Interview Yvonne Krüll von Fafas Ponyranch in Bilk „Ich glaube an keinen Vorschlag der Stadt“

Krüll · Die Betreiberin von Fafas Ponyranch weiß nicht, was aus ihrem Hof werden soll, wenn auf dem Tetelberg gebaut wird. Im Siegerentwurf war kein Platz mehr für das Kulturlabor und den Veranstaltungsort Datscha. Von dort bezieht Krüll Wasser und Strom.

 Yvonne Krüll und Pony Milkyway haben ihren Lebensmittelpunkt auf dem Tetelberg. Aber die Zukunft ihres Hofs ist ungewiss.

Yvonne Krüll und Pony Milkyway haben ihren Lebensmittelpunkt auf dem Tetelberg. Aber die Zukunft ihres Hofs ist ungewiss.

Foto: RP/Dominik Schneider

Der Tetelberg soll bebaut werden, nach den aktuellen Plänen müssen dafür etwa das Kulturlabor, der Veranstaltungsort Datscha und die Kleingartenanlage weichen. Einen Platz im kürzlich vorgestellten Siegerentwurf eines Berliner Architektenbüros gibt es jedoch für Yvonne Krüll und ihre Ponyranch. Doch zufrieden ist die Betreiberin damit nicht. Im Gegenteil: Das Hin und Her schädigt ihr Geschäft, wie sie im Interview erklärt.

Frau Krüll, die Stadt hat Ihnen ein Gelände am Aderdamm in Hamm angeboten, jetzt sieht es so aus, als könnten Sie sogar am Tetelberg bleiben. Sind Sie erleichtert?

Yvonne Krüll Nein. An keinen der beiden Vorschläge glaube ich wirklich. Am Aderdamm stehen noch Pferde, ich habe keine Ahnung, wie, wann und wo ich dort unterkommen kann und mit wem ich mir das Gelände teilen muss. Außerdem ist die Lage dort alles andere als ideal.

Und wie sieht es mit einem Platz auf dem neuen Tetelberg aus?

Krüll Ich halte hier 21 Pferde auf aktuell 16.000 Quadratmetern. Um tiergerecht arbeiten zu können, brauche ich mindesten 10.000 Quadratmeter. So viel wird mir in einem Neubaugebiet niemals zustehen. Und außerdem glaube ich, dass die Rolle von Fafas Ponyranch missverstanden wird. Die Pferde haben ein Handicap oder wurden aus schlechter Haltung gerettet. Das hier ist ein Ort für die Tiere, kein Streichelzoo, der als Highlight des neuen Wohngebiets dienen kann.

Hat man die Pläne, für Sie am Tetelberg einen Platz zu schaffen, mit Ihnen abgestimmt?

Krüll Nein.

Sie sehen für sich also keine Hoffnung auf dem Tetelberg?

Krüll Nicht, wenn so gebaut wird, wie es aktuell der Plan ist. Allein schon die Logistik: Ich beziehe Wasser und Strom von der Datscha. Wenn die weg ist, muss ich das anders organisieren.

Also ist der Aderdamm die wahrscheinlichere Lösung?

Krüll Ich weiß im Augenblick wirklich nicht, wie das Ganze weitergehen soll. Ich bekomme Angebote von der Stadt, auf die ich mich nicht verlassen kann. Ich muss einfach abwarten, bis die Verwaltung ihre Pläne konkretisiert. Aber selbst, wenn dann alles fest steht: Wie soll ich den Umzug organisieren? Ich habe hier Stallungen und Arbeitsgebäude, die kann ich nicht einfach verladen und nach Hamm transportieren. Und ich habe auch nicht das Geld, dort einfach einen komplett neuen Hof aus dem Boden zu stampfen.

Wie sehr wirkt sich diese Unsicherheit auf Ihren Betrieb aus?

Krüll Sehr. Seit anderthalb Jahren mache ich hier nur noch Instandhaltungsarbeiten. Eigentlich müsste ich vor dem Winter investieren, um den Pferden ein angemessenes Heim bieten zu können. Aber ich sehe ehrlich gesagt nicht ein, hier noch Geld hineinzustecken, wenn ich doch eh umziehen muss.

Wie reagieren die Menschen, die zum Reiten zu Ihnen kommen?

Krüll Die Schulen, die mit ihren Kindern zu mir kommen, sind abgesprungen. Die Unsicherheit war den Verantwortlichen einfach zu viel. Das ist für mich finanziell natürlich ein Problem. Zum Glück sind die privaten Helfer geblieben, kümmern sich um die Gebäude und die Pferde. Ohne sie und auch ohne die Spenden, die ich bekomme, könnte ich den Betrieb hier nicht aufrechterhalten. Dafür bin ich dankbar. Zum Glück habe ich auch die Corona-Hilfe bekommen, ohne diesen Zuschuss hätte ich die vergangenen Monate nicht überstanden.

Wie sehr leiden Sie persönlich unter der Situation?

Krüll Mein ganzes Herzblut steckt in diesem Hof, ich würde es als Berufung bezeichnen. Ich habe hier in 13 Jahren ein Heim für Pferde aufgebaut, die anderswo keine Zukunft hätten. Ich habe mit zwei Ponys angefangen, inzwischen drei Fohlen großgezogen, eines davon trotz Hufkrebs. Dieser Hof ist mein Leben, meine Familie. Ich arbeite hier sieben Tage die Woche. Wenn es scheitern würde, dann würde es mir auch persönlich das Genick brechen.

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