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Streit zwischen Maria 2.0 und katholischen Frauen in Benrath

Katholische Frauen in Benrath : Ärger um Thesen von Maria 2.0

Die katholische Frauenbewegung hat bundesweit ihre Standpunkte an Gemeindetüren ausgehängt – teils, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. In Benrath hat das für Unmut gesorgt, weil viele Mitglieder der Gemeinde mit den Ideen von Maria 2.0 nicht übereinstimmen. Die Reformerinnen verteidigen ihre Vorgehen jedoch und haben radikale Forderungen.

Lange hingen sie nicht an der Pforte von St. Cäcilia, die sieben Thesen, die die reformatorische Bewegung Maria 2.0 am Sonntag an Kirchen in ganz Deutschland angebracht hat. Auf den Plakaten wird unter anderem das Frauenpriestertum und ein Ende des Zölibats für katholische Geistliche gefordert. Doch einige Mitglieder der Benrather Gemeinde St. Cäcilia sind mit diesen Reformideen nicht einverstanden – jemand hat die Zettel bereits Anfang der Woche kurzerhand entfernt. In der Gemeinde Engagierte ärgern sich vor allem über das Vorgehen, die brisanten Standpunkte ungefragt am Kirchengebäude zu verbreiten.

Diana Brenneke ist Katholikin aus Benrath, aktiv an St. Cäcilia und hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern die Katholische Frauengemeinschaft Kfd verlassen und die Gruppe Kostenpflichtiger Inhalt Frauen an St. Cäcilia gegründet, als Mittelweg zwischen Maria 2.0 und der konservativen Gegenbewegung Maria 1.0. Brenneke ist „erbost“ über die Aktion, die ohne Zustimmung der Benrather Gemeindemitglieder stattfand. „Die eigene Überzeugung so über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu kommunizieren ist niemandem dienlich“, so die Benratherin. Wer genau das Plakat an die Kirchentür gehängt hat, weiß sie nicht, aber offenbar war es niemand aus der Gemeinde, in der Maria 2.0 nicht offiziell vertreten ist. „Und wenn dann jemand aus den Nachbargemeinden kommt und die Thesen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufhängt, hat das einen Beigeschmack“, so Brenneke. Sie ist der Überzeugung, dass die Kirche im Augenblick vor allem die Unterstützung ihrer Mitglieder braucht, um die Gemeinden wieder zu beleben. Eine Anlehnung an Luthers Thesenanschlag von 1517, was letztlich zur Spaltung der Kirche geführt habe, sei in der aktuellen Situation fehl am Platz.

Im Vorfeld informiert wurde die Benrather Gemeinde nicht. Pfarrer Thomas Jablonka hätte sich von der Reformbewegung einen Dialog gewünscht. „Gerade eine Bewegung wie Maria 2.0, die sich der Offenheit und Transparenz verschrieben hat, sollte das Gespräch suchen, bevor eine solche Aktion stattfindet. So, wie es gelaufen ist, halte ich es für unglücklich.“ Radikale Forderungen nach einer Umstrukturierung des Kirchen- und Gemeindelebens, wie sie von Maria 2.0 geäußert werden, müsse man differenziert betrachten. „Teils sind die Thesen sicherlich sinnvoll, teils stimme ich mit ihnen nicht überein“, so der Benrather Geistliche. Durch den Zettel an der Tür von St. Cäcilia die dortige Gemeinde jedoch einfach zu übergehen, kritisiert er. „Die Christen hier haben sich bewusst dazu entschieden, bei der Bewegung nicht mitzumachen“, so Jablonka.

Maria 2.0 hingegen steht zu der Aktion, die am vergangenen Sonntag passend zur Vollversammlung der Deutschen Bischöfe (23. bis 25. Februar) gestartet wurde. Die sieben Thesen untermauern die Forderungen nach Reform hin zu einer zukunftsfähigen Kirche, wie es in einer Presseerklärung heißt. Die Graswurzelbewegung ist seit Mai 2019 aktiv, hat unter anderem mit einem Kirchenstreik auf sich aufmerksam gemacht.

Ortsgruppen gibt es in vielen Gemeinden, im Düsseldorfer Süden unter anderem sehr aktiv in Garath und Hellerhof. Zwei Mitglieder der dortigen Maria-Bewegung nehmen Stellung zu den Plakaten an St. Cäcilia. „Es handelt sich um eine Meinungsäußerung von Katholikinnen innerhalb der Kirche, die den Reformprozess begleiten wollen“, sagen sie. Erklärtes Ziel der Aktion war es, die Besucher möglichst vieler Gotteshäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den Plakaten zu erreichen. Allein in Düsseldorf wurden die Thesen von Maria 2.0 an 40 bis 50 Kirchentüren aufgehängt. „Und nicht nur an unsere jeweiligen Heimatgemeinden, sondern überall, wo wir vorbeigekommen sind“, so eine der Maria 2.0-Aktivistinnen. „Es ist keine Aktion einer Gemeinde gegen die andere, sondern ein Aufruf zum Dialog, der sich an die Gläubigen vor Ort und die Bischöfe richtet.“

Dass die Thesenpapiere in Benrath abgenommen wurden, sehen die beiden Garather Katholikinnen kritisch: „Auf diese Weise kommt kein konstruktiver Dialog zustande.“

Unabhängig davon wollen die Mitglieder von Maria 2.0 weiterhin für ihre Forderungen einstehen. „Wir sind Teil unserer Gemeinden, wollen die Kirche nicht verlassen und nicht spalten, sondern gestalten“, sagen die beiden Christinnen aus dem Düsseldorfer Süden.