Düsseldorf: Bahnlinie 708 verlängern statt streichen

Düsseldorf: Bahnlinie 708 verlängern statt streichen

Die Straßenbahnverbindung von Düsseltal und Derendorf zum Hauptbahnhof soll gekappt werden, sobald die Wehrhahnlinie in Betrieb geht. Der Gegenvorschlag der Grünen: eine Bahnlinie zur Fachhochschule schaffen.

Die neue Fachhochschule auf dem ehemaligen Schlösser-Gelände ist noch nicht optimal an das Bahnnetz angebunden, die S-Bahnstation Derendorf liegt zu weit entfernt. Dieser Meinung sind die Grünen und fordern daher, das Bahnnetz auszuweiten. "Die Linie 708 könnte von der jetzigen Endhaltestelle am Mörsenbroicher Ei weiter über die Münsterstraße und Rather Straße zur Merziger Straße geführt werden und würde dann die Fachhochschule gut an das Innenstadtnetz anbinden", erklärt Annette Klinke, die für die Grünen in der Bezirksvertretung 1 sitzt. Die befasst sich in ihrer Sitzung am Freitag mit dem neuen Linienplan nach Inbetriebnahme der Wehrhahnlinie.

Dieser Vorschlag der Grünen ist zugleich ein Rettungsversuch für die Linie 708. Denn die soll nach dem Willen der Verwaltung eingestellt werden zugunsten der Stadtbahnlinie U 71, die dann von der Altstadt über Brehmplatz und Münsterstraße zum ISS-Dome fahren soll. "Mit dieser neuen Linienführung werden die Wünsche und Bedürfnisse vieler Fahrgäste missachtet, für sie wird es umständlicher, zum Hauptbahnhof und nach Bilk zu gelangen", so Klinke. Wahrscheinlich würde die Zahl der Fahrgäste wachsen, wenn die Linie 708 verlängert würde und in Richtung Innenstadt weiterhin über Flingern zum Hauptbahnhof fahren würde. Denn viele der rund 9000 Studenten der Fachhochschule würden sich zur Innenstadt und zum Viertel rund um die Ackerstraße orientieren. Und viele Derendorfer könnten dann bequem ohne Umsteigen Düsseltal und Flingern erreichen.

"Die Rheinbahn darf nicht nur Kosten sparen wollen, sondern muss im Gegenteil versuchen, mehr Fahrgäste zu gewinnen", sagt Norbert Czerwinski, Fraktionssprecher der Grünen im Rat. Düsseldorf sei eine wachsende Stadt. Es sei daher wichtig, von vornherein auch ein gutes Liniennetz zu bieten.

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Das Kappen der Linie 708 bringe aber nur Nachteile. Weil die direkten Verbindungen zum Hauptbahnhof wegfallen und Fahrgäste gezwungen würden, umzusteigen. "Das schreckt aber viele Fahrgäste ab, sie werden aufs Auto umsteigen", so Czerwinski.

Die Verlängerung der Linie 708 Richtung Derendorf sei zudem ohne großen Aufwandmöglich, nur an zwei Kreuzungen müssten Abbiegegleise gebaut werden, so Czerwinski. Denn die Bahnen könnten von der Endhaltestelle Heinrichstraße/Mörsenbroicher Ei auf der Münsterstraße die Gleise der Linie 701 und auf der Rather Straße die der Linie 704 benutzen. Es sei auch zu überlegen, die Bahnverbindung von der Endhaltestelle der 704 an der Merziger Straße ein paar hundert Meter weiter bis zum Spichernplatz zu führen. Dann werde der Einzugsbereich noch größer. Die Grünen wollen diese Alternative, die sie vor zwei Jahren bereits vorgeschlagen hatte, von der Verwaltung noch einmal prüfen lassen.

Der Wegfall der Linie 708 wurde gestern auch in der Bezirksvertretung 3 (Bilk, Hamm, Hafen) kritisiert. Die Verbindung vor allem von Hamm zur Innenstadt dürfe nicht gekappt werden, der Ersatz durch Buslinien sei keine Alternative.

(RP)
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