Benrath: Stadt will Toiletten-Anlage schließen

Benrath : Stadt will Toiletten-Anlage schließen

Bereits Ende Februar soll das öffentliche WC auf dem Benrather Marktplatz geschlossen werden. Die Verwaltung argumentiert mit baulichen und technischen Mängeln. Die Grünen üben scharfe Kritik.

2013 diskutierten die Stadtteilpolitiker in Benrath noch über den Vorschlag der Stadt, die unterirdische, öffentliche Toilette auf dem Marktplatz mit einem Aufzug zu versehen, damit auch mobil eingeschränkte Menschen sie problemlos nutzen können. Das hätte rund 165.000 Euro gekostet, was die Politiker als viel zu viel erachteten und der Verwaltung dafür dann kein grünes Licht gaben. Fünf Jahre später will die Stadt keinen einzigen Cent mehr in die Notdurft-Anlage stecken.

Sabine Simon. Foto: ljo/mlm

Per Informationsvorlage werden die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) 9 in ihrer Sitzung am kommenden Freitag, 16 Uhr, Rathaus Benrath, nun darüber informiert, dass die Anlage stattdessen dicht gemacht werden soll. Und das sogar schon am liebsten Ende Februar, wie die Verwaltung mitteilt.

Nur wer wirklich nicht mehr einhalten kann, sucht derzeit diese im doppelten Sinne unterirdische Toilettenanlage auf. Besonders gut in Schuss ist sie nämlich schon seit Jahren nicht. Foto: Röhrig

Die Fraktion der Grünen in der BV 9 spricht sich in einer Pressemitteilung vehement gegen die drohende Schließung aus: "Wir sind der Meinung, dass die zusätzlich vorhandene oberirdische Wall-Toilette den Bedarf nicht decken kann und sehen daher die kurzfristige Schließung in erster Linie als Sparmaßnahem, die wir nicht kritiklos hinnehmen", schreibt Fraktionssprecher Ernst Welski in einer Stellungnahme. Im Gegensatz zu der Nutzung der Wall-Toilette ist die Toilettenbenutzung in der unterirdischen Anlage kostenfrei. Hinzu käme, dass die Wall-Toilette oft defekt sei, sagt Melina Schule, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Benrath. Beispielsweise geschehen beim Benrather Kinderfest der AGB.

Doch das Problem bei Informationsvorlagen: Die Politik hat nichts zu entscheiden, sie kann weder ablehnen noch zustimmen, sie nimmt sie nur zur Kenntnis. Dabei hatte das Gremium noch im März vergangenen Jahres 5500 Euro bereitgestellt, um die Anlage wieder ein bisschen besser in Schuss zu bringen.

Die Stadt will nicht nur keinen einzigen Cent mehr investieren, sie will durch die Schließung auch noch Geld sparen. So seien alleine im Jahr 2016 Unterhaltskosten in Höhe von 16.000 Euro entstanden, heißt es in der Unterlage. Bei einer Überprüfung durch das Amt für Gebäudemanagement sei festgestellt worden, dass die Toilette wesentliche bauliche und technische Mängel habe, unter anderem seien die behördlichen Auflagen zum Brandschutz nicht erfüllt. Diese könnten ohne einen erheblichen finanziellen und zeitlichen Aufwand nicht behoben werden. Nach Ende der Vertragslaufzeit der derzeitigen Wall-Toilette könne über das Aufstellen einer größeren WC-Anlage nachgedacht werden. Bis dahin fließt aber noch viel Wasser die Spülung hinunter: Vertragsende ist erst am 31. März 2024.

Die Grünen haben nun einen kleinen Fragenkatalog an die Verwaltung aufgestellt. Unter anderem wollen sie wissen, ob es ein Begehungsprotokoll gibt und ob es eine Brandschau gegeben habe.

Die Bezirksverwaltungsstelle arbeitet aktuell daran, die Zahl der so genannten "Netten Toiletten" im Stadtbezirk 9 zu erhöhen. In - zumeist - gastronomischen Betrieben, die an der Tür einen entsprechenden Aufkleber haben, können auch Nicht-Kunden unentgeltlich die Sanitäranlagen nutzen. Im Gegenzug bekommen die Betriebe einen monatlichen finanziellen Obolus. Bislang hat sich in der Benrather Fußgängerzone jedoch nur das Eiscafé Baldini dazu bereiterklärt.

(rö)
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