Bilk: Die Magie lebt von der Show

Bilk: Die Magie lebt von der Show

Wolfgang Sommer hat an der Volmerswerther Straße eine Zauberschule gegründet, nachdem er seine Tricks 25 Jahre lang auf Kreuzfahrtschiffen präsentiert hat. Jetzt verspricht er: Jeder, der nur genug übt, kann das Zaubern erlernen.

Selbstsicher lächelt mich Wolfgang Sommer an. "Sind Sie leicht zu beeinflussen?", fragt er, während ich zwei Asse verdeckt in einem Kartenstapel verteile. "Auf gar keinen Fall", entgegne ich ihm. Doch wenige Augenblicke später belehrt mich der Magier eines Besseren und zeigt, dass ich meine beiden Asse jeweils neben eines der zwei noch übrigen ins Kartendeck gelegt habe. So lerne ich in Wolfgang Sommers Zauberschule gleich meine erste Lektion: Zaubern lebt nicht allein von Fingerfertigkeit, sondern vor allem durch eine gute Show.

Auf den ersten Blick hat das Mehrparteienhaus an der Volmerswerther Straße 86 wenig Magisches. Statt wandelnder Treppen wie in Hogwarts, reiht sich in dem sterilen Flur Büro an Büro. Dieser Eindruck ändert sich erst, nachdem ich im Keller hinter einer Ecke durch eine unscheinbare Tür trete. Dahinter erwarten mich magische Boxen, Zauberstäbe sowie weitere Utensilien - und Wolfgang Sommer, Leiter von Düsseldorfs einziger Zauberschule, der mir an diesem Tag das Zaubern beibringen möchte.

Seitdem Magiere wie Hans Klok oder die Ehrlich Brothers mit ihren spektakulären Shows ihr Publikum begeistern, ist Zaubern populärer geworden. Für die meisten Besucher von Wolfgang Sommers Seminaren ist das Zaubern ein Hobby, um Freunde und Bekannte zu beeindrucken. Für manch einen fiel dort jedoch der Startschuss, in Sommers Fußstapfen zu treten und auf großen Bühnen weltweit zu zaubern.

Vor seiner Zeit als Zauberlehrer reiste Wolfgang Sommer als Magier 25 Jahre auf Kreuzfahrtschiffen um die Welt. 2006 zog es den gebürtigen Düsseldorfer jedoch wieder zurück an den Rhein, wo er seine Zauberschule gründete, um seine Tricks weiterzugeben. Doch - darauf weist er mich gleich zu Beginn hin - diese Tricks darf ich auf gar keinen Fall weitergeben. Ein Ehrenkodex unter Magiern.

Zu meiner Überraschung warten auf mich jedoch nicht Zylinder und Verwandlungsbox, sondern ein Kartenspiel und ein paar Münzen. Beim Zaubern komme es nicht darauf an, wie spektakulär ein Trick sei, sondern auf die Präsentation, erklärt mir Wolfgang Sommer. "Zaubern ist wie Theater. Es braucht einen guten Spannungsbogen mit überraschendem Schluss."

So lerne ich beispielsweise, wie ich eine 50-Cent-Münze in einen Euro verwandeln und wie ich ein Zwei-Euro-Stück aus meiner Hosentasche in meine verschlossene Hand zaubern kann. Wenn man die Tricks einmal durchschaut hat, sind sie eigentlich gar nicht mehr so spektakulär, wie sie auf den Zuschauer wirken. Doch die große Herausforderung des Zauberns ist das flüssige Vorführen der Tricks. Denn während einer scheinbar normalen Handbewegung passiert häufig der eigentliche Trick. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass jeder Handgriff sitzt, sondern dass er auch natürlich aussieht. Zwar seien meine ersten Versuche nicht schlecht, doch einen Tipp gibt mir mein Lehrer mit auf den Weg: "Üben ist der Schlüssel zum Erfolg."

Diesen Rat nehme ich mir zu Herzen und wiederhole zu Hause immer und immer wieder dieselben Tricks, um beim nächsten Abend in der Kneipe meine Freunde zu beeindrucken. Zwar werde ich Stück für Stück besser, doch ein Gedanke bleibt in meinem Kopf: "Die durchschauen mich garantiert sofort."

Ein paar Tage später kommt es schließlich zu meinem ersten großen Auftritt vor meiner Freundin. Leicht unsicher fuchtel ich mit meinen Händen vor ihren Augen herum, um die besagte Münze aus meiner Hosentasche in meine Hand zu zaubern. Und siehe da: Es klappt. Mit offenem Mund steht sie vor mir, ohne eine Ahnung zu haben, wie der Trick funktioniert. Vielleicht kann ich so noch nicht mit Hans Klok und den Ehrlich Brothers konkurrieren, aber für ein wenig Staunen bei der nächsten Party reicht es allemal.

(RP)