel Publikum und auch Laufkundschaft", so der 25-Jährige, der kurz vor seinem Abschluss an der Hochschule steht. So um die acht Jahre war er alt, als seine Eltern merkten, dass der kleine Daniel auf so ziemlich alles draufhaute, was er zwischen die Finger bekam. "Da haben sie wohl gedacht, dass sollte man besser in konstruktive Bahnen lenken und nahmen den Sohn mit zum Instrumentenkarussell", erzählt Rheinbay. So wurde aus einem Rüpel ein Vollblut-Musiker.

(arc)