Bilk/Himmelgeist/Wersten: Bürgerprotest wegen Münchener Straße

Bilk/Himmelgeist/Wersten: Bürgerprotest wegen Münchener Straße

Anwohner haben an zwei Brücken Banner angebracht, die Autofahrer vom Rasen abhalten sollen. Inzwischen sind die Banner wieder weg. Die Polizei bestätigt, dass vermehrt Beschwerden wegen zu lauter Krafträder eingegangen sind.

Lange haben sie nicht an den Brückengeländern gehangen, die Banner, die Anwohner stadteinwärts und -auswärts abgebracht haben, um Autofahrer vom Rasen abzuhalten. "Dies ist keine Rennstrecke. Den Anwohnern zuliebe" hat draufgestanden, links und rechts daneben waren Tempo-80-Zeichen. Tempo 100 gilt in diesem Bereich, "und das, obwohl direkt an der Straße Häuser stehen", sagt Jürgen Wilbert, der an der Himmelgeister Straße wohnt, gleich hinter dem Lärmschutzhügel entlang der B8. "Bürgerprotest im Sinne der Zivilcourage" waren die Banner für den 71-Jährigen, der zwar nichts mit der Aktion zu tun hatte, aber es Schade findet, dass jemand die Banner abgeschnitten hat.

Denn gerade der Bereich zwischen der Ickerswarder Straße bei Wersten und dem Südring lade zum Rasen ein, meint der 72-Jährige, der seit seiner Geburt bis auf wenige kurze Unterbrechungen im Viertel zwischen Uni und Bundesstraße lebt - "die früher mal eine ruhige Landstraße war", sagt der Rentner. Er kann nicht verstehen, warum hinter der Ickerswarder Straße Richtung Süden das Tempo sogar auf 70 gedrosselt ist, "wo die Häuser doch viel weiter wegstehen".

Vor allem am späten Abend und in der Nacht ist es schlimm für die Bilker, dann soll dort regelrecht gerast werden, Motoren heulen auf, Reifen quietschen, "wir können kaum noch die Fenster aufmachen", sagt Jürgen Wilbert. Je besser das Wetter ist, umso lauter wird es dort, meint auch Dietmar Wolf (Grüne), zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 3, "zumindest subjektiv betrachtet", sagt er.

Dem Amt für Verkehrsmanagement sind dazu keine Beschwerden bekannt, sagt Stadtsprecher Michael Buch. Bestätigt werden Wolfs und Wilberts Wahrnehmungen dafür von Polizeisprecher Andreas Czogalla: "In letzter Zeit haben sich die Beschwerden wegen zu lauter Kradfahrer gehäuft." Die seien vor allem aus der Gegend Ickerswarder-/Itterstraße gekommen, "das haben wir auf dem Schirm", so Czogalla. Einen Unfallschwerpunkt gibt es auf der Münchener Straße dagegen nicht, in den letzten zwei Jahren und fünf Monaten hat es 73 Unfälle gegeben, in beiden Fahrtrichtungen zusammengerechnet, zwischen Itterstraße und Fleher Knoten. "Davon sind zehn wegen zu hoher Geschwindigkeit gewesen", fügt der Polizeisprecher hinzu - insgesamt eine überschaubare Zahl bei dem hohen Verkehrsaufkommen auf der B8.

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Jürgen Wilbert verweist auf andere Städte, wo höchstens 80 erlaubt ist, wenn es Anwohner gibt, "in Freiburg wird 70 gefahren", sagt er. Dass es an der B8 nicht so ist, liegt an ihrer Klassifizierung, "vom Südring bis zum Ortsausgang Hellerhof ist sie Landesstraße, Stadtstraße oder Bundesstraße", erklärt Buch. Dazu verlaufe sie mal inner-, mal außerorts. "Daher ergeben sich die unterschiedlichen Geschwindigkeiten", so Buch. Dass das Tempo entlang von Wohngebieten reduziert wird in anderen Städten, "diese Aussage gilt nicht pauschal", sagt Buch. Vor allem würden auch Lärmschutz und Verkehrssicherheitslage für die Festlegung von Tempolimits eine Rolle spielen.

Zwar ist Jürgen Wilbert sich bewusst, dass er und seine Nachbarn nicht allein sind in Düsseldorf mit einem Lärmproblem, "bei uns wäre das aber so schnell gelöst", sagt er. Für Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD) ist die Sache nicht ganz so einfach: "Wenn man nicht auf einer Schnellstraße 100 fahren kann, wo denn dann?", fragt er. "Und wer 150 bei erlaubten 100 fährt, der wird das auch bei 80 tun", so der Bezirksbürgermeister. Gegebenenfalls müsse stärker kontrolliert werden, was der Ordnungs- und Servicedienst bereits an zwei Stellen auf der Münchener Straße mit fest installierten Starenkästen macht - an der Ecke Ickerswarder Straße stadtauswärts und an der Ecke Itterstraße in Fahrtrichtung Innenstadt, wie Michael Buch von der Stadt sagt. "Mobile Kontrollen mit einem Radar-Kfz sind auf dieser autobahnähnlich ausgebauten Straße aus Sicherheitsgründen nicht möglich", so Buch.

Dietmar Wolf empfiehlt Jürgen Wilbert jetzt, sich mit seinem Anliegen an den Anregungs- und Beschwerdeausschuss zu wenden. Alternativ kann Wilbert sich bei der Bezirksvertretung 3 melden, auch wenn die B8 überbezirklich ist, die Beschwerde könne dann an den zuständigen Ordnungs- und Verkehrsausschuss weitergegeben werden.

(RP)
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