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Bilk/Friedrichstadt: Eine Düsseldorfer Weihnachtsgeschichte

Bilk/Friedrichstadt : Eine Düsseldorfer Weihnachtsgeschichte

Für Elisabeth Gromann, geboren 1933 in Düsseldorf, zählt in diesen Tagen vor allem der familiäre Zusammenhalt.

Weihnachten kann festlich sein, besinnlich, liebevoll - und kommerziell. Überall leuchten schon seit Wochen bunte Weihnachtsreklamen und mancherorts wird der Weihnachtsbaum nicht nur geschmückt, sondern gleich mit einer Installation ausgestattet, die nicht nur blinkt und glitzert, sondern zur vollen Stunde auch Musik abspielt. Und doch gibt es in diesem Trubel Menschen, für die an Weihnachten besonders das Miteinander zählt, das Zusammensein mit der Familie.

Foto: Hans-Juergen Bauer

Einer dieser Menschen ist Elisabeth Gromann. Die 83-Jährige wurde 1933 in Friedrichstadt geboren und lebt heute in einem Seniorenheim in Bilk. Sie hat schon viele Weihnachten erlebt - und zählt das Fest zu ihren liebsten Zeiten im Jahr. Ihr Mann Fritz ist vor zehn Jahren verstorben, seitdem verbringt sie Weihnachten bei einem ihrer Kinder. In diesem Jahr weiß sie noch nicht, wo gefeiert wird. Schicksalsschläge haben die Planung durcheinander geworfen. "Vielleicht feiere ich auch hier in Bilk", sagt sie. Traurig ist Elisabeth Gromann deshalb aber nicht. "Für mich zählt nur eines: mit guten Gedanken bei meinen Kindern sein und hoffen, dass alles gut wird."

Dieser familiäre Zusammenhalt war Gromann, die aus einem Geschäftshaushalt stammt, schon immer wichtig. "Mein Vater war Goldschmied und Uhrmacher der Glashütte", berichtet sie, "und das Geschäft war auch an Heiligabend bis zum Abend geöffnet." Beschert wurde deshalb in der Kindheit nicht am heiligen Abend, sondern am ersten Weihnachtstag. "Wir hatten damals auch vor Weihnachten keinen Tannenbaum", erzählt sie, "der kam am ersten Weihnachtstag." Das Fest war für die Familie wichtig, auch dann noch, als der Vater 1939 von der Wehrmacht eingezogen wurde. "Der Vater blieb dann natürlich auch über Weihnachten im Krieg", erinnert sich Elisabeth Gromann. Ein bisschen gefeiert habe man trotzdem, gemeinsam mit den Großeltern und ihrem Bruder Heinz, der 1938 geboren wurde.

1942 wurde das Haus der Familie an der Hüttenstraße zerstört, und Gromann zog mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder nach Altenmarkt im Salzburger Land, zu Bekannten auf einen Bauernhof. Die Mutter litt an Atemwegserkrankungen, der Aufenthalt wurde vom Arzt empfohlen. In diesem Winter wurde zudem Elisabeth Gromanns Vater schwer erkrankt aus dem Kriegsdienst entlassen: "Das war mit allen zusammen eines der schönsten Weihnachten überhaupt." Die Familie wohnte gemeinsam in einem Zimmer des Bauernhauses - eng wurde es aber nicht: "Mir ist aus dieser Zeit vor allem Wärme und Nähe in Erinnerung." Noch etwas Anderes war aber an diesem Weihnachtsfest besonders - etwas, das es heutzutage zumindest in Düsseldorf kaum mehr gibt: Es hatte im Salzburger Land seit November immer wieder kräftig geschneit. "Wir waren Schlitten fahren und haben Schneemänner gebaut - am schönsten war aber der Schneegeruch."

Zurück nach Düsseldorf ging es erst nach Kriegsende, im Oktober 1945, zunächst zu den Großeltern, mit denen auch Weihnachten gefeiert wurde. Im Januar 1946 bekam die Familie dann eine eigene Wohnung in Angermund. Hier eröffnete der genesene Vater eine neue Werkstatt, und 1948 wurde Brüderchen Rolf geboren. Elisabeth Gromann half in dieser Zeit viel im Laden mit: "Meine Eltern haben mir vollkommen vertraut, ich wurde oft mit Gold und Brillanten losgeschickt." Außerdem war sie in der Angermunder Wohnung dafür zuständig, am Heiligabend den Christbaum zu schmücken - und Plätzchen zu backen. "Das mache ich bis heute gerne, jetzt für meine Enkelkinder - die Rezepte sind die gleichen: Spritzgebäck, Makronen, Spitzkuchen..."

Das schönste Weihnachten ihres Lebens zu bestimmen, fällt Elisabeth Gromann schwer: "Jedes Fest hatte seine Reize." An eines erinnert sie sich dann aber doch besonders gerne zurück: das erste Weihnachtsfest mit ihrer Tochter Petra, die Anfang November 1958 geboren wurde. "Mit Fritz und unserem Kind zu feiern, nur wir drei, das war etwas ganz Besonderes." Überhaupt habe sich das Weihnachtsfest verändert, als sie anfing, mit ihrem Mann Fritz und den Kindern - auf Petra folgten Jutta und Thomas - zu feiern. "Mein Mann hatte am 24. Dezember Geburtstag", erklärt sie, "das haben wir am Vormittag immer mit Freunden gefeiert - erst abends wurde es besinnlich." 1957 heirateten die beiden. Gemeinsam lebten sie in Bilk, Elisabeth Gromann ist dem Stadtteil deshalb treu geblieben.

Geschenke waren an Weihnachten für die Familie zwar nie entscheidend, einen Geschenktipp hat Elisabeth Gromann aber trotzdem: Bücher. Die Freude am Lesen sei bedeutsam und vermittle eine offene und positive Weltanschauung. "Gerade jetzt ist das wichtiger denn je", sagt sie, "es ist schlimm, was momentan in der Welt passiert." Auf das Weihnachtsfest freut sich Gromann aber auch in diesem Jahr - auf ruhige und besinnliche Stunden im Warmen, gemeinsam mit ihrer Familie oder zumindest mit den Gedanken ganz nah bei ihr.

(RP)