Interview Bernd Fugelsang und Jürgen Füth : Vorstand der Heimatgemeinschaft wirft hin

Am 22. April ist Jahreshauptversammlung. Seit einigen Monaten schwelt ein Streit in dem Benrather Verein.

In der Heimatgemeinschaft schwelt seit längerer Zeit ein Streit. Herr Fugelsang, Sie als Vorsitzender, und Sie, Herr Füth, als sein Stellvertreter, woran, denken Sie, hat sich dieser entzündet?

Bernd Fugelsang Bevor wir jetzt inhaltlich werden. So viel vorweg: Der geschäftsführende Vorstand um meinen Stellvertreter Jürgen Füth, Schatzmeisterin Eva Schraden und Schriftführerin Tamara Kotwizki-Schmitz haben in einer Vorstandsrunde am Donnerstagabend entschieden, die Konsequenzen aus der Situation zu ziehen. Wir werden bei der Jahreshauptversammlung am 22. April, wenn die Regularien für das Jahr 2019 abgearbeitet sind und der Vorstand entlastet ist, unsere Ämter zur Verfügung stellen. Das gilt für uns alle vier.

Zurück zum Streit. Was ist denn nun genau vorgefallen?

Fugelsang Es gab im Juni 2019 einen Artikel in der Rheinischen Post, von dem der Vorstand nichts wusste. In dem Bericht ging es darum, dass das Heimatarchiv wegen der Sanierung des Benrather Rathauses neue Räume sucht. In dieser Angelegenheit hatten wir einige Tage vorher eine Vorstandssitzung. Zudem hatte ich diese Fragen kurz vorher unserem Oberbürgermeister gestellt, der die Anfragen zwei Tage später schon beantwortet hatte. Damit war diese Sache geklärt. Und dann kommt ein paar Tage später dieser Artikel, in dem alles wieder in Frage gestellt wird. Ich habe in meiner E-Mail an das Heimatarchiv einige Fragen zu dem Artikel gestellt. Ich denke, das ist als Vorsitzender mein gutes Recht. Ich war sehr ungehalten.

Ich habe Sie so verstanden, dass da Dinge in den E-Mails standen, zu denen man sagen könnte, sie sind etwas aus dem Ruder gelaufen.

Fugelsang Damals hatte ich, weil ich gerade mitten in einer besonderen beruflichen und familiär-krankheitsbedingten Situation steckte, darum gebeten, dass wir das alles in einer Vorstandssitzung klären, die eine Woche darauf stattfinden sollte und bis dahin sollte bitte Ruhe herrschen. Das passierte jedoch nicht, ganz im Gegenteil.

Die damalige Vereinsvorsitzende Marianne Holle hatte sie 2015 zur Heimatgemeinschaft geholt. Sie waren zunächst ein Jahr Geschäftsführer und sind dann 2016 Vorsitzender geworden. Also hatten Sie anfangs ein gutes Verhältnis miteinander.

Fugelsang Anfangs ja. Aber dann bekam ich im Sommer einen Brief von Frau Holle und dem anderen Ehrenvorsitzenden Eberhard Fischer, in dem sie mich kritisierten. Ich bin aus allen Wolken gefallen und habe die beiden im Juli zu einer Vorstandssitzung dazugeholt.

Ist es richtig, dass die beiden Ihnen nahegelegt haben, Ihren Vorstandsposten zu räumen?

Fugelsang Ja, bevor ich überhaupt irgendwas dazu sagen konnte. Ich wollte, dass ich zu den Vorwürfen erstmal Stellung beziehen kann. In dieser Krisensitzung im Sommer haben wir dann alles auf den Tisch gelegt. Ich habe die Dinge relativiert und auch meinen damaligen emotionalen Zustand erklärt.

Wie haben die Ehrenvorsitzenden auf Ihre Vorgehensweise reagiert?

Jürgen Füth Nach dieser Juli-Sitzung haben wir beschlossen, dass wir den Ball flach halten. Wir wollten uns im Januar wieder zusammensetzen.

Fugelsang Und ich wollte beweisen, dass ich ein Händchen habe, einen Verein zu führen.

Was ist als Nächstes passiert?

Fugelsang Alles, was in dem darauffolgenden halben Jahr war, wie etwa die Veranstaltungen, lief gut. Mir wurde aber vorgeworfen, dass ich etwa nicht bei allen Veranstaltungen war. Aber ich bin berufstätig, als Musiker, als Dirigent, als Orchestermanager, und habe eine Familie. Meine Zeit ist begrenzt. Dann ging es Ende November wieder los. Ab da brach dann alles auseinander.

Was ich in der Diskussion nicht verstehe, ist, warum Sie sich darauf eingelassen haben, das letzte halbe Jahr in Probezeit zu gehen.

Fugelsang Um den Frieden zu bewahren. Ich wollte keinen Streit haben und wollte wie gesagt deeskalieren.

Füth Ich muss jetzt dazu anmerken, dass der Vorsitzende in dem vergangenen halben Jahr nichts falsch gemacht hat. Und dann haben Frau Holle und Herr Fischer Herrn Fugelsang am 18. Dezember einen Brief per Einschreiben geschickt, in dem sie ihn zum Rücktritt aufgefordert haben.

Was stand in dem Brief?

Fugelsang In diesem wurde mir ein Rücktritt entweder in meiner Ansprache zum Neujahrsempfang am 19. Januar oder in der Jahresversammlung am 22. April nahegelegt. Da beide aber kein Amt haben, können sie das gar nicht entscheiden.

Sie glauben, das hat mit der Unzufriedenheit mit Ihrem Führungsstil zu tun?

Fugelsang Ich fühle mich da respektlos behandelt. Daraufhin hat der gesamte geschäftsführende Vorstand am 27. Dezember einen höflichen Brief an Frau Holle und Herrn Fischer geschrieben, dass der Vorstand das Verhalten missbilligt und wir um ein Gespräch bitten.

Wie war die Reaktion auf diese Einladung zum Gespräch?

Füth Frau Holle und Herr Fischer sind auf diesen Brief hin zurückgetreten. Herr Fischer mit sofortiger Wirkung, Frau Holle zum Jahresende.

Fugelsang Wir hatten zu dem Gespräch am 15. Januar einen Spezialisten für Vereinsrecht eingeladen. Wo stehen wir, was können wir tun und was können wir nicht. Ich habe allen gesagt, wer Wünsche, Anregungen oder Kritik hat, soll auf mich und meine Vorstandskollegen zukommen. Mit unserer Entscheidung, bei der Jahreshauptversammlung zurückzutreten, möchten wir unter diese ganze Angelegenheit einen Strich ziehen, damit alle Mitglieder eine Möglichkeit haben, über die weitere Zukunft der Heimatgemeinschaft mitentscheiden zu können.