Lichtenbroich: Bettler nimmt Abschied

Lichtenbroich : Bettler nimmt Abschied

Es schwingt schon ein bisschen Wehmut mit, wenn Manfred Kirschey von seinem Abschied spricht. Denn der 60-Jährige hat beschlossen, in diesem Jahr zum letzten Mal beim Martinszug in Lichtenbroich den "Armen Mann" zu spielen. 28 Mal hat er in dieser Rolle Generationen von Lichtenbroicher Kindern entzückt und dabei viele schöne Dinge erlebt. Durch Zufall ist der achtfache Vater zu dieser Aufgabe gekommen. Der Martinszug, der damals von der Schulpflegschaft der Grundschule Krahnenburgstraße organisiert wurde, drohte aufgrund interner Querelen eingestellt zu werden. "Solch einen christlichen Brauch muss man aber erhalten", sagt Kirschey. Er übernahm nicht nur die Rolle des Bettlers, sondern auch noch Jahre lang zusammen mit seiner Frau Beate die gesamte Zugorganisation. "Wenn der Partner einem bei so etwas nicht unterstützt, ist solch ein Engagement kaum möglich", sagt der Lichtenbroicher.

Inzwischen hat zwar der Fest- und Förderverein Leetebrok die Verantwortung für die beliebte Veranstaltung übernommen, Kirschey sorgt aber dennoch für die richtige Zugaufstellung, reiht die Schulklassen und Kita-Gruppen und die Musikkapellen ein. "Der Lichtenbroicher Zug gehört mit bis zu 3000 Teilnehmern zu den größten in Düsseldorf. Da sollte alles glatt ablaufen", sagt Kirschey. Ist der Zug formiert und zieht von der Wiese am Einbrunger Wege los, legt Kirschey sein, aus einem Kartoffelsack selbstkreiertes Kostüm an und versteckt sich bis zur Mantelteilung in einem Strohhaufen. "Wenn ich dann dort herauskrieche, wird es schlagartig Mucksmäuschen still. Das ist Gänsehaut pur", sagt Kirschey. Bisher hat er noch keinen Nachfolger gefunden, kann das Ehrenamt nur empfehlen. "Die erstaunten Blicke der Kinder und wie sie einem an den Lippen hängen, das ist unglaublich. Wer das erleben will, muss in meine Fußstapfen treten." Der Lichtenbroicher Zug startet am Mittwoch, 7. November, um 16.30 Uhr am Einbrunger Weg.

(brab)
Mehr von RP ONLINE