Bilk/Unterbilk: Wie aus Schützen Sänger wurden

Bilk/Unterbilk : Wie aus Schützen Sänger wurden

Vor 160 Jahren gründeten St. Sebastianer einen Chor. Jetzt feiern die Sangesfreunde Düsseldorf-Bilk 1858 den runden Geburtstag.

Es ist wie verhext mit den Zahlen, wenn man sich zum Beispiel an ein genaues Datum zu erinnern versucht. 1858 - das ist sicher, den Tag und den Monat müssen Jochen Köpke und Manfred Sieberling aber in der Vereinschronik nachschauen, schnell blättern sie die Seiten durch und finden die Satzung, in der 14 Artikel festgehalten wurden und die unterzeichnet ist mit "So geschehen Bilk, den 6. October 1858". Und während Köpke und Sieberling die Paragrafen überfliegen, kommen sie auch schon ins Lachen: Unbescholten sollte der Ruf sein, wer vor 160 Jahren Mitglied werden wollte beim St.-Sebastianer-Sängerbund, die Volljährigkeit und eine Mitgliedschaft bei den Schützen war ebenfalls Voraussetzung, um "Lieder mit moralischem Inhalt" singen zu dürfen.

Eine Probenliste mit Fehltagen der Sänger von 1937. Foto: Sangesfreunde Düsseldorf-Bilk 1858

Gerne haben die Schützen nämlich gesungen Mitte des 19. Jahrhunderts, die Theke reichte ihnen irgendwann nicht mehr aus als Bühne. 24 Männer gründeten schließlich den Sängerbund, nur jene durften Mitglied werden, die auch singen konnten, "die anderen blieben an der Theke oder waren Ehrenmitglied", sagt Sieberling, Vorsitzender der Sangesfreunde Düsseldorf-Bilk 1858. Die Sangesfreunde von heute sind entstanden aus dem St.-Sebastianer-Sängerbund, geblieben ist in 160 Jahren nur noch die Jahreszahl im Vereinsnamen. Viele Veränderungen hat es gegeben, 1930 löste sich der Chor von den Schützen, wurde zum MGV Sängerbund Bilk 1858. Immer wieder kam es zu Zusammenschlüssen, zuletzt 2004, als sich die Sangesfreunde Heinz Kessler und der Männerchor Sängerbund Bilk 1858/1867 vereint haben. Jochen Köpke und Manfred Sieberling selbst gehörten dem Heinz-Kessler-Ensemble an, irgendwann hatte der Chor personelle Schwierigkeiten, "man kannte sich, man kam aus der Umgebung", sagt Sieberling, der vor 18 Jahren Mitglied wurde und seit 13 Jahren Vorsitzender ist. Wenn die Zahl der Sänger Richtung 20 schrumpft, "dann muss man etwas tun", sagt Köpke, der seit 1989 im Chor ist. Heute sind es 26, im August 2012 haben sich die Sangesfreunde Düsseldorf-Bilk 1858 mit dem Rheinbahn-Chor verstärkt, "so können wir entspannt in die nächsten Jahre gehen", sagt Köpke. Sie proben gemeinsam, haben zusammen Auftritte, bleiben aber eigenständig.

Im Haus Freiligrath an der Martinstraße probte ab 1867 der MGV Liederkranz, der ebenfalls Teil verschiedener Fusionen war. Foto: Sangesfreunde düsseldorf-bilk 1858

Dass es schwerer geworden ist für Männerchöre, das bedauern Sieberling und Köpke. Die Konkurrenz ist groß mit Gospel- und Musical-Gruppen. "Dazu kommt, dass junge Leute immer weniger Zeit haben", sagt Manfred Sieberling. Der Chor altert mit den Mitgliedern. Immerhin bringt Chorleiter Sven Morche mit seinen jungen 46 Jahren Schwung in die Truppe. Gerne auch mit Songs von den Toten Hosen, auch wenn "An Tagen wie diesen" vierstimmig gar nicht so einfach sei.

"Wir haben eine tolle Kameradschaft", sagt Jochen Köpke, und ihr Repertoire ist abwechslungsreich. Sie singen deutsche Schlager, auf Englisch und sogar Japanisch - eine Kooperation hat es mal gegeben mit dem japanischen Männerchor von der Oststraße. "Japanisch singen ist eindeutig leichter als sprechen", findet Schriftführer Köpke. Jeden Dienstag proben die Männer im Saal hinter der Gaststätte Fuchs im Hofmanns, im Augenblick bereiten sie sich auf das Festjahr vor, die 160 Jahre sollen im April bei einem großen Jubiläumskonzert gefeiert werden. Dann werden sie auch ganz sicher wieder "Jacob's Ladder" singen, das ist Pflicht im Programm, "spätestens bei der Zugabe ruft das Publikum danach", sagt Sieberling.

(RP)
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