Eisgenuss zum Sparpreis Hier kostet das Eis noch 70 Cent

Düsseldorf · Nur fünf verschiedene Sorten, Tradition seit 1906 – und das mit Abstand günstigste Eis in Düsseldorf: Unbehaun startet in die Saison 2024, ein Besuch vor Ort.

Unbehaun in Düsseldorf: Wo Eis noch 70 Cent kostet
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So sieht es bei der Unbehaun-Eisdiele aus

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Foto: Maximilian Nowroth

Es ist 12 Uhr mittags, der Himmel grau, die Temperaturen einstellig. Aber bei dieser Eisdiele herrscht ein Betrieb, als wäre es eine Metzgerei mit Mittagstisch: Unbehaun hat am 4. März die Saison eröffnet, und die Stammkunden können es kaum erwarten. „Schön, dass Sie wieder da sind“, sagt eine Frau mit grauen Haaren und gelber Windjacke, die sich mit Eis für ihren Mann und ihre Enkelin eindeckt. „Wir haben Sie so vermisst!“

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Foto: dpa/Daniel Karmann

Mitarbeiter Fabio Osmieri bedankt sich, er weiß das sehr zu schätzen und kennt es doch schon so lange. Seit 30 Jahren steht der 45-jährige Italiener hinterm Tresen von Unbehaun, der Betrieb gehört seinem Onkel. Der Name geht auf die Düsseldorfer Gründerfamilie aus dem Jahr 1906 zurück – und ist über die Grenzen der Stadt bekannt.

Bei Google kommt die Eisdiele auf mehr als 4000 Rezensionen, die meisten sind gelinde gesagt überschwänglich: Im Schnitt liegt die Bewertung bei 4,6 Sternen. Die Suchmaschine liefert als automatischen Suchvorschlag eine Frage: „Wann macht Unbehaun wieder auf?“

Normalerweise am 1. März, sagt Fabio Osmieri. 2024 war es wenige Tage später, deshalb hängt sogar ein Zettel mit einer Entschuldigung im Schaufenster. Daneben aber stehen die Gründe, warum Menschen hier so sehnsüchtig aufs Eis warten und im Sommer gerne auch mal eine lange Schlange in Kauf nehmen: Eis mit frischer Milch, frei von Essenzen. Der Becher ab 90 Cent, das Hörnchen sogar schon ab 70 Cent.

„Für mich ist Unbehaun das letzte natürliche Eis der Stadt“, sagt der Düsseldorfer Gastro-Experte Markus Eirund. Stammkunde Herbert Klewe, der nach eigenen Angaben „zwei bis drei Mal am Tag“ vorbeikommt, lobt ebenfalls die ursprüngliche Herstellung ohne Konservierungs- oder Farbstoffe.

Das Rezept von Unbehaun stammt aus dem Jahr 1906 und ist geheim. Das Erfolgsrezept aber ist offensichtlich und lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Alles wie immer. „Unsere Tradition sind fünf Sorten“, sagt Fabio Osmieri. „Dafür kennt man uns, und dabei bleibt es auch.“

Nuss, Erdbeer, Vanille, Zitrone und Schokolade. Wer mag, mit Sahne. Dass am ersten Tag der diesjährigen Saison viele Stammkunden kommen, hört man schon an der Bestellung. Die Unbehaun-Ultras starten nicht mit der Sortenwahl, sondern mit dem Preis. „Einmal bitte für 2,30“, sagt eine Schülerin. Bei einer Mutter mit Kinderwagen ist es die kleinere Variante für 1,70 Euro, bei einer Frau darf’s ein bisschen mehr sein: „Für drei Euro, und bitte Schoko unten, dann Nuss und Zitrone.“

Das Eis wird nicht in Kugeln portioniert, sondern per Spachtel aufgeschichtet. „Wir machen immer voll“, sagt Fabio Osmieri. Dass der Einstiegspreis von 70 Cent im Hörnchen in Düsseldorf unschlagbar günstig ist, sei übrigens auch so eine Sache, die schon immer so sei: „Eis muss für alle sein.“ Diese Aussage würden andere Eisdieler vermutlich nicht verneinen. Aber der Normalpreis in Düsseldorf liegt eher um die zwei Euro. Im Eiscafé auf der gleichen Straße wie das Unbehaun zum Beispiel kostet eine Kugel 1,60 Euro.

Wieso kann die Kult-Eisdiele diesen Preis bieten? „Bei uns kommen Gott sei Dank viele Leute“, sagt Osmieri. Weitere Gründe nennt er nicht. Ob es auch daran liegen könnte, dass das Ladenlokal Eigentum der Familie ist und daher die Kosten überschaubar sind? Kein Kommentar, reden wir lieber über Eis. Und dann kommen auch schon wieder die nächsten Kunden rein, dabei ist es immer noch Mittagszeit und meteorologisch gefühlt noch Winter. Aber der Laden läuft schon wieder. Seit fast 120 Jahren.

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