Düsseldorf: Bilker Schüler wollen Bienen retten

Umwelt : Bilker Schüler wollen Bienen retten

Die Grundschüler verteilen Papiertüten mit Blumensamen, damit überall in der Stadt Blumen für die Bienen blühen. Das ist nur eines von vielen Projekten der Garten-AG der Martin-Luther-Schule.

Den ganzen Morgen sind Edith, Henri, Emil und die anderen Kinder aus der Garten-AG durch die Klassen gezogen, sind Treppen rauf, Treppen wieder runter gelaufen, kreuz und quer durch die Martin-Luther-Schule. Sie haben fleißig Papiertüten an die Klassen verteilt, Nachschub geholt, wenn sie nicht genug mitgebracht hatten für ihren Vortrag, und geduldig erklärt, was es auf sich hat mit dem Geschenk. „Jedes Kind hat eine bekommen“, erzählt Henri (9). Gefüllt sind die Tüten mit Blumensamen und einem großen Flyer, auf dem das Bienen-Einmaleins erklärt wird.

„Wir machen das, damit die Bienen Pflanzen haben“, sagt die neun Jahre alte Edith, die genau weiß, warum Bienen so wichtig sind für die Menschen. „Wenn die Bienen nämlich nicht mehr da sind, haben wir kein Gemüse.“ Auch wenn Edith gesteht, dass sie nicht jedes Gemüse mag, auf Möhren würde sie niemals verzichten wollen. Jeden Freitag treffen sich die Kinder in der Garten-AG, die Ilka Pietsch leitet. Sie haben einen Garten angelegt hinter dem Schulgebäude, wo es eigentlich keine Sonne gibt, sie haben aus Europaletten Möbel gebaut und bunt angestrichen und aus alten Eimern Pflanzentöpfe gebastelt. Jetzt sind die Schüler auf einer besonders wichtigen Mission: Sie wollen die Bienen retten und verteilen die mit Blumensamen gefüllten Papiertüten an ihre Mitschüler, die sie animieren, die Samen auf dem Balkon oder im Garten einzupflanzen, sie an Freunde und Verwandte zu verschenken.

An der Bienenretter-Aktion nehmen Schulen und Kindergärten aus ganz Deutschland teil. „Die Organisatoren sind auf uns aufmerksam geworden, als wir die Idee zum ,Warmer-Pulli-Tag’ hatten“, sagt Schulleiterin Linda Hennemann, die viel Kritik einstecken musste dafür, sogar Morddrohungen gab es. Dabei wollte sie eigentlich ihren Schülern nur erklären, wie Energiesparen funktioniert. Am Ende war der Tag ein Erfolg, die Kinder hatten Spaß, es war fast wie ein kleines Event, dick eingemummelt mit Pulli, Mützen und Schals im Klassenzimmer zu sitzen und Mathe oder Deutsch zu machen. Sogar andere Schulen und Kitas denken inzwischen nach, einen „Warmer-Pulli-Tag“ auszurichten. Und vielleicht hat die Martin-Luther-Schule mit ihrer Bienenretter-Aktion wieder Vorbild-Funktion.

Die Kinder der Garten-AG haben auch kleine Samenbomben gebastelt, „Kugeln, die aus Erde, Humus, Ton und Wasser sind“, sagt Carlo, „die wirft man auf den Boden, wenn’s regnet.“ Dann lösen sich die kleinen Bomben auf und nach ein paar Monaten wächst eine Blume. Dass das Wetter jetzt so langsam wieder gut ist, freut die jungen Gärtner natürlich, „im Winter waren wir eigentlich immer drin, weil der Boden gefroren war“, erzählt Edith. Mobiles aus Blättern haben sie gebastelt oder Theorie gebüffelt – kein Vergleich zum echten Gärtnern. Mit echtem Werkzeug. Und echtem Dreck unter den Fingernägeln.

„Die Garten-AG härtet ab“, sagt Edith, die keine Angst mehr hat vor Spinnen, Käfern und Ungeziefer. Im Gegenteil: Wer ganz vorsichtig ist, kann Wildbienen sogar streicheln, „die sind ganz kuschelig“. Wie Edith geht es den meisten Kindern, die in der Garten-AG viel gelernt haben, zum Beispiel im Team zu arbeiten. „Wir streiten nie“, sagt Emil. „Wusstest du, dass eine Wildbiene 300 Blüten bestäuben muss, um ein einziges Wildbienen-Kind großzuziehen?“, fragt Lasse dann, der immer noch kaum glauben kann, wie hart so eine Wildbiene arbeiten muss. Um die Bienen dabei zu unterstützen, verteilen die Bilker Kinder weiter das Saatgut, „damit ganz viele Insekten etwas davon haben“, sagt Ilka Pietsch.

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