Ausblick: Verkehr und Wohnen stehen im Fokus

Es sind die in der Stadt dominierenden Themen, die auch den Politikern im Stadtbezirk 3 Kopfzerbrechen bereiten. Die einzelnen Stadtteile haben jedoch ihre eigenen spezifischen Probleme, für die Lösungen gesucht werden müssen.

Zwei Themenkomplexe dürften in diesem Jahr die Bezirkspolitiker im Stadtbezirk 3 besonders beschäftigen. Darüber hinaus setzt jeder noch persönliche Schwerpunkte.

Wohnen Ein Projekt, das der stellvertretende Bezirksbürgermeister Walter Schmidt (CDU) gerne in Angriff nehmen würde, ist die Brachfläche an der Bachstraße gleich gegenüber den Düsseldorf Arcaden. Einen Parkplatz betreibt dort momentan Titus Jacobs, der das ehemalige Baustellen-Lagerareal gepachtet hat „Wir haben nicht viele Flächen in unserem Stadtbezirk“, sagt Schmidt, der sich für bezahlbaren Wohnraum an der Stelle einsetzen will. „Es ist eigentlich eine Schande, das Grundstück gehört zu 100 Prozent der Stadt“, so Schmidt, der sich gewünscht hätte, dass gleich mit der Fertigstellung der Wehrhahn-Linie mit dem Bau von Wohnungen losgelegt worden wäre. „Das hat die Stadt verschlafen.“

Für preiswertes Wohnen kämpft auch Dietmar Wolf (Grüne), zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister, „dazu müssen wir intensiver auf Stadt und Investoren einwirken“. „Reihenhäuser im oberen Preissegment, wie an der Suitbertusstraße, sollten unterbunden werden“, ergänzt Thorsten Graeßner (Grüne). Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD) stimmt zu: „Der Markt für Luxuswohnungen scheint mir gesättigt, insbesondere kleinere Wohnungen für Singles und Senioren und größere Wohnungen für Familien fehlen.“ Daher begrüße er jede Verschärfung des Handlungskonzepts Wohnen hin zu mehr geförderten Wohnraum und eine Bevorzugung der SWD und Wohnungsgenossenschaften bei der Weitergabe von städtischen Grundstücken.

Verkehr Beim Thema Verkehr scheiden sich die Geister im Stadtbezirk 3: „Wir haben uns alle lange eingesetzt, dass Düsseldorf so attraktiv ist“, sagt Walter Schmidt, „und wir haben uns alle gefreut, dass zum Beispiel 300 Arbeitsplätze bei der Barmer an der Mecumstraße entstanden sind“. 300.000 Menschen würden täglich einpendeln, „jetzt muss die Verwaltung eine Lösung finden“, sagt Schmidt. Der Park&Ride-Platz am Südring sei schon jetzt rappelvoll, „die Plätze am Südfriedhof sind Peanuts“. Thorsten Graeßner regt an, am Südpark ein Parkhaus und einen P&R-Parkplatz an der Münchener Straße zu bauen. Die „bisher einseitig autogerechte Stadt“, wie es Dieter Sawalies von der Linken nennt, „ist nicht in unserem Sinne“, Sawalies will sich für bessere Fußgängerwege, sicherere Fahrradwege und weitere Rad-Abstellplätze, „notfalls auch zu Lasten von Pkw-Stellplätzen“, stark machen. Dietmar Wolf versucht zu „überzeugen und nicht zu vertreiben“. Dafür müsse das ÖPNV-Angebot so attraktiv gestaltet werden, dass Autofahrer umsteigen.

„Mehr Einwohner erzeugen mehr Verkehr, die Kapazitäten erlauben es aber nicht, dabei weiter auf den Autoverkehr zu setzen“, sagt Siegesmund. Die Stärkung des Radverkehrs und des ÖPNV habe daher auch im Stadtbezirk oberste Priorität. Zusätzlich sei der ganze Bereich des Hafens mit den aktuellen und geplanten Bauvorhaben verkehrstechnisch eine Herausforderung.

Herzensangelegenheiten Besonders am Herzen liegt Walter Schmidt der Aachener Platz, Schmidt wohnt selbst in Flehe, der schon 1998 mit einer Umgestaltung Wahlkampf gemacht hat. 20 Jahre später gibt es endlich einen Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss, „der einzige Wermutstropfen ist, dass es noch zwei Jahre dauert bis zum Umbau“, so Schmidt. Gerne würde er auch in den nächsten Monaten in Erfahrung bringen, „was mit dem Scotti’s passiert“, sagt er, zudem ein E-Mobil für den Stoffeler Friedhof anregen. Die Spielgeräte auf dem Lessingplatz könnten aufgefrischt werden, „bei der Gestaltung des Fürstenplatzes wollen wir noch Duftmarken setzen“, sagt Schmidt.

Den Denkmalschutz haben sich Die Linke und die Grünen auf die Fahne geschrieben, „eine ausgeprägte Quartiers-Identität ist unverzichtbar und daher auch die stadtbildprägenden Gebäude und Areale wie der Bilker Bunker und der Platz zur Pferdetränke“, so Sawalies. Oft haben die Fraktionen für den Erhalt alter Gebäude in der BV gekämpft, den einen oder anderen Kampf auch verloren, das Haus an der Brunnenstraße mit dem markanten Pferdekopf über der Einfahrt „ist inzwischen abgerissen“, sagt Graeßner.

Der Fraktionssprecher der Grünen in der BV 3 hat auch eine lange Liste mit Schulthemen, die er im Bezirk abarbeiten will: Kritisch sieht er etwa die Erhöhung der Züge an den Grundschulen Kronprinzen- und Konkordiastraße. „Beide Schulen sind in historischen, nicht erweiterbaren Gebäuden untergebracht“, sagt Graeßner, der lieber eine weitere Grundschule hätte, Platz dafür gäbe es auf dem Gelände der Hauptschule Weberstraße, „die ja umziehen soll“, so Graeßner. Ähnlich skeptisch ist er bei der Erweiterung der Joseph-Beuys-Gesamtschule und regt an, im früheren Albrecht-Dürer-Kolleg eine zusätzliche Gesamtschule einzurichten. Für Marko Siegesmund zähle nicht zuletzt die Stärkung der Vernetzung der verschiedenen Akteure in den Stadtteilen, um so Lösungen für Probleme jeder Art bestmöglich hinzubekommen, nennt er etwa die Neuplanung der Verkehrssituation rund um die Bilker Kirche als Beispiel. „Sich untereinander zu kennen und über alles sprechen zu können, macht vieles leichter“, so der Bezirksbürgermeister.

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