Straßenumbenennung in Düsseldorf „Hermann wäre stolz gewesen“

Düsseldorf · Die Wissmannstraße heißt nun offiziell Hermann-Smeets-Straße. Am Freitag wurden am Friedensplätzchen die neuen Schilder enthüllt. Mit dabei war auch die Familie des 1997 verstorbenen Namensgebers.

Darauf haben die Bilker  Heimatfreunde lange gewartet: Im Herzen des Stadtteils erinnert nun eine Straße an ihren langjährigen Vorsitzenden Hermann Smeets.

Darauf haben die Bilker Heimatfreunde lange gewartet: Im Herzen des Stadtteils erinnert nun eine Straße an ihren langjährigen Vorsitzenden Hermann Smeets.

Foto: Anne Orthen (orth)

Da staunten die Marktbesucher am Freitagvormittag und auch einige Passanten kamen neugierig näher: An der Ecke Friedensplätzchen/Wissmannstraße hatte sich eine Gruppe Menschen zusammengefunden, um feierlich die neuen Straßenschilder zu enthüllen. Ab sofort haben die Anwohner dort eine neue Adresse: Hermann-Smeets-Straße. Nur die Häuser mit den Nummern 6, 8 und 10 werden von nun an unter der Adresse Friedensplätzchen geführt.

Die Wissmannstraße gehörte zu jenen elf Straßen, deren Namensgeber nach einer geschichtlichen Prüfung nicht mehr als angebracht eingestuft wurden. Darunter die Porschestraße in Flingern-Nord und die Schlieffenstraße in Mörsenbroich, die seit dem 13. Juni Radschlägerweg heißt.

Zur feierlichen Enthüllung am Freitagvormittag war die Familie des 1997 verstorbenen Smeets angereist. Darunter sein Enkel und ein Neffe, der eigens aus Kiel kam, und Schwiegersohn Bertold Schumacher. Der war sicher: „Hermann wäre stolz gewesen.“ Begeistert stellte er fest: „Ich finde es unglaublich, dass mein Schwiegervater auf diese Weise gewürdigt wird.“ Er habe sich das eigentlich auch immer gewünscht, ist Schumacher überzeugt, „weil er ein engagierter Bilker und ein wirklich toller Mensch war“.

Was die Familie besonders freut, „dass eine so schöne Straße in Bilk nach ihm benannt wurde und nicht irgendeine in einer Neubausiedlung, zu der es keinen Bezug gibt“. Doch wer war Hermann Smeets eigentlich? Toni Feldhoff von den Bilker Heimatfreunden, die Smeets eins mitbegründet hat, konnte da einiges erzählen. Zum Beispiel, dass Smeets‘ Mutter Düsseldorferin war, der Vater ein Niederländer. Eigentlich wurde Smeets in Oberbilk, an der Ellerstraße, geboren. Erst als Hermann sechs Jahren alt war, zog er mit den Eltern ins Haus Germaniastraße 24. Von da an war Hermann praktisch ein Bilker Jong. Seinen Wurzeln blieb er ein Leben lang treu und machte sich für seinen Stadtteil stark, engagierte sich unter anderem im Bilker Schützenverein und gehörte 1951 zu den Mitgründern der Bilker Heimatfreunde, deren Vorsitzender er für drei Jahrzehnte blieb. Er setzte sich für den Erhalt geschichtsträchtiger Bauten und für die Errichtung von Denkmälern ein. Auch das nach ihm benannte Heimatarchiv hat er maßgeblich mit aufgebaut.

Das allein hätte wohl schon gereicht, Hermann Smeets‘ Wirken mit einem Straßennamen in seinem Stadtteil zu würdigen. Über viele Jahre hinweg hatten sich die Heimatfreunde nach seinem Tod 1997 auch immer wieder darum bemüht.

Als nun die Diskussionen zu geschichtlich belasteten Namensgebern verschiedener Düsseldorfer Straßen Fahrt aufnahmen, gehörte Hermann Smeets zu den Menschen, die in die engere Wahl für eine mögliche Umbenennung kamen. Schließlich beschloss der Rat, dass sein Name zukünftig anstelle des Kolonialbeamten Hermann von Wissmann auf dem Straßenschild stehen solle.

Smeets war nicht nur sehr heimatverbunden. 1942 gründete er eine Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime, die sich ab 1945 „antifaschistische Kampforganisation“ (AntifaKo) nannte. Unter dem Decknamen „Walter Jordan“ plante er – wie die sogenannte Aktion Rheinland, die Stadt kampflos an die Alliierten zu übergeben, um so ihre Zerstörung zu verhindern. Kurz nach der Befreiung Düsseldorfs lernte Smeets die Überlebenden der Aktion Rheinland, Aloys Odenthal und Karl August Wiedenhofen, kennen. Die drei wurden von den US-Kommandeuren bevollmächtigt, einen Ausschuss für Wahlen in Düsseldorf zusammenzustellen. Hermann Smeets wurde zum provisorischen Oberbürgermeister ernannt.

Die Stadt hat entschieden, die alten Straßennamen nicht sofort abzumontieren, sondern durchgestrichen noch für ein Jahr hängen zu lassen. Zum einen, um den Übergang – besonders bei der Postzustellung – zu vereinfachen, zum anderen um ein deutliches Zeichen für die Umbenennung zu setzen.