Bilk : Ausgeraubt und weitergemacht

Vor zwei Jahren ist in Isabel Carmonas Boutique eingebrochen worden. Die Parallelen zum aktuellen Fall an der Bastionsstraße sind verblüffend. Noch gut erinnert sich die Spanierin an den ausgeräumten Laden und die Folgen.

Immer wieder schaute Isabel Carmona damals im Internet, ob ihre Kleider zum Verkauf angeboten werden - bei Auktionshäusern und Second-Hand-Seiten. Doch die Blusen und Hosen, Jacken und Röcke sind verschwunden geblieben. Zwei Jahre ist es fast auf den Tag genau her, als ihre Boutique ausgeraubt wurde. Die Täter kamen in einer Nacht im Februar, brachen die Tür auf und stahlen die komplette Frühjahrs- und Teile der Winterkollektion. Fein säuberlich nahmen die Täter jedes Stück vom Kleiderbügel, nur eine Hand voll Teile blieb im Schaufenster hängen. "Die Polizei sagte uns damals, dass eine Bande unterwegs gewesen ist", erzählt Designerin Isabel Carmona, die die Boutique an der Brunnenstraße mit Zwillingsschwester Margarita kurz vor dem Einbruch gerade erst eröffnet hatte.

Umso erschrockener war Isabel Carmona, als sie vom Einbruch in die Boutique Constanze Muhle in der Nacht zu Silvester hörte. Verblüffend sind die Parallelen: Beide Frauen waren gerade erst von der Kö weggezogen, beide Geschäfte wurden in der Nacht komplett ausgeräumt, nur ein paar Kleidungsstücke blieben im Schaufenster an den belebteren Straßen zurück. "Das waren doch sicher die gleichen - unglaublich", sagt Carmona, die vor zwei Jahren nicht die Einzige war, in deren Geschäft eingebrochen wurde. Auch der Herren- und Damenausstatter C. Wirschke an der Kö gehörte damals ebenso zu den Opfern wie das Schuhhaus Salvatore Ferragamo.

Diebstähle in Bekleidungsgeschäften kommen immer wieder vor, sagt Polizeisprecher André Hartwich, "Einbrüche sind dagegen eher selten". Das Entdeckungsrisiko sei einfach zu hoch, vor allem in belebteren Gegenden, die Kleidungsstücke seien zudem oft gut gesichert. Eine Häufung wie vor zwei Jahren kann Hartwich also nicht bestätigen, er appelliert, an der technischen Sicherung zu arbeiten, "die schreckt ab". Licht anzulassen, Videokameras und Bewegungsmelder zu installieren oder im besten Fall ein Gittertor anzubringen.

Für Isabel Carmona bedeutete der Einbruch 2016 fast der Ruin - weil er nicht der Erste war, 2015 wurden die Zwillinge bereits Opfer, ein Computer und die Kasse wurden damals gestohlen. Dinge, die sie der Versicherung angeben konnte. Bei den Kleidern war das schwieriger, "wir haben nur einen Bruchteil zurückbekommen von den Stoffrechnungen", sagt Carmona. Ihre Arbeit als Designerin wurde nicht einkalkuliert, vier Wochen machten die Schwestern keinen Umsatz, mussten sogar eine zusätzliche Näherin beschäftigen, um die Puppen und Fenster und Regale wieder füllen zu können. "Wir waren seelisch sehr angeschlagen", sagt Isabel Carmona, die sich dann zusammengerissen, weitergemacht und vor allem aufgerüstet hat. Videokamera, eine laute Alarmanlage, "der Eigentümer hat ein Gitter am Eingang montiert", sagt Carmona. Das alles gibt ihr ein Gefühl von Sicherheit. Auch wenn sie sensibler geworden ist seit den Einbrüchen. Vor einem Jahr ist ein Mann in ihr Geschäft gekommen, die Kappe tief ins Gesicht gezogen, "er schaute sich hektisch um", sagt die Designerin, der ganz mulmig wurde. "Getäuscht hat mich mein Gefühl aber nicht, die Zivilpolizei hatte ihn schon verfolgt", sagt Carmona. Inzwischen, würde Isabel Carmona sagen, hat sie sich aber gut eingelebt in Bilk. Auch ihre Mode hat sie ein bisschen verändert, weniger extravagant, dafür gibt es jetzt mehr Mode für den Alltag, sportlicher ist sie geworden. Regenmäntel zum Beispiel sollen der absolute Renner sein. Und alles macht Carmona auch nicht mehr selber, Strick ist dazugekommen.

(RP)
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