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Düsseldorfer Regisseurin dreht Webserie "Haus Kummerveldt"

Düsseldorfer Regisseurin dreht Webserie : Mit Cliffhanger in die zweite Staffel

Die Düsseldorferin Lotte Ruf hat eine deutsche Webserie mit historischem Stoff produziert. Nach acht Folgen soll „Haus Kummerveldt“ aber noch nicht zu Ende sein.

Lotte Ruf hat noch einiges vor in ihrem Leben. „Ich würde gerne Filme der Hollywood-Kategorie und ganz große Blockbuster produzieren“, sagt sie. „Der deutsche Filmmarkt nimmt ja auch gerade richtig Fahrt auf. Serien wie ‚Babylon Berlin‘ werde international verkauft. Dort dabei zu sein, wäre auch schon etwas.“

Die Filmemacherin hat noch viel Zeit, ihre Träume zu realisieren. Mit gerade erst 23 Jahren hat sie ihr Bachelor-Studium „Film und Sound“ mit dem Schwerpunkt Produktion an der Fachhochschule Dortmund mit einer glatten Eins abgeschlossen. Kein Wunder, präsentiert die gebürtige Düsseldorferin mit „Haus Kummerveldt“ doch eine beeindruckende, bisher acht Folgen umfassende Serie über eine junge Adlige, die Ende des 19. Jahrhunderts gegen die damals herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen aufbegehrt.

Haus Kummerveldt ist eine fiktionale Historienwebserie Deutschlands – ihre Grundzutaten: Melancholie, Morbidität und schwarzer Humor. „Ein Produzent sorgt dafür, dass die verschiedenen Ideen Realität werden. Ein Produzent sorgt dafür, dass Gedanken umsetzbar sind und ins Budget passen“, sagt Ruf, die mit Regisseur Mark Lorei im Münsterland Schlösser und Herrenhäuser besichtigte und deren Besitzer davon überzeugte, die Filmcrew dort drehen zu lassen.

Sie nahm Kontakt mit Filmföderungsorganisationen auf, suchte Sponsoren und sammelte so einen Etat im unteren sechsstelligen Bereich ein. Und dann lautete die Bilanz: fünf Schlösser, 27 Drehtage, 64 Drehbuchseiten, 18 Darsteller, 90 Crew-Mitglieder aus elf Städten, sechs Locations, acht Küken, zwei Pferde, ein Schwein, 69 Szenen, fünf Transporter, drei Kinder, 47 Kostüme, 33 Drehorte, 386 Requisiten – das zusammen ergibt eine anrührende, emotionale Geschichte. Und die soll weitergehen. „Wir haben ganz bewusst ein offenes Ende, einen Cliffhanger, zum Schluss der ersten Serie gewählt“, erläutert Ruf. Sie hat nämlich vor, die zweite Serie als Masterprojekt während ihres Film und Sound-Masterstudienganges zu realisieren.

Für niemanden in ihrer Familie war es eine Überraschung, als sich Lotte ein Filmstudium aussuchte. Bereits als Kind baute sie fünf Puppenhäuser mit „Harry Potter“-Anmutung und versetzte sich so in andere Realitäten. „Meine ganze Kindheit hindurch habe ich andere Welten nachgebaut“, so Ruf. „Geschichten zu erzählen, ist einfach Teil meines Lebens.“

Realitätsfremd ist sie aber keinesfalls, denn ihr Abitur baute sie im zweiten G8-Jahrgang am Humboldt-Gymnasium, arbeitete währenddessen in der Filmwerkstatt an der Birkenstraße, organisierte dabei u.a. den Videowettbewerb „24h To Take“ und bekam für ihre eigenen kleinen Filme zweimal den Förderpreis bei „Düsseldorf ist artig“.

Premiere feierte „Haus Kummerveldt“ beim renommierten Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken. „Dort waren wir zweimal ausverkauft und das Feedback war toll“, erklärt Ruf. Bei der Erstaufführung in ihrer Heimatstadt hatte Ruf starke Frauen als Unterstützung an ihrer Seite. Der „Zonta Club“, der sich weltweit dafür einsetzt, die Lebenssituation von Frauen im rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereich zu verbessern, organisierte die Düsseldorf-Premiere in der Black Box“.

„Zonta wird 100 Jahre alt, bei ‚Haus Kummerveldt‘ arbeiteten Frauen und Männer im Verhältnis 5:3 mit. Da passte es ganz gut“, so Ruf. „Aber meine Erfahrung sagt, dass bei anderen Filmproduktionen meistens nur 20 Prozent Frauen beteiligt sind.“ Auch das will Lotte Ruf demnächst ändern. „Haus Kummerveldt“ war nur der erste Akt.