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Flingern: Bilder von Felsen und braven Auen

Flingern : Bilder von Felsen und braven Auen

Hans Walter Kivelitz zeigt in der "Ars Vivendi Treppenhausgalerie" Landschaftsbilder. Seine Motive bilden die Wirklichkeit ab, denn Malen ist für den ehemaligen Kunstlehrer eine Form der Berichterstattung.

In Ateliers herrscht normalerweise Chaos. Die Kreativität braucht das, heißt es dann. Bei Hans Walter Kivelitz ist das anders: Die fertigen Leinwände sind in Reih und Glied an die Wand gelehnt, die Mal-Utensilien fein säuberlich sortiert – nichts liegt einfach so herum. Der Boden ist frisch gewischt. "Ich brauche die Ordnung zum Arbeiten", sagt er. An exponierten Stellen präsentiert Kivelitz seine Lieblingswerke: Das Bild einer Gruppe junger Menschen hängt an der Wand, einige Garnelen tummeln sich auf der Staffelei. Sie hingen vergangenes Jahr in der Treppenhausgalerie in Flingern. Dieses Jahr sind Landschaften an der Reihe, vom Rhein und von der Costa Brava, als Öl-Gemälde und Radierungen.

Hans Walter Kivelitz ist gerade erst zurück aus Cadaques. Dort, wo Salvador Dalí aufwuchs, mieten er und seine Frau immer eine Unterkunft bei der Witwe des einstigen Dieners von Dalí. Durch einen Zufall ist das Ehepaar vor mehr als 20 Jahren dort gelandet, und zwei- bis dreimal im Jahr fährt es seitdem hin. Kivelitz lässt sich dann von der Landschaft verzaubern. Die rauen Felsen faszinieren den Maler. Erste Skizzen bringt er meist vor Ort mit Filzstift aufs Papier, sie dienen als Studie für seine Gemälde. Die Malereien in Öl, oft gemischt mit anderen Techniken wie Tusche und Aquarell, lassen sich als impressionistisch bezeichnen wie die seines Vorbildes Paul Cezanne. Die Farben sind manchmal etwas trostlos, Pastelltöne kombiniert er mit kräftigen dunklen Tönen – dadurch entstehen starke Kontraste.

Die Motive sind vielseitig, sie reichen von Menschen über Tiere bis hin zu Landschaften. "Es war aber nie meine Absicht, Vielseitigkeit zu trainieren", sagt Kivelitz. "Ich habe einfach immer das gemalt, was mich angeht."

Was die Motive eint, ist, dass sie immer der Wirklichkeit entstammen, Kivelitz denkt sich nichts aus. Das Malen sei seine Form der Berichterstattung. Manch einer bezeichne das als konservativ, erzählt er. Dennoch sei er damals in den späten 1940er-Jahren und frühen 50ern, als er die Düsseldorfer Kunstakademie absolvierte, damit schon fast angeeckt. Denn: "Das war die Zeit der großen Abstraktion. Ich jedoch konnte mich nie identifizieren mit den Kunststilen, die damals in Mode waren."

In der Nachkriegszeit waren Tachismus, Pop-Art, Op-Art und Konzeptkunst angesagt, die Wirklichkeit mochte kaum einer abbilden. Auch die Galeristen hätten damals die moderne Kunst bevorzugt, denn sie verkaufte sich gut, erinnert sich Kivelitz. Er hingegen habe nie viele Kontakte zu Galerien geknüpft und schlug auch letztlich nicht den Weg eines Berufskünstlers ein. Stattdessen wurde er Lehrer und unterrichtete Kunst am Humboldt-Gymnasium – und das mit Leidenschaft. "Der Umgang mit der jungen Intelligenz macht mir Freude", sagt er.

Mittlerweile bleibt dem 86-jährigen Rentner aber mehr Zeit für die Malerei. Von seinem Atelier sind es nur ein paar Schritte durchs Wohnzimmer zum Fenster mit Blick auf den Rhein. Lange erschien ihm der Fluss als zu brav, um gemalt zu werden. Er habe immer gesagt: "Wenn ich mal alt bin, male ich vielleicht den Niederrhein." Jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür gekommen: Auf der Suche nach Motiven fährt Kivelitz mit seiner Frau von Oberkassel aus in Richtung Meerbusch. Gefällt ihm der Ausblick, zückt er den Skizzenblock – sei die Landschaft noch so brav. Zum Ausgleich geht es bald wieder nach Spanien zu den rauen Felsen.

(RP)