Bilk: Klassentreffen: 50 Jahre später

Bilk: Klassentreffen: 50 Jahre später

Es ist ein denkwürdiges Jubiläum, zu dem sich Altschüler gestern am Walter-Eucken-Berufskolleg mit der Schulleiterin getroffen haben: Genau 50 Jahre ist es her, dass sie gemeinsam ihre Abiturzeugnisse überreicht bekamen.

Zu den Wiedersehen der besonderen Art gehört dieses auf jeden Fall: Am 8. März 1968 hatte die Klasse das Abitur in der Tasche, danach gab es noch ein Klassentreffen, seitdem keinen Kontakt - bis gestern. Fünf der 21 ehemaligen Klassenkameraden, heute alle ungefähr siebzig Jahre alt, trafen sich nach fast 50 Jahren zum ersten Mal wieder und erinnerten sich an die gemeinsame Schulzeit.

Es war die erste Klasse des neu eingeführten Wirtschaftszweigs am Walter-Eugen-Berufskolleg, damals noch die Kaufmännische Schule III. "Wir kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen", sagt Gerhard Lothar Müller, der das Treffen initiiert hat. "Und hatten zum Teil neun Jahre Altersunterschied." Das habe es natürlich erschwert, alle nach der langen Kontakt-Pause wiederzufinden und zu versammeln. "Vor zwei Jahren habe ich mal angefangen, alle zu suchen und zu kontaktieren." Dass nur fünf kommen konnten, hat verschiedene Gründe: Einige waren krank oder schon verstorben, andere im Urlaub oder zu weit weg. Manche waren schlicht nicht auffindbar. Ein ehemaliger Mitschüler, der ebenfalls kommen wollte, ist wenige Tage zuvor gestorben.

Obwohl sich die Klassenkameraden gut verstanden hätten, habe es keinen wirklichen Stufenzusammenhalt gegeben. "Wir waren eher eine Art Zweckverband", so Jürgen Obholzer. "Kaum jemand hat in Düsseldorf gewohnt, am Wochenende waren alle zu Hause bei den Eltern. Dadurch haben wir unsere Freizeit nicht zusammen verbracht. Und wir hatten ja nur knapp zwei Jahre zusammen." Auf den langen Zugfahrten seien jedoch Freundschaften entstanden: "Irmela, Jürgen und ich sind immer zusammengefahren", erzählt Müller. "Auf der Fahrt haben wir dann die Hausaufgaben abgeschrieben. Wer als letztes kam, hatte natürlich Pech."

Für den wirtschaftlichen Zweig haben viele sich aus einem einfachen Grund entschieden: "Wir wollten Abitur machen", erklärt Irmela Kuhlen, "um dann studieren zu können. Das war sonst nach der Höheren Handelsschule nicht möglich". Beruflich sind nur wenige den wirtschaftlichen Weg weitergegangen. Dieter Broch, der ursprünglich Physik studieren wollte, ist einer davon: seine Arbeit als Bundesbankdirektor habe ihn "hochzufrieden" gemacht. Auch Müller wollte erst in die Wirtschaft gehen. Nach VWL und BWL habe er jedoch erst im dritten Studiengang Fuß gefasst: Lehramt.

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Für die Ehemaligen war die Entscheidung, ans Wirtschaftsgymnasium zu gehen, ein großer Schritt. "Zum ersten Mal habe ich etwas allein beschlossen, unabhängig von meinen Eltern, bin in eine neue Stadt gegangen", so Obholzer. Auch wenn sie zum Teil mehrmals den Studiengang gewechselt haben, sind sie am Ende doch bei ihrem Traumberuf angekommen. Wie Werner Feldeisen, der trotz Philosophie- und Pädagogikstudium sowie drei Jahren Mönchsdasein mit Leidenschaft beim Arztberuf blieb.

Was sich in den letzten 50 Jahren alles geändert hat, ist im Gespräch mit der Schulleiterin Heike Joerß Thema. Vom Abitur, das längst nicht mehr so viel wert sei, bis zu den Schülern, die häufig von den Eltern alleingelassen würden. Auch Medien und Technik hätten die Schulwelt stark verändert, sind sich Ehemalige und Schulleiterin einig.

Es war ein herzliches Wiedersehen, zu wenig Zeit aber, um sich über 50 Jahre auszutauschen. "Wir sind noch nicht fertig mit uns", sagt Kuhlen zum Abschied.

(RP)