Wohltätigkeit : Zehn Jahre Hilfe für Bedürftige

Die Benrather Tüte organisiert und verteilt Lebensmittelspenden an arme Menschen in Benrath und Urdenbach.

Das Glücksrad im Vorraum des Arndt-Saales der evangelischen Dankeskirche in Benrath war die beliebteste Anlaufstelle auf dem kleinen Fest, das die Benrather Tüte zur Feier ihres zehnjährigen Bestehens für Helfer und all jene Menschen veranstaltete, die von den Ehrenamtlichen seit Jahren unterstützt werden. „Es war viel los, die Stimmung war gut, es hat allen Spaß gemacht“, sagt Hanne Watty, die Initiatorin der Benrather Tüte, zufrieden. Ganze 120 Menschen waren gekommen, um das Jubiläum zu feiern.

Dass es einmal so viele Menschen werden würden, die sich für die Tüte interessieren, war vor zehn Jahren nicht abzusehen. „Ich habe damals bei der Düsseldorfer Tafel angefragt, warum es so etwas nicht in Benrath gibt“, erinnert sich Watty. Die Antwort war einfach: Es gab dort niemanden, der sich engagiert hätte. Das wollte Watty ändern, und gemeinsam mit einigen Bekannten eröffnete sie die Benrather Tüte.

Das Prinzip entspricht dem der Tafel: Bedürftige Menschen können einmal in der Woche zur Ausgabestelle kommen, um dort kostenlos Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs, etwa Shampoo und Waschmittel, zu bekommen. „Wir brauchen einmalig einen Personalausweis und einen Nachweis der Bedürftigkeit, also eine Bescheinigung vom Job-Center oder der Grundsicherung“, sagt Watty. Auf diese Weise könne verhindert werden, dass sich Menschen Spenden erschleichen, die dazu nicht berechtigt sind. „Wir wollen das Angebot möglichst niederschwellig halten“, sagt Watty. Deswegen müssen die Dokumente auch nur beim ersten Besuch vorgezeigt werden.

Einen Partner für ihr Projekt fand die engagierte Benratherin im Zentrum plus der Diakonie, die zu der Zeit ein ähnliches Projekt plante. „Margit Risthaus und wir haben gut zusammengearbeitet und das Projekt schnell auf die Beine gestellt“, lobt Watty ihre Weggefährten von damals, von denen viele noch heute bei der Benrather Tüte aktiv sind. Und so konnte vor genau zehn Jahren das Projekt bei der Düsseldorfer Tafel vorgestellt werden, die die Kooperation bestätigte. „Ehrenamtliche Fahrer der Tafel fahren so gut wie alle großen Supermärkte und viele Lebensmittelgeschäfte in der Stadt an, sammeln Nahrungsmittelspenden und bringen sie zu uns“, erklärt Watty die Arbeitsweise der Tüte. Weitere Spenden kommen von Anwohnern, Geschäften und Vereinen aus dem Stadtteil.

Die ersten Ausgaben der Lebensmittel fanden noch im evangelischen Jugendzentrum an der Calvinstraße statt, das 2016 abgerissen wurde. Die Gemeinde half den Engagierten jedoch und stellt ihnen seither einmal wöchentlich den Arndt-Saal zur Verfügung.

Hanne Watty erinnert sich noch an die Startschwierigkeiten, die die Benrather Tüte hatte. „In der ersten Woche kamen fünf Leute zu uns“, so die Initiatorin. Inzwischen ist die Aktion gewachsen: 250 Menschen aus 90 Haushalten werden pro Woche von der Benrather Tüte mit Lebensmitteln versorgt, die einen Betrag zum gesunden Leben auch bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten leisten sollen. Deswegen legen Watty und ihre Helfer besonderen Wert auf ausgewogene Angebote. „Wir kennen unsere Stammkunden inzwischen gut“, sagt Watty. „Wir wissen, wer welches Brot mag und auf welchen Käse allergisch ist.“ 15 Helfer sind bei der Benrather Tüte engagiert.

Inzwischen ist der Handlungsradius des Projekts gewachsen, die Ehrenamtlichen kümmern sich auch um bedürftige Menschen aus dem benachbarten Stadtteil Urdenbach. Zwar kooperiert die Tüte eng mit der Düsseldorfer Tafel, deren Namen tragen darf sie allerdings nicht. „Die Tafel ist ein eingetragenes Warenzeichen, und wir sind ja eine unabhängige Gruppe“, so die Gründerin. Für die Menschen, die unterstützt werden, sei dies jedoch egal. „Die Dankbarkeit, die wir erfahren, ist sehr groß“, so Watty. Viele Menschen kämen regelmäßig, erzählen aber auch, wie schwer die erste Überwindung sei. „Die Scham, sich helfen zu lassen, ist nicht leicht zu besiegen“, weiß Watty aus Gesprächen.

Sie und die übrigen Helfer erleben das Schicksal der Bedürftigen mit: Manchmal kommt ein Mensch für ein paar Monate nicht, weil er zwischenzeitlich Arbeit gefunden hat oder von Verwandten unterstützt wird. Manchmal kommt er wieder, weil er zurück in die Bedürftigkeit abgerutscht ist. „Damit wir den Menschen helfen können, ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu ihnen zu haben“, sagt Watty.

Und das haben sie und ihre Helfer sich im Laufe der Jahre aufgebaut; so gut, dass ein Großteil der regelmäßigen Besucher der Benrather Tüte am Wochenende gemeinsam mit den Ehrenamtlern und ihren Unterstützern das Jubiläum des Projekts feierten.

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