Düsseldörfchen Bilk : Zu Besuch in der Stadt der Kinder

Der Verein Akki veranstaltet erneut das Düsseldörfchen im Südpark. Die kleine Stadt wird von Kindern gebaut und regiert.

Weißer Rauch steigt aus dem mittelalterlichen Lager in kleinen Wölkchen auf in den stahlblauen Himmel über dem Südpark, als der selbstgebaute Lehmofen über einige Stunden ausgebrannt wird. Bald werden darin Brote gebacken, aber auch Pizza und Flammkuchen. Davor sitzen an einem mit Wasser gefüllten Bottich Hexe „Keine Ahnung“ und Hexe „Ziegenfell“, die in Wirklichkeit Henrike und Mila heißen und Teilnehmerinnen des diesjährigen Düsseldörfchens in dem weitläufigen Südpark-Gelände an der Werstener Straße sind.

Heute lernen sie im ebenfalls selbstgebauten Museumsdorf, wie man Körbe aus Peddigrohr flechtet. Die zuvor in Wasser eingeweichten Staken sind bereits in den Bodenplatten der entstehenden Körbe verankert, als die Mädchen damit beginnen, das filigrane Geflecht aus feinem Rohr anzulegen. Die Korbhöhe wächst beständig.

Die zehnjährigen Schülerinnen kennen sich bereits aus dem Kindergarten und nehmen in diesem Jahr erneut gemeinsam an einem Feriencamp der besonderen Art teil. In Kooperation mit dem Jugendamt veranstaltet das Akki, der Verein Aktion und Kultur mit Kindern, auch in diesem Jahr das Kinder- und Jugendferiencamp Düsseldörfchen, das eine kleine Stadt in der großen ist. Hier wird gehämmert und gebohrt, geschraubt und gesägt. Hier gibt es eine Autowerkstatt und eine Schreinerei, eine Heißschmiede und eine Bäckerei. Hier gibt es eine Bank, in der die eigene Währung Düssel-Euro verwaltet wird und auch eine eigene Zeitung. Die heißt Nüsseldörfchen, ist auflagenstark und versorgt die 350 teilnehmenden Kinder und Jugendlichen täglich mit den aktuellen Neuigkeiten aus dem Camp. Folglich wuseln täglich auch zahlreiche Redakteure über das Gelände und führen für ihre Zeitung und die eigene kleine Redaktion, die im Hauptzelt des Feriencamps untergebracht ist, Interviews mit den jungen Teilnehmern des Kulturangebots. So befragt zum Beispiel Henri (8) den amtierenden Bürgermeister Hannes (15), der vor gut einer Woche mit seiner Partei MAG, ein Akronym des Slogans „Macht gehört allen“, von den Teilnehmern des Camps an die Stadtspitze gewählt wurde. Er sorge dafür, dass seine Wahlversprechen eingehalten werden. Und dafür, dass sich alle kleinen und großen Bürger der Interimsstadt im Südpark mit ihren Fragen an ihn wenden können, erklärt Hannes. Etwa was die Bauhöhe der eigenen Buden angeht. Aber auch die Frage, wo man die selbstständig hergestellten Produkte, zum Beispiel frische Zitronenlimonade, verkaufen und damit Düsel-Euro verdienen kann.

Für die Kinder beginnen die insgesamt 15 Projekttage um 9.30 Uhr und enden gegen 17 Uhr mit einer Zusammenkunft im Theater- und Versammlungszelt bei gemeinsamen Aktionen, Mittagessen gibt es zwischendrin natürlich auch. Arbeitstage der rund 60 Teamleiter beginnen bereits um 8 Uhr bei einem Besprechungsfrühstück. „Dabei werden die aktuellen Projektstände besprochen und anstehende Bedarfe geklärt“, erläutert Katharina Termath. Die 37-jährige Kulturpädagogin ist gemeinsam mit Kunstpädagogin Sonja Hirschberg (43) verantwortlich für die Umsetzung und Projektleitung. „In unserem Fokus steht das Bemühen, dass die Kinder stets frei wählen können, welche der Angebote im Düsseldörfchen sie wahrnehmen wollen“, erklärt Termath.

Dabei kann es auch vorkommen, dass Kinder drei Wochen lang nichts anderes tun, als ein eigenes Haus aus Holz und unter Anleitung von Betreuern zu bauen. Der Erwerb eines Werkzeugführerscheins ist dabei allerdings obligatorisch. Andere hingegen wechseln nahezu täglich ihr Betätigungsfeld und probieren sich aus. Egal ob als Bürgermeister, Bäcker, Schlosser oder Verwaltungsangestellter im Rathaus des Düsseldörfchens – „die Teilnehmer können sich hier unter sehr realen Bedingungen in ihre Stadt einbringen“, erklärt Termath.

So spannend das dreiwöchige Leben im Düsseldörfchen ohnehin ist, jedes Jahr werden neue Schwerpunkte unter Beteiligung der Vorjahresteilnehmer gesetzt. Lautete im vergangenen Jahr das Motto „Hafenstadt“, so wollten die Kinder diesmal den Schwerpunkt auf das mittelalterliche Museumsdorf legen. Hier wird Geschichte zum Anfassen präsentiert und der Kontrast zwischen damals und heute erlebbar.

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