Projekt in Benrath : Zu Gast beim Seniorenzirkus

Einmal wöchentlich gibt es einen Zirkuskurs für ältere Menschen in Benrath. Jonglieren und Balancieren machen nicht nur Spaß, sondern sollen auch die Gesundheit verbessern und Verletzungen vorbeugen.

Mit „Manege frei“ verbinden die meisten Zirkusfreunde sicher Bewunderung für professionelle Artisten, die schwindelerregend mit Tellern jonglieren, unzählige Bälle und Keulen durch die Luft tanzen lassen oder trittsicher auf einem Seil balancieren. Nicht etwa wie diese Profis, aber trotzdem eindrucksvoll und mit viel Spaß, versuchen sich ältere Damen und Herren als Jongleure und Artisten beim Mitmach-Zirkus. Dazu lädt das Zentrum Plus Benrath einmal wöchentlich ins Bürgerhaus Benrath ein.

„Ich hab früher im Museum gearbeitet und jetzt als Rentnerin habe ich meinen richtigen Beruf entdeckt“, scherzt Bruni Polle und jongliert dabei locker einen gelben Teller auf einem langen Stab. Seit fünf Jahren begleitet sie als Manegen-Dienerin den Mitmach-Zirkus. Einmal wöchentlich treffen sich dazu Zirkusbegeisterte und Bewegungsfreudige auf Einladung des Zentrum Plus Benrath. Damit das Milieu stimmt, wird die Aula im Bürgerhaus Benrath ein wenig umdekoriert. Drei Leitern liegen quer im Raum und eine Slackline auf dem Boden. Zahlreiche Koffer mit Tüchern, Keulen, Bällen, Flowersticks umrahmen die „Manege“, auch Pedalos und ein Einrad stehen parat. Es geht – fachlich formuliert – um Bewegung und Sinnesschulung. Das Lachen ringsum zeigt, dass Kontakt untereinander und Spaß mindestens ebenso wichtig sind. „Das Schöne ist, es geht nicht um Disziplin, die kann hinterher immer noch kommen“, erklärt Zirkuspädagoge und Manegendiener Olaf Schmeißer. Seit zwei Jahren hat er den Hut für dieses Projekt auf. Gerade sind es jedoch drei, die er nacheinander mit lockerer Hand und schwungvollem Salto von seiner Hand auf seinen Kopf platziert. Ganz gleich ob Keulen schwingen, auf der Slackline balancieren oder beim Hula-Hoop die Taille schwingen, jede Bewegung, die Freude daran und die Gesellschaft, habe positiven Einfluss auf die Sinne. „Das gibt frische Zellen im Gehirn, Mut und Selbstvertrauen“, sagt Schmeißer überzeugt. Dabei spiele es keine Rolle, ob jemand im Rollstuhl sitze oder an Demenz erkrankt sei – für jeden gebe es das Richtige und jeder könne ein wenig seine Grenzen überwinden. „Die Slackline ist zum Beispiel eine gute Sturzprophylaxe“, erklärt Olaf Schmeißer.

Eine Teilnehmerin hat offenbar genug von den „Trockenübungen“ auf der am Boden liegenden Slackline. Sie balanciert mit einem Staff – einem langen Stab – in der Hand über eine querliegende, hochkant aufgestellte Leiter. Wobei der Staff für sie offenbar mehr als mentale Stütze fungiert, so wie der Mensch auf der anderen Seite. „Wenn man älter ist können zehn Zentimeter als schwindelnde Höhe wirken, man muss einfach Mut zu sich selbst haben. Hier lernt man spielerisch wieder, was man als Kind gemacht hat“, sagt Sylvia Peiseler aus Itter. - Ballspielen als Kind, das war toll, erinnert sich Ursula Konschack, während sie drei Bälle in ihren Händen dreht. Plötzlich wirft sie einen Ball um ihren Rücken herum. Das Auffangen klappt nicht, doch was soll’s. „Das geht nicht so, wie ich es mir wünsche, aber schon viel besser“, sagt die 81-Jährige Urdenbacherin.

Seit zwei Jahren gibt es das Projekt „So ein Zirkus“. Da es der Prävention dient, wird es von verschiedenen Krankenkassen gefördert und ist für die Teilnehmer kostenlos. „Wir wollten erst nur einen Workshop machen, aber dann fanden wir die Kombination Zirkus und Bewegung spannend“, erzählt Sandra Ludes vom Zentrum Plus der Diakonie Düsseldorf. Nächsten Dienstag heißt es wieder „Manege frei“. Ältere Damen und Herren sind herzlich willkommen.