Bilk: Zusammen stark

Die Schützen in Bilk wollen sich breiteren Gesellschaftsschichten öffnen und das Image des ewigen Feier-Vereins ablegen.

Rene Krombholz ist Schütze durch und durch und wird nicht müde, herauszustellen, dass der Schützenverein weit mehr zu bieten hat, als das, was viele noch immer mit Brauchtum verbinden: Trinken, Feiern, Marschmusik. Dazu hat er in seiner Funktion als für die Öffentlichkeitsarbeit zuständiges Mitglied im St. Sebastianus Schützenverein Bilk auch immer wieder die Gelegenheit zu. Doch das reicht nicht, um den Mitgliederschwund (mit gut 600 Mitgliedern zählt der Verein immer noch zu den größten in Düsseldorf, vor 25 Jahren waren es aber mehr als doppelt so viel) aufzuhalten.

Rene Krombholz macht sich Gedanken über das Schützenwesen. Foto: B.S.

Die Bilker Schützen mit ihrem 1. Chef Ulrich Müller an der Spitze haben sich daher so ihr Gedanken gemacht, was zu tun ist, um den Trend umzukehren - und dabei so einige Bereiche entdeckt, die es lohnt, zu beackern. Solidargemeinschaft "Wir müssen deutlich machen, dass der Schützenverein nicht nur intern wirkt, sondern für den gesamten Stadtteil aktiv ist", sagt Krombholz. Vor allem das soziale Engagement, das die Bilker Schützen zeigen, wird zu wenig gewürdigt.

Die Unterstützung von Aktionen wie Sterntaler oder "Gemeinsam gegen Kälte" sind dabei ebenso zu nennen wie die Organisation von Sommerfesten und Adventsfeiern in Seniorenheimen oder Besuchen in der Kinderkrebsklinik. Am besten definiert das noch relativ neue Konzept "Zosame" diesen Willen, als Solidargemeinschaft zu wirken, Werte zu vermitteln, für Schwächere einzustehen, aber eben mit allen Menschen im Stadtteil gemeinsam.

Die Bilker Schützen haben sich den Begriff "Zosame" als Markenzeichen sogar beim Patentamt schützen lassen. "Das Feedback nach außen ist sehr positiv, intern wird es jedoch auch kritisch gesehen. Aber auch dafür stehen wir: Man muss auch Respekt vor anderen Meinungen haben", erklärt Krombholz. Heimatgedanke Dem Bewahren von Traditionen haftet nichts Verstaubtes an, wenn man es nur anschaulich vermittelt, meint das Mitglied der 3.

Grenadier Kompanie. Dazu zählt nicht zuletzt die Sprache, das Platt, weshalb die Bilker Schützen die Mundartschule Pittermanns Scholl gegründet haben, die sich regen Zulaufs erfreut. Nachwuchs Natürlich leidet auch der Schützenverein in Bilk unter Nachwuchssorgen und ist entsprechend überaltert. Was aber nicht heißt, dass man nicht ausreichend Angebote macht. "Es ist schwierig, die junge Generation zu erreichen, auch die Vorbehalte aus dem Elternhaus abzubauen.

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Mitgliedschaften werden zumeist in der Familie nach unten vererbt", sagt Krombolz. Die Jungschützen treten als separate Gemeinschaft auf, die beim Schützenfest an einem Abend auch ein eigenes Programm auf die Beine stellen. Das kommt gut an. Mit anderen (kostenlosen) Aktivitäten - DEG-Besuche, Eislaufen, Übernachtungscamps - tut der Verein sich schwer. "Die Eltern haben keine Lust, ihre Kinder zu bringen und abzuholen", berichtet Krombholz.

Es ist halt nicht so einfach. Mehr Mitglieder verspricht auf jeden Fall eine andere Entscheidung: Der Verein hat sich im vergangenen Jahr Frauen gegenüber geöffnet. Professionalität "Wir streben an, uns wie ein echter Großstadtverein aufzustellen", sagt Krombolz selbstbewusst. Dazu zählt, nicht nur die kleinen Geschäftsleute als Sponsoren zu gewinnen, "die selbstverständlich unverzichtbar sind", so der Friseur, aber auch mal die Fühler nach größeren Partnern wie den Bilker Arkaden auszustrecken.

Veranstaltungen Man muss auch mal anerkennen, wenn etwas vorbei ist - wie Rock in Bilk. Jahrelang war die Livemusik-Party zum Auftakt des Schützenfestes ein Pflichttermin für Bilk und darüber hinaus. "Das Publikum ist aber mit der Veranstaltung gealtert. Gute Bands sind zudem immer schwerer zu bekommen und dann zu teuer. Unsere Ausgaben für Sicherheit und Lärmschutz sind aber weiter gestiegen", sagt der Vereinssprecher.

Mit Bilk Live wurde das Konzept auf den Kopf gestellt, zuletzt stand Partymusik im Vordergrund, "prinzipiell ist aber alles denkbar, auch mal wieder Rock". Am 15. Juni sind in diesem Jahr jedenfalls die Spider Murphy Gang und ein Falco-Double im Bilker Schützenzelt zu Gast.

(arc)