Das Projekt Spaziergangspaten der Bilker Gemeinden Lutherkirche und Friedenskirche richtet sich an Menschen, die im Alter weniger mobil sind

Spaziergangspaten in Bilk : Dahin, wo das Leben ist

Wer im Alter weniger mobil wird, kommt seltener vor die Tür. Das Projekt „Spaziergangspaten“ will helfen.

„Fahren wir links oder rechts, Frau Fetzner?“, fragt Angelika Bode. „Rechts, wir fahren den Kringel“, lautet prompt die Antwort. Die beiden Frauen, die etwa 25 Jahre Altersunterschied trennen, gehen seit einem guten halben Jahr regelmäßig gemeinsam spazieren. Kennengelernt haben sie sich über das Gemeinschaftsprojekt „Spaziergangspaten“ der beiden evangelischen Kirchengemeinden Friedenskirche und Luthergemeinde. Seit vergangenem Sommer gehen 15 Paten regelmäßig mit einem älteren Menschen spazieren. „Wir haben in der Gemeinde gemerkt, dass es Mitglieder gibt, die jahrelang aktiv waren“, erzählt Karin Martini, Gemeindepädagogin der Friedenskirche. „Dann passieren im Alter Dinge, die einen weniger mobil machen.“

So auch bei Gertrud Fetzner, die seit zwei Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist. In der Seniorenresidenz, in der die 89-Jährige lebt, kommt sie gut zurecht mit Rollstuhl. Aber alleine raus, geht sie nicht mehr. Das Leben im Viertel fehlte ihr. „Früher bin ich immer mit dem Fahrrad herumgefahren“, sagt sie. Für Menschen, die im Alter weniger mobil sind, sind die Spaziergangspaten da. „Bei dem Projekt geht es darum, dass auch ältere Menschen wieder am Leben teilnehmen können. Schließlich haben viele keine Verwandten in der Nähe“, erklärt Martini. Seit vergangenem Sommer gehen insgesamt 15 ehrenamtliche Paten mit jeweils einem „Nutzer“ im Stadtteil 3 spazieren. Wann und wie lange, das entscheiden die Spaziergänger selbst. „Schließlich soll es keinem zu viel werden.“

Angelika Bode besucht Gertrud Fetzner meist samstags, da sie ja noch berufstätig ist. „Ich komme zu Ihnen, Sie bestimmen die Richtung“, sagt Bode und blickt zu Fetzner. Angelika Bode, die in Meerbusch lebt, hatte eigentlich „was ganz anderes“ gesucht, als sie beim Surfen durch das Internet über die Spaziergangspaten stolperte – und fand die Idee richtig schön. Lange hatte sie ihre eigene Mutter in der Seniorenresidenz besucht. „Ich hatte den Wunsch, einen älteren Menschen zu besuchen. So kann dieser Mensch wieder ein wenig am Leben draußen teilhaben.“

„Ich kann nicht nur Däumchen drehen“, sagt Gertrud Fetzner bestimmt, auch nicht im Winter, da fällt mir die Decke auf den Kopf.“ Wenn Angelika Bode sie besucht geht es meist auf die Kö. „Wo das Leben steckt“, sagt Fetzner. „Und die Kö ist eine der wenigen Straßen, die rollstuhlfreundlich ist“, ergänzt Bode.

Erster Halt ist das Café Heinemann. Sie trinken eine Tasse Kaffee, dazu gibt es ein großes Stück Obstkuchen (Angelika Bode) und ein Stück Buttercremekuchen für Gertrud Fetzner. Danach begutachten die beiden die Schaufenster der Modegeschäfte. „Man muss schließlich auf dem Laufenden bleiben“, findet Fetzner. Auch für Kunst interessiert sich Gertrud Fetzner. „Ich bin auch früher gerne ins Kunstmuseum gegangen“, sagt sie. „Frau Fetzner weiß viel über die Stadtgeschichte“, findet Bode. Vier Stunden sind die beiden meist unterwegs. Auch bei schlechtem Wetter besucht Bode Fetzner. Dann spielen sie Halma und Rummikub zusammen. „Da muss man mir immer helfen“, sagt Fetzner. „Aber bei Halma gewinnen Sie immer“, kontert Bode.

Karin Martini, die Pate und Nutzer zusammenbringt, hat bei diesem Duo ein gutes Händchen bewiesen. Die beiden verstehen sich blendend. Gertrud Fetzner sei die „Ersatzmama“, scherzen die beiden. Und: „Wir beide sind Frauen klarer Worte“, so Bode.

Das nächste Treffen steht auch schon fest. Am Samstag geht es dieses Mal nicht, denn da hat Gertrud Fetzner schon etwas vor. „Am Samstag ist Karneval, da kann ich nicht fort.“

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