Düsseldorf-Bilk: Der Filmvorführer im Metropol geht

Programmkino in Düsseldorf Bilk : Der Filmvorführer im Metropol geht

Vor 40 Jahren übernahm Udo Heimansberg das Programmkino Metropol an der Brunnenstraße in Düsseldorf-Bilk. Bevor er 70 Jahre alt wird, will er aufhören.

Einen Lieblingsfilm hat Udo Heimansberg nicht, aber einen, mit dem alles begann. Ben Hur. Udo Heimansberg ist elf Jahre alt, als ihn sein Vater mit ins Kino nimmt, nicht in irgendeins, „sondern in ein richtig großes“, sagt Heimansberg – in den Kristall-Palast an der Immermannstraße, dort, wo heute das Japan-Center ist. 

„Ich kannte bis dahin nur die kleinen Vorstadt-Kinos“, sagt der heute 69-Jährige, der an jenem Tag vor fast 60 Jahren eigentlich lieber Fahrrad gefahren wäre – ein Kulturfilm ist eigentlich nichts für ihn, dachte er damals. Der Vater schwärmt, der Junge ist skeptisch. Bis der Film beginnt – in Cinemascope, eine spezielle Breitbildaufzeichnung, Technicolor und Vier-Kanal-Magnetton, einer Art Surroundsound.

Udo Heimansberg ist begeistert, so sehr, dass seine Wangen rot sind, als er aus dem Kino kommt, dass er sogar leicht erhöhte Temperatur hat. Dass er irgendwann ein eigenes Kino betreiben wird, das ist 1961 längst nicht sicher. Aber der Grundstein dafür ist gelegt. Im Oktober 1979 ist es dann so weit, er steht auf der Brunnenstraße vor dem Metropol und fragt: „Habe ich jetzt das Kino oder nicht?“ „Ja, klar“, antwortet Helmut Rehbein, der ihm das Metropol verpachtet.

Udo Heimansberg ist geblieben. 40 Jahre lang. Es gab Zeiten, da hat er sogar an der Brunnenstraße gewohnt. Mal gegenüber des Kinos, mal obendrüber. „Damals war es noch nicht so laut hier“, sagt der 69-Jährige, der so viel erlebt hat im Metropol, der das Metropol zu dem gemacht hat, was es heute ist, der es geschafft hat, dass es das Metropol heute überhaupt noch gibt.

Denn als Heimansberg das Kino Ende der 70er übernahm, „war es in einem katastrophalen Zustand“, sagt er. Niemand wollte das Kino haben, die Umsätze waren schrecklich, das sah im Stern in Rath anders aus, wo die Filme für die beiden Kinos ausgesucht wurden. Was in Rath funktionierte – Karate und Zombies, Bruce Lee, Bud Spencer und Terence Hill –, das funktionierte nicht in Bilk.

„Das Metropol lag so nah an der Uni, die Leute wollten etwas Anspruchsvolles“, sagt Heimansberg. Sein erster Film, den er im Metropol zeigte, war Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“. 78 Besucher in zwei Vorstellungen, in Rath kamen mehr als 200. Ein echter Flop. Als er das Programm selber gestalten konnte, wurde es besser. Fünf Jahre später schloss das Stern-Kino. „Wir sind geblieben.“

Im Januar wird Udo Heimansberg 70. „Wenn ich 70 werde, dann höre ich auf“, hat er immer gesagt. Und er wird aufhören, noch bevor er den runden Geburtstag feiert. Zum 1. Januar 2020 gibt er seine Anteile ab, die Aufgaben übernimmt sein Geschäftsführer Nico Elze. Es ist ein Abschied in kleinen Etappen, das Aufhören fällt ihm nicht schwer. Sagt er. „Weil ich ja nicht ganz weg bin, die Kollegen können mich immer fragen.“

Und der Laden läuft. „So ist es doch toll zu gehen“, sagt Heimansberg. Auch wenn sich das Business verändert hat. Damals, als Udo Heimansberg angefangen hat, war Kino noch anders. Die, die im Saal saßen, verbrachten einen netten Abend mit Doktor Schiwago und Cleopatra und Lawrence von Arabien.

Die, die das Programm verantworteten, hatten einen Knochenjob. „Mein Rücken hat gelitten“, sagt Heimansberg, der schon viele Vorteile in der neuen Technik sieht. In der Digitalisierung. Das Metropol war das letzte Kino in Düsseldorf, das auf die digitale Technik umstellte. Irgendwann zwischen 2012 und 2013.

Auch wenn damit der Beruf des Filmvorführers ausgestorben ist. Als Heimansberg anfing, gab es Filmrollen, fünf bis sechs Stück für 120 Minuten, jede Rolle fünf Kilo schwer. Ben Hur hatte 16 Rollen, „durch das breite Filmformat wog eine Rolle zehn Kilo“. Im kleinen, stickigen Vorführraum musste der Filmvorführer die Rollen in den Projektor hieven.

Und je länger ein Film schon gezeigt wurde, umso schlechter war die Qualität. Staub legte sich auf die Bänder, was auf der Leinwand ein Flackern auslöste. „Wenn der Filmvorführer schlecht war, konnte es Probleme beim Ton geben, beim Format“, erzählt Heimansberg, der so einige skurrile Filmvorführer kennengelernt hat. „So mancher davon war betrunken, was aber nicht immer schlecht sein musste für den Film“, erzählt Heimansberg.

199 Plätze gab es im Metropol, als Udo Heimansberg anfing. In einem Saal. 145 sind es heute – mehr Beinfreiheit, breitere Sessel. Dazu 45 weitere in einem zweiten kleinen Saal, den Heimansberg 1992 dazu bekommen hat. Nachdem das benachbarte Hotel einen Teil seiner Räume aufgegeben hat. Die tiefgekrümmte Bildwand gibt es heute noch an der Brunnenstraße, die Heimansberg 1983 hat einbauen lassen.

Der dreifache Oscarpreisträger Maurice Jarre aus Lawrence von Arabien zu Besuch bei Udo Heimansberg (l.). Foto: Heimansberg
Mit dieser Anzeige warben Atrium und Metropol für ihr Programm. Foto: L/DSSd
Eng, warm, stickig: So sah der Vorführraum 1979 aus, in dem Udo Heimansberg arbeitete. Foto: Heimansberg
Das Metropol gab Programme raus. Dieses Exemplar ist von Juli 1988. Foto: Metropol
Udo Heimansberg bedient eine 35-Millimeter-Projektion. Foto: Heimansberg

Ein denkwürdiger Moment, an das Datum kann er sich noch gut erinnern. Es war der Abend des 4. Oktobers – den Einbau der neuen Leinwand hat Heimansberg verpasst. Weil er etwas Wichtigeres vorhatte. Etwas, das sein Leben verändern würde. „In der Nacht war die Geburt meines Sohnes“, sagt Udo Heimansberg.

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