Alte Bücher sind nicht automatisch wertvoll

Antik : Experte schätzt Wert von Büchern auf dem Trödelmarkt

Patrice Daras bietet den Service auf dem Markt am Aachener Platz an.

Erfolgreiche TV-Formate wie „Bares gegen Rares“ nähren das Interesse vieler Menschen, den Wert alter Erbstücke von Experten schätzen zu lassen, um diese dann gegebenenfalls gewinnbringend zu verkaufen. Auch wenn das allgemeine Interesse an Büchern eher zurückgeht, so können sich doch auch in Bücherregalen manche angestaubte Schätze verbergen. Aus diesem Grund bietet Patrice Daras, seit vielen Jahren in Düsseldorf als Antiquar und Schätzer tätig, den Besuchern des Trödel- und Antikmarkts auf dem Aachener Platz einen besonderen Service an. An seinem Stand im Zelt, zwischen Büchern, Kunst, Platten, CDs und DVDs nimmt er echte oder vermeintliche bibliophile Kostbarkeiten in Augenschein und versucht ihren ungefähren Marktpreis zu ermitteln.

„Aber mit dem ,in Augenschein nehmen’ hapert es manchmal, denn insbesondere viele jüngere Kunden präsentieren mir von ihren Büchern meist nur Handyaufnahmen, die allerdings eine Wertermittlung nicht zulassen“, sagt Daras.

Häufig muss er seinen Kunden auf dem Trödel jedoch sagen, dass sie den Wert ihres Buches vielfach weit überschätzen. „Der verbreitete Denkfehler ist, dass das Alter eines Buches bereits als Indiz für seinen Wert genommen wird, das ist aber ein Irrtum“, so der 65-jährige Antiquar, der zum Beweis einige Bücher seines eigenen Sortiments präsentiert. So ist ein Band mit drei Theaterstücken aus 1779 bereits für zwölf Euro zu haben.

Mit zwei Ansichtsexemplaren des insgesamt 36 Bände umfassenden „Nouveau Dictionnaire d`Histoire Naturelle“ aus dem Jahr 1819 wendet sich Gerd Luberichs an den Fachmann. „Da haben sie wohl abgewartet bis die 200 Jahre voll sind“, sagt Daras augenzwinkernd und untersucht die beiden mitgebrachten Exemplare genauer. Derweil erzählt Luberichs, der von 1975 bis 1978 in Paris gelebt hat, wie ihn damals ein in Finanznöte geratener Nachbar gebeten hat, ihm die 36 Bände abzukaufen. „Irgendetwas zwischen drei- und viertausend Francs habe ich ihm damals gegeben und seitdem die Bücher nicht mehr in die Hand genommen“, so der Düsseltaler. Obgleich Daras selbst in Frankreich geboren wurde, will er sich zu der französischen Buchausgabe nicht direkt äußern. „Da es sich um ein naturwissenschaftliches Werk handelt, muss ich ein paar weitere Recherchen anstellen, um letztlich einen Wert, den ich jetzt so zwischen 400 und 800 Euro einschätzen würde, verlässlich ermitteln zu können“, sagt Daras und tauscht daher mit seinem Kunden zunächst nur die Visitenkarten aus.

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