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Diversitas: Die Aidshilfe Düsseldorf wird 35 und gibt sich einen neuen Namen

Der Verein heißt jetzt Diversitas : Die Aidshilfe Düsseldorf wird 35 und gibt sich einen neuen Namen

Noch immer sind Aids und HIV-Infektion mit Vorurteilen verhaftet. Und die Infektionszahlen sind in Düsseldorf gestiegen. Die Aidshilfe, die vor 35 Jahren antrat, um sich selbst überflüssig zu machen, hat also noch viel zu tun.

Sie seien angetreten, um sich überflüssig zu machen, sagt Silke Klumb, Geschäftsführerin der deutschen Aidshilfe. Überflüssig ist die Düsseldorfer Aidshilfe in den letzten 35 Jahren nicht geworden. Im Gegenteil, seit der Gründung sind immer neue Aufgaben hinzugekommen. Projekte wie die Trans*beratung Düsseldorf, das Migrationsprojekt PRADI oder die Wohnungslosen-Pflege erweitern das Angebot des Vereins.

Gestern feierte die Aidshilfe Düsseldorf im Rathaus nicht nur ihren Geburtstag, sondern auch den des Gründungsmitglieds Harald Schüll, der sich selbst in der 80ern infizierte und sich heute noch engagiert.

Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nahm die Zuhörer in ihrer Festrede mit in die 80er Jahre, als Peter Gauweiler einen erschreckenden Katalog erstellte, wie man mit HIV-Infizierten umzugehen habe. „Aids galt als Strafe für eine sündhafte Lebensweise. Es gab die Vorstellung einer nicht beherrschbaren Seuche. Nicht die Krankheit, sondern die Kranken sollten bekämpft werden“, erinnert sie sich.

Heute ist die Krankheit behandelbar, aber noch nicht besiegt. Die Diskriminierung Erkrankter hat nachgelassen, ist aber noch nicht vollständig aus der Gesellschaft verschwunden. Daher ist Aufklärung immer noch sehr wichtig. „Im Gespräch mit Menschen stelle ich oft fest, wie viel Unwissenheit es noch im Bezug auf Aids und unsere Arbeit gibt“, sagt Sebastian Welke, Vorstand der Aidshilfe.

In diesem Jahr gab es in Düsseldorf mehr HIV-Infizierte als im Jahr davor, berichtet Geschäftsführer Peter von der Forst. Daher müssten die Projekte trotz Corona unbedingt weitergehen. Das queere Jugendzentrum Puls beispielsweise biete jungen Menschen einen Schutzraum, der auch unter Coronabedingungen erhalten werden müsse. Denn wo sollen sie hin, wenn sie zu Hause diskriminiert werden, fragt von der Forst.

Auch die Bildungsarbeit müsse fortgeführt werden. „Und wir brauchen die Einführung von Spritzenaustausch in den Haftanstalten“, fordert der Geschäftsführer. Die Projekte seien aber gefährdet, da unter anderem wegen der Corona-Pandemie, die finanziellen Mittel fehlten, etwa, weil Charity-Veranstaltungen,   nicht möglich seien.
Mittlerweile vereint die Aidshilfe zahlreiche Projekte unter sich, die nicht alle mit der Erkrankung zu tun haben. Da stellt sich die Frage, ob der Name des Vereins überhaupt noch zeitgemäß ist. Daher hat sich die Aidshilfe Düsseldorf entschieden, in Zukunft die unterschiedlichen Angebote unter der Dachmarke „Diversitas bunt für Düsseldorf zu präsentieren.