Bilk: Auf gute Nachbarschaft

Bilk: Auf gute Nachbarschaft

Neben dem Gelände der Bilker Schützen wird bald eine Kita eröffnen. Die Schützen haben viele Ideen, wie das Zusammenleben Nachbarn gestaltet werden kann. Sie haben sogar die Patenschaft über die Einrichtung übernommen.

Es ist eine ungewöhnliche Nachbarschaft, die an der Ulenbergstraße entstehen wird, unterschiedlicher könnten die Parteien kaum sein. Die einen, die unter der Woche toben und spielen, die lernen und malen, die jung sind und wild, die die Neuen sein werden im Stadtbezirk und die noch keinen Namen haben. Die anderen, im gesetzteren Alter, die seit einer halben Ewigkeit ihr Domizil gleich am Aachener Platz haben, die vor allem am Wochenende da sind, die Traditionen pflegen und Brauchtum am Leben erhalten und die auch gerne mal feiern.

Die Rede ist von der neuen Kita, die bald eröffnen wird in Bilk und vom St. Sebastianus-Schützenverein, der immer mal ein Auge auf die wilde Fläche nebenan geworfen hatte, das der Stadt gehört und das gerne als Parkplatz für den Trödel genutzt wurde, das die Schützen aber nicht bezahlen konnten. "Wir haben uns Gedanken gemacht, wenn Wohnbebauung kommt", sagt Manfred Abels vom Verein. Weil die Schützen im Sommer ihre Zelte aufstellen, weil es auch mal laut wird. Dass die Stadt sich schließlich für den Bau einer Kita an der Ulenbergstraße mit der Hausnummer 20 entschieden hat, freut die Schützen umso mehr, die vor allem an den Wochenenden ihre Feste feiern, wenn die Kita geschlossen ist, die aber auch viele Ideen haben für Gemeinschaftsprojekte.

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"Wir hatten schon Kontakt mit Johannes Horn, dem Leiter des Jugendamts", sagt Schützenchef Ulrich Müller. Die Schützen werden die Patenschaft über die Einrichtung übernehmen, "jetzt fehlt nur noch die Leitung, mit der wir dann ins Gespräch kommen wollen", sagt Müller. Zum Beispiel soll der Kindergarten den Platz der Schützen nutzen dürfen, wenn die Einrichtung etwa ein Sommerfest plant. "Da würden wir auch gerne helfen", sagt Manfred Abels. Gleichzeitig hoffen die Schützen, die wie so viele Vereine Nachwuchssorgen plagen, ein paar neue Mitglieder zu gewinnen. Seit Jahren organisieren die Bilker ein Kinder-Vogelschießen, bei dem die Kleinen keine Waffe bekommen, sondern das Ziel abwerfen. "Vielleicht organisieren wir mal ein Kita-Vogelschießen", sagt Abels, vielleicht könnten die Kinder auch in den Schützenumzug eingebunden werden, für das Schützenfest basteln. Den Nachwuchs für das Brauchtum zu begeistern ist ein Ziel, "wir wollen aber auch das Gemeinschaftsgefühl weitergeben", sagt Abels.

Kooperationen mit anderen Institutionen im Stadtteil sind nicht neu für die Schützen, eine Verbindung zwischen dem Hubertusstift und Abels' Kompanie Friedrichstädter Reserve bestehe schon seit Jahrzehnten, "die Senioren freuen sich riesig, wenn wir was zusammen machen", sagt Manfred Abels. Denn die Schützen können mehr als Trinken und Feiern, betont der erste Platzmeister, der von Anfang an auf eine gute Nachbarschaft setzt, Synergien schaffen will, "damit keine Feindbilder entstehen". Für Abels und Müller ist die Kooperation mit der Kita ein Schritt in die Zukunft, "und vielleicht wird daraus ein Selbstläufer", sagt Abels, der den Bilker Verein als eine Art Vorreiter sieht und hofft, dass andere Schützenvereine im Stadtgebiet sich etwas abschauen. Der Schritt in die Zukunft ist aber auch eine Gratwanderung zwischen Tradition und Veränderung. Moderner will man werden, so viel steht fest. Bewährtes aber nicht aufgeben, "der Umzug zum Beispiel, der muss bleiben", findet Manfred Abels. Im April werden die Schützen in Klausur gehen, um neue Ideen für den Verein und für Bilk zu konzipieren.

(RP)
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