Düsseldorf: Bilker Tankstelle nach 60 Jahren dicht

Seit 1957 in Düsseldorf: Bilker Tankstelle macht nach 60 Jahren dicht

Eine Institution im Düsseldorfer Stadtteil Bilk verschwindet: Weil der Pachtvertrag für das Gelände an der Bachstraße gekündigt wurde, ist für die Esso-Tankstelle Schluss - nach 60 Jahren.

Geschwungener sind sie damals gewesen, die Buchstaben, die einzeln auf dem Dach der Tankstelle montiert waren. Käfer kamen und Mercedes - Autos, die heute allenfalls noch mit einem historischen Kennzeichen unterwegs sind, die meisten aber wohl den Geist aufgegeben haben. Die Düsseldorf Arcaden gab es noch nicht, das Sushi-Taxi und das Berufskolleg auch nicht. Gewachsen ist die Bachstraße, ist das Viertel in den vergangenen Jahrzehnten - immer mittendrin die Esso-Tankstelle.

Die letzten Wochen aber sind die Regale leerer geworden - Zeitungen, Süßwaren und Getränke nicht nachbestellt worden. "Wir schließen Ende März", haben die Kassen-Angestellten unzählige Male auf die Fragen der Kunden geantwortet. Das Bedauern für das Aus der Esso-Tankstelle an der Bachstraße ist auf beiden Seiten groß. "Das ist aber schade. Wo soll ich denn nun tanken?", haben viele gefragt, wohlwissend, dass es am nahen Südring Möglichkeiten gibt. Aber für die Bilker ist die Esso an der Bachstraße besser zu erreichen, um die Ecke irgendwie, der Kontakt persönlich, viele kennen die Mitarbeiter mit Namen.

1957 eröffneter die Tankstelle an der Bachstraße. Hochhäuser gab es kaum drumherum, und auch die Autos sahen noch ein bisschen anders aus. Foto: gabriel

"Fristgerecht hat die Esso uns den Pachtvertrag vor einem halben Jahr gekündigt", sagt Betreiber Heiko Gabriel. Der Kfz-Meister hatte den Betrieb 1998 übernommen, aber schon vor mehr als 60 Jahren betankten dort die Bilker ihre Autos. Als die Bachstraße noch durchgängig befahrbar war von der Martin- bis zur Friedrichstraße, zählten auch viele andere Autofahrer zu den Kunden.

Nachdem mit dem Bau der Düsseldorf Arcaden die Bachstraße vor dem Floragarten zur Sackgasse wurde, brachen die Einnahmen für Heiko Gabriel ein, der trotzdem immer versuchte, weiterzumachen.

Geld verdient hat er mit Benzin, Zeitungen, Lebensmitteln. Ein paar Euro brachten Autowaschanlage und die Garagenmieten ein, dazu kam der Werkstattservice. Den Kfz-Mechaniker hatte Gabriel schon, als er vor 20 Jahren den Pachtvertrag unterschrieb. "Viele Kunden sind mit uns aufgewachsen und waren mit unserer Arbeit immer zufrieden", sagt Gabriel. Auch seine fünf Teilzeitmitarbeiter für den Kassenservice sind schon lange bei ihm beschäftigt, einige von ihnen von Anfang an.

Kündigung kam überraschend

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Als die Kündigung kam, waren Heiko Gabriel und seine Mitarbeiter überrascht. "Schon krass, mit 54 Jahren plötzlich wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen", sagt er. Inzwischen kennt er aber die Beweggründe von Esso. Energiekonzern Exxon-Mobil, zu dem Esso gehört, verkauft sein deutsches Tankstellennetz. Esso, so sagt Gabriel, veräußert nun noch die Grundstücke, um entsprechende Einnahmen mitzunehmen. Und das Grundstück an der Bachstraße dürfte einen guten Wert haben, vermutet er.

Immerhin liegt es mitten in Bilk, nahe des Einkaufszentrums, nur wenige Straßen von der Autobahn entfernt, Altstadt und Rhein sind gut zu Fuß zu erreichen. Und die Düssel führt direkt vorbei. "Die können hier schon gut was hinbauen", sagt Gabriel. Geplant sind, so hat er gehört, neue Wohnungen.

Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD) und Dietmar Wolf von den Grünen und zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister haben beide mitbekommen, dass Esso schließt. Was aber auf dem Grundstück passiert, ist noch ungewiss, Bauanträge oder Voranfragen seien in der Bezirksvertretung zum Gelände keine gestellt worden.

Sicher ist dagegen, dass es im Dezember 2017 und Januar 2018 im Umweltamt Gespräche "zur Abstimmung der in Ergänzung der bereits vorliegenden Untersuchungsergebnisse erforderlichen Boden-, Bodenluft- und Grundwasseruntersuchungen zur Beurteilung der Möglichkeiten und Anforderungen für eine Neunutzung des Geländes gab", sagt Inge Bantz, stellvertretende Leiterin des Umweltamts. Der Grundstückseigentümer oder der Investor müssten diese Untersuchung durch einen Fachgutachter beauftragen.

Die Schadstoffe seien nicht von seiner Tankstelle, betont Gabriel, "von 1847 bis 1917 befand sich eine Blaufärberei auf dem Gelände", sagt Bantz , die auch eine Konzession für eine Kohlengasfabrik hatte. Nach 1917 wurde das Gelände gewerblich genutzt - Maschinenbau, Metallverarbeitung, Kfz. "Während des Krieges wurde das Gelände von mehreren Bomben getroffen", erzählt Bantz - 1957 sei schließlich die Tankstelle mit Garagen eröffnet worden.

Heiko Gabriel packt derweil seine Sachen. "Uns fällt es schon schwer, den Betrieb aufgeben zu müssen", sagt er. Seine Teilzeitmitarbeiter sind jetzt arbeitslos, suchen einen neuen Job. Gabriel selbst konnte an der Esso-Tankstelle Mecumstraße eine Hebebühne mieten. Dort wird sein Mitarbeiter wie schon seit mehr als 20 Jahren weiterhin die Autos der Stammkunden reparieren. Gabriel übernimmt die Verwaltungsaufgaben.

(RP)