Bilk: Baum zu verschenken

Bilk: Baum zu verschenken

Anfang Dezember haben Eva Zimmermann, Steffen Holsteg und Taya Gluz einen Baum für ihre WG gekauft. Weil die Drei über die Feiertage nach Hause fahren, wollen sie die Tanne jetzt verschenken.

Mitten im Flur steht er, buschig, gerade gewachsen, 1,50 Meter hoch. Gut gepflegt hat Eva Zimmermann den Baum, immer mal wieder gegossen. Hübsch dekoriert ist er, mit alten Kugeln von Evas Mutter und neu gekauften. Bunt schimmert die Lichterkette zwischen den Ästen durch, lieber hätten die Mitbewohner Steffen Holsteg und Taya Gluz weiße Lämpchen gehabt, "besser als die kaltweißen sind sie allemal", findet Eva. Die drei Freunde sind Mitbewohner, studieren alle an der Heinrich-Heine-Uni. Eva und Taya Medizin, Steffen Psychologie. Und obwohl Eva und Steffen schon seit vier Jahren im dritten Stock in Bilk leben, haben sie nun zum ersten Mal einen Baum gekauft.

Weil die Drei aber über die Feiertage nach Hause zu ihren Eltern fahre und nicht mehr viel haben werden von dem Baum, wollen sie ihn jetzt verschenken. "Die Idee hatten wir eigentlich schon beim Kauf Anfang Dezember", sagt Eva, so ein Baum ist auch nicht ganz billig. 25 Euro haben die Freunde dafür bezahlt, wollen damit jetzt jemandem eine Freude machen. "Die Deko bleibt aber bei uns", sagt Eva, die auch einen Aufruf im Sozialen Netzwerk Facebook gestartet hat.

Eine Oma aus Oberbilk soll schon Interesse gehabt haben, für ihren Enkel wollte sie den Baum. Das Problem: Wie kommt die Tanne von Bilk nach Oberbilk? "Die 706 bietet sich an", sagt Steffen, lustige Transporte haben die Studenten schon beobachtet in den Waggons. Gerne können sich weitere Interessenten melden bei Eva Zimmermann, sie wird die Letzte sein, die morgen zu ihren Eltern nach Hamminkeln fährt.

Tayas Weg ist ein bisschen länger, ihre Familie kommt aus Thüringen. Auf das Essen freut sie sich besonders, "wir feiern eigentlich immer zwei Mal Weihnachten", sagt die 23-Jährige. Das deutsche an Heiligabend und das russische am 6. Januar. Dann gibt es Pelmeni, Teigtaschen mit Hackfleisch oder Kartoffel-Pilz-Füllung, "wie Tortellini", sagt Steffen, "wir haben die aber vor den Italienern erfunden", ergänzt Eva.

Einen guten Braten wird es bei Steffen geben, der das Jahr über sonst eher selten Fleisch isst, "für sich allein kocht man nicht so aufwendig", sagt der Student, der nach dem Abi froh war, in eine WG zu ziehen, als er von zu Hause wegging. Mit zwei Geschwistern, den Eltern und Großeltern ist er aufgewachsen, auch in Hamminkeln, "man war nie allein". Und das ist so geblieben in Düsseldorf, weil die WG besonders sei, immer montags organisieren die Freunde Spieleabende und feiern wieder zusammen Silvester - "auch deshalb muss der Baum raus", sagt Eva, die sich auf ein paar gemütliche Tage mit ihren Eltern und Schwestern freut. Raclette gibt es und danach schaut die Familie einen Film.

Lange werden die Drei wohl nicht mehr zusammenbleiben, Taya macht im nächsten Oktober ihr Examen, Steffen den Master. Eva ist 2019 dran. Danach wollen die angehenden Medizinerinnen ins praktische Jahr und ins Ausland, Taya nach Indonesien, Eva in den spanischsprachigen Raum. Einen letzten Weihnachtsbaum soll es aber noch mal geben 2019, da sind sich die Drei sicher. Weil ihr erster so gut angekommen ist. Und er ihnen ein bisschen das Gefühl von Zuhause gegeben hat und viele Freunde so begeistert waren. Auch deshalb haben sie die Tanne im Flur aufgestellt, damit auch jeder etwas davon hat.

(RP)