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Heerdt: Bunkerkirche: "Zeugen des Gewissens"

Heerdt : Bunkerkirche: "Zeugen des Gewissens"

Der linksrheinische Seelsorgebereich und die Initiative Friedensort Bunkerkirche machen in einer Dauerausstellung auf mutige Frauen und Männer aufmerksam, die für ihre Gesinnung und ihren Glauben den Tod in Kauf nahmen.

Unter der Überschrift "Sie folgten ihrem Gewissen während der NS-Diktatur (1933-1945)" erinnern der linksrheinische Seelsorgebereich (Sebelidus) und der Friedensort Bunkerkirche in einer Dauerausstellung an Frauen und Männer des Widerstandes — an 13 beherzte Menschen, die der Ideologie des Nationalsozialismus trotzten und einen gewaltsamen Tod in Kauf nahmen. Ihre Porträts finden sich an den Zellenwänden, jeweils versehen mit einer Biografie. Ein Aktenordner liefert zudem weitere Informationen zum Leben und Sterben der mutigen Düsseldorfer.

Darunter ist beispielsweise der ehemalige evangelische Heerdter Pfarrer Gottfried Hötzel (1880 bis 1940). Er hatte eine Kooperation mit dem totalitären Staat abgelehnt, und als 1938 die Synagogen brannten, sagte er: "Wenn die Gotteshäuser brennen, darf die Kirche nicht schweigen." Seine Predigten wurden von der Gestapo mitgehört und Aktenvermerke angefertigt. Als in Düsseldorf jemand gesucht wurde, der "rassisch Verfolgten" helfen konnte, meldete sich Pfarrer Hötzel. So wurde er verschwiegener Helfer des Berliner Pfarrer Grüber und half etlichen Menschen, Nazideutschland zu verlassen. Während einer Rede beim Deutschen Evangelischen Frauenbund brachte er 1940 zum Ausdruck, dass das Verhalten des Menschen in der Ideologie der Nazis grundsätzlich nicht vom christlichen Glauben bestimmt werde. Am 20. Februar 1940 wurde er verhaftet, am 9. April aus der Haft entlassen und aus dem Rheinland und Westfalen ausgewiesen. Im gesamten Deutschen Reich bekam er Redeverbot. Pfarrer Hötzel ging nach Stuttgart und hatte dort die Aufgabe, mit Leuten zu sprechen, die sich über die Kirchensteuer beschwerten. 1940 starb er an einem Hirnschlag — tragischerweise im Stuttgarter Bahnhof, wo er sich von seinem Sohn, der wieder in den Krieg ziehen musste, verabschieden wollte. Am 14. August wurde Hötzel dann auf dem Heerdter Friedhof beigesetzt. Heute ist sein Grab eine Ehrengrabstätte. Außerdem ist eine Straße in Heerdt nach ihm benannt.

Auch der Düsseldorfer Leo Statz stand im Kreuzfeuer der Nazis, weil er seine Überzeugungen frei und öffentlich äußerte. 1943 wurde er verhaftet. Der berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofes Freissler fällte das Todesurteil, das im selben Jahr vollstreckt wurde.

Ein weiteres Beispiel: Dem gebürtigen Düsseldorfer Erich Klausener, preußischer Ministerialdirektor in Berlin, wurde eine flammende Rede auf dem Märkischen Katholikentag gegen die Religionspolitik der Nazis zum Verhängnis. Ein Grund für Hermann Göring, zwei Schergen in Klauseners Büro zu schicken, die ihn 1934 kaltblütig erschossen.

Drei Männer, die mit zehn weiteren Leidensgenossen in einer der Bunkerzellen dem Vergessen entrissen werden. "Wir wollen diese mutigen Menschen nachhaltig ins Bewusstsein rücken", sagt Dieter Lepiorz vom Friedensort Bunkerkirche. "Denn heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, dass es vor mehr als 80 Jahren in Deutschland eine Zeit gab, in der schon eine kritische Bemerkung über das staatliche System zu Verhaftung, Verhör, Redeverbot, Inhaftierung, ja sogar Ermordung führen konnte."

Mit der Ausstellung ist nun eine dritte Bunkerkabine auf Dauer belegt. In einer Zelle ist die Geschichte der Kirche, die aus einem Hochbunker entstand, dokumentiert, eine zweite ist so möbliert, dass der Besucher einen Eindruck bekommt, wie es sich während der Bombenangriffe in dem ehemaligen Luftschutzbunker lebte.

(RP)