Benrath: SPD: Stadt soll Ortsumgehung prüfen

Benrath : SPD: Stadt soll Ortsumgehung prüfen

Für die Sitzung der Bezirksvertretung am 5. September hat die SPD den Antrag gestellt, ein Konzept zu entwickeln, wie der Verkehr stärker aus dem Benrather Ortskern rausgehalten werden soll.

Seit die Redaktion des Benrather Tageblatts vor über zwei Jahren umzog von der beschaulichen Friedhofstraße an die Cäcilienstraße 1, haben die Redaktionsmitglieder den besten Blick auf die Verkehrssituation rund um den Benrather Marktplatz. Die quasi mitten durch den Ortskern führenden Börchemstraße sowie Sistenich- und Cäcilienstraße sind - obwohl Einbahnstraßen - stark befahren. Viele Autofahrer nutzen sie, um zur Münchener Straße zu gelangen oder von der Abfahrt der Schnellstraße ins Herz des Stadtteils. Weil oben drauf der Busverkehr kommt sowie Parkplatz-Suchverkehr - oft durch Paketdienste - wird es häufig eng rund ums Nadelöhr. Das kann man nicht nur sehen, sondern auch hören: Hupen ist an der Tagesordnung.

In der SPD-Fraktion im Stadtbezirk 9 hat man sich Gedanken gemacht, wie der Verkehr entzerrt werden kann. Deren Mitglied Udo Skalnik will für die SPD einen Antrag für die Sitzung der Bezirksvertretung 9 am 5. September zur Abstimmung stellen: Die Verwaltung soll gebeten werden, ein integriertes Fußwege-, Radwege- und ÖPNV-Konzept für den Ortsteil Benrath zu erarbeiten.

Aus Sicht der Genossen sollten dabei diese Eckpunkte berücksichtigt werden: die Schaffung einer Ortsumgehung für den motorisierten Individual- und Schwerlastverkehr, die Sperrung der Sistenichstraße, Cäcilienstraße und Börchemstraße für den Durchgangsverkehr und deren gleichzeitiger Umwidmung als Anliegerstraße, den Rückbau eines Teils der Parkplätze zugunsten des Radverkehrs und des ÖPNV, die Ausweitung der verbleibenden Parkplätze als Behinderten- und Anwohnerparkplätze sowie die Nutzung der Fußgängerzone in den Abendstunden durch Fahrradfahrer. Zu guter Letzt soll es eine Anlieferbeschränkung auf den genannten Straßen für die Zeit ab 12 Uhr geben.

In der Begründung des Antrags heißt es: Um insbesondere auch den Stadtteil Benrath fahrradfreundlicher zu gestalten, ist der Ausbau eines flächendeckenden, sicheren Radwegenetzes im Ortskern ein wichtiger Baustein der Verkehrspolitik im Stadtbezirk 9. Durch Umgestaltung im Straßenraum der Sistenich-, Cäcilien- und Börchemstraße sollen separate Radwege entstehen und eine Verbesserung des ÖPNV-Angebots erreicht werden.

Was nun bloß mit diesem Antrag anfangen? Das werden sich jetzt wohl die BV-Mitglieder von CDU und Grüne fragen, die nach der Kommunalwahl eine Kooperationsvereinbarung für den Stadtbezirk 9 unterzeichnet haben. Und in diesem haben sie als Schwerpunkt die "Schaffung eines fahrradfreundlichen Stadtbezirks" festgeschrieben.

Für CDU-Fraktionssprecher Dirk Angerhausen ist der SPD-Antrag noch ein wenig unausgegoren: "Ich würde erstmal gerne wissen, wie diese Ortsumgehung verlaufen soll." Er, so Angerhausen, sehe derzeit keine der vorhandenen Straßen - wie die Erich-Müller-Straße oder die Hospitalstraße - als Möglichkeit, mehr Verkehr aufzunehmen und sie als Ortsumgehung zu nutzen. Ein weiteres Problem sieht Angerhausen bei den von der SPD geforderten separaten Radwegen im Ortskern. Denn in Tempo-30-Zonen gibt es von Gesetz wegen keine benutzungspflichtigen, das heißt speziell ausgewiesenen Radwege. Der Interessenclub der Fadfahrer, der ADFC, führt dazu sogar im Internet aus: Radwege dienten der Sicherheit der Radler, werde oft von denen behauptet, die sie bauten oder gerne benutzt wissen wollten. Dabei sei diese Behauptung zumindest innerorts falsch, die Unfallstatistiken zeigten genau das Gegenteil.

Immerhin einen Eckpunkt haben die Koalitionäre in dem Papier ausgemacht, den sie schon in der nächsten Sitzung mittragen könnten: Das Freigeben der Fußgängerzone für Radfahrer in den Abendstunden. Angerhausen: "Diesen Vorschlag will auch unsere Kooperation eingebringen." Er kann sich vorstellen, die Fußgängerzone ab 19 Uhr zum Radeln freizugeben.

Damit das baldmöglichst umgesetzt werden kann, hat Ernst Welski, Sprecher der Grünen-Fraktion in der BV 9, einen Vorschlag parat: "Alle von der SPD aufgelisteten Eckpunkte einzeln abstimmen zu lassen."

(RP)
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