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Jochen Schriever Und Ellen Ahn: "Alle Schüler sollen unter ein Dach"

Jochen Schriever Und Ellen Ahn : "Alle Schüler sollen unter ein Dach"

Die Schulleitung des Albrecht-Dürer-Berufskollegs versucht, ungeachtet der Diskussion um den Standort guten Unterricht zu gewährleisten.

Was dem Elly-Heuss-Knapp-Berufskolleg jetzt vergönnt war - die Schule in Oberbilk ist für 13 Millionen Euro saniert worden - steht für das Albrecht-Dürer-Berufskolleg immer noch aus. Ist es bei Ihnen nicht so dringend?

Ahn Wir können gerne mal eine Tour durch unser Haupthaus hier am Fürstenwall machen. Dann werden Sie als Beispiel auf wegen Schimmels stillgelegte Labore, Feuchtigkeitsschäden und abbröckelnde Fassaden an dem 60er-Jahre-Anbau stoßen. In manchen Räumen sitzen die Schüler im Winter während des Unterrichts in Jacken, weil es nicht richtig warm wird.

Wie viele Schüler hat das Albrecht-Dürer-Berufskolleg?

Ahn Die aktuelle Zahl von Oktober 2014 ist 4189, davon sind rund 800 Schüler in unserer Dependance an der Pestalozzistraße in Heerdt untergebracht - unter anderem die Maler, Lackierer und Verfahrenstechniker. Und dann haben wir noch eine kleine Außenstelle an der Konkordiastraße in Bilk.

Sind die alle jeden Tag in der Schule?

Ahn Am Standort Fürstenwall haben wir täglich zwischen 800 und 900 Schüler im Haus. Die meisten machen ja eine Ausbildung und sind dann nur an ihren Berufsschultagen bei uns.

Ist denn am Haupthaus in den vergangenen Jahren gar nichts mehr saniert worden?

Ahn Unter anderem ist der Haupteingang aus fluchtwegtechnischen Gründen vor anderthalb Jahren sehr schön neu gemacht worden, und die Toiletten sind saniert worden. Außerdem ist zur gleichen Zeit im laufenden Betrieb der Bereich Druck- und Medientechnik komplett neu gestaltet worden.

Wie empfinden Ihre Schüler die Lernumgebung?

Ahn Wir hören sehr oft, dass das bei unseren Schülern nicht gut ankommt. Sie haben das Gefühl, dass sie es nicht wert sind, dass man in sie und ihre Zukunft investiert. In ihren Betrieben gehen die Schüler mit der modernsten Technik um und werden dann hier teils mit veralteten Geräten konfrontiert. Am Fürstenwall haben wir noch nicht mal überall einen vernünftigen Internetanschluss. Einige Klassen konnten wir mit moderner Technik wie Whiteboards ausstatten. Das Schulverwaltungsamt hilft uns, wo es kann.

Schriever Ich würde mir wünschen, dass man bei der Stadt merkt, dass auch die Themen Bildung und Ausbildung für Düsseldorf wichtig sind.

Welchen Wunsch leiten Sie daraus weiter ab?

Schriever Seit 2002 wird über einen Neubau diskutiert. Das Projekt steht sogar im Masterplan Schule. Ich habe den früheren Oberbürgermeister Elbers im vergangenen Jahr getroffen, nachdem er Anfang Oktober auf der Messe ExpoReal in München verkündet hatte, dass der Neubau an der Völklinger Straße entstehen soll. In der Rheinischen Post konnte man sogar schon eine Animation der Architekten sehen. Da dachten wir, dass es jetzt endlich voran geht.

Und jetzt ist wieder alles auf Anfang.

Schriever Auch das haben wir der Presse entnommen. Wir waren jetzt sehr überrascht, dass Benrath wieder im Spiel ist. Denn es hieß ja, dass dieser Standort wegen der Altlasten nicht realisierbar ist.

Ahn Diesen Punkt mit den Altlasten sehe ich sehr kritisch. Für mich ist es sehr wichtig, dass an einem neuen Schulstandort gesundes Lernen möglich ist. Und ich weiß nicht, ob das in Benrath gegeben sein wird.

Haben Sie denn eine Präferenz für einen Standort?

Schriever Ob Bilk oder Benrath, das ist für uns eher zweitrangig. Wichtig sind uns optimale Arbeitsbedingungen. Die Schule muss zudem gut erreichbar sein, auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber wir brauchen auch einen ausreichenden Parkraum, für Lehrer - und am besten auch Schüler.

Das ist am Fürstenwall wohl eher schwierig.

Schriever Ein Teil des Schulhofes ist inzwischen als Lehrerparkplatz hergerichtet. Was uns jedoch fehlt, ist ein schöner Aufenthaltsort für unsere Schüler. Die halten sich oft rund um die Schule auf, was manche Anwohner stört. Nicht zuletzt, weil die Schüler mit ihnen um die wenigen Parkplätze im Viertel konkurrieren.

Was spräche aus Ihrer Sicht für die Völklinger Straße?

Schriever Dort könnten wir Synergien nutzen mit der Handwerkskammer und dem Berufbildungszentrum. Am Allerwichtigsten ist uns aber, dass wir endlich alle unter ein Dach kommen. Allerdings habe ich jetzt gehört, dass auf das ins Auge gefasste Gelände kein Platz sei für eine Dreifachsporthalle. Und die bräuchten wir dringend.

Sie haben neben dem Haupthaus noch zwei Dependancen.

Schriever Ja, eine kleine hier in unmittelbarer Nähe zum Fürstenwall und die andere in Heerdt. Auch die platzt schon aus allen Nähten. Unter einem Dach würde die Kommunikation einfacher, aber es geht auch um eine gemeinsame pädagogische Ausrichtung.

Ihr Wunsch an die Stadt und Politik?

Schriever Baubeginn 2016 ist doch jetzt schon nicht mehr zu halten. Ich würde mir wünschen, dass dieses Projekt jetzt nicht aus parteipolitischen Gründen zerredet wird. Ich hoffe, dass bis zum Winterhalbjahr eine Entscheidung fällt. Die Leidtragenden sind die Lehrer und Schüler, wobei wir auch unter diesen schwierigen Bedingungen unseren Schülern einen guten Unterricht bieten.

Ahn Ich bin jetzt 59 und werde bis 66 arbeiten. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass ich noch die Kisten für den Umzug packe und mein Nachfolger sie am neuen Standort auspacken wird...

ANDREA RÖHRIG FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)