Schüler des Benrather Schloß-Gymnasiums bei Fridays for Future aktiv

Fridays for Future in Benrath : Fehlstunden für den Klimaschutz

Auch am Schloß-Gymnasium sind Jugendliche bei Fridays for Future aktiv. Die Reaktionen in der Schule sind geteilt.

Sie fordern mehr Klimaschutz jetzt. Und die demonstrierten dafür – natürlich zu der Zeit, wenn sie eigentlich im Unterricht hätten sitzen sollen, freitagsvormittags gegen elf. Maike Rumler, Finn Mergenthal, Loïc Solé und Luca Tewes, alle sind sie 18 und in der Q2 (12. Klasse) des Schloß-Gymnasiums. Sie stecken mitten im Abi-Stress. Bloß an ihrem letzten Schultag blieben sie ausnahmsweise den morgendlichen Demonstration fern.

Im Regelfall machen sie sich – wie viele andere Schüler auch – stark für die FFF-Bewegung, für Friday for Future. Politisch interessiert, sagen sie, waren sie schon vorher. Das Engagement für FFF war so fast eine logische Konsequenz. Die Vier sind alarmiert. Es sei „kurz vor Zwölf.“ Und wenn die ältere Generation nichts tue, dann müssten die Jüngeren es eben übernehmen.

Die Kritik an der Bewegung kennen sie. Die Schüler brächten kein Konzept ein, sollten bei sich anfangen. „Die individuelle Verantwortung gibt es natürlich auch“, sagt Luca Tewes. Weniger Plastikmüll produzieren, weniger Auto fahren, weniger fliegen, weniger Fleisch essen. Selbstredend. Aber in der Verantwortung stehe doch die große Politik. „Sicher, ein jeder handelt oft erst dann, wenn er es am eigenen Leib spürt.“, sagt Finn Mergenthal. Er war auch dabei, als die FFF-Bewegung unlängst bei einer Demo in Berlin erste ganz konkrete Forderungen stellte, wie einen schnelleren Kohleausstieg und eine Co2-Steuer.

Wichtig ist und war ihnen auch: Der Protest ist ihr Protest, nicht der der Schule. Das Stoffbanner, mit dem sie demonstrieren und das den Schriftzug trägt „Klimaschutz ist Ehrensache“, haben sie nach dem Unterricht gebastelt, bezahlt vom eigenen Geld. „Das hatte mit dem Schule nichts zu tun“, sagt Loïc Solé. Dennoch sei die Frage gekommen, ob sie das Schul-Logo nicht mit drauf nehmen wollten. Wollten sie aber nicht. „Wir haben und hatten mit der Schule überhaupt kein Problem“, versichert Finn Mergenthal rückblickend. Aber das Thema Fehlstunden habe das Verhältnis belastet. Ihnen sei stets klar gewesen, dass die Schule ihnen nicht einfach frei geben konnte, dennoch hätten sie sich mehr „Augenmaß“ gewünscht. Und vielleicht auch mehr Unterstützung. Nicht alle Lehrer und nicht alle Schüler würden das Thema Klimawandel als so wichtig einstufen, wie sie es tun, sagt Maike Rumler.

Schulleiter Raimund Millard hat durchaus Verständnis. Einerseits. Der Klimawandel sei das vielleicht wichtigste Thema unserer Zeit. Andererseits müsse er als Schulleiter auf die Einhaltung der Schulpflicht pochen. Mit der angesetzten Exkursion zum großen Protest vor dem Rathaus am 15. März und der einmaligen Erlaubnis, sich für eine Demo von den Eltern entschuldigen zu lassen – oder dies als Volljähriger selbst zu tun – seien die Möglichkeiten erschöpft gewesen. „Das, was uns das Schulministerium gewährt hat, haben wir genutzt.“ Würde er nun geflissentlich über unentschuldigtes Fehlen hinwegsehen, man würde ihn wohl einbestellen, sagt Millard. Jetzt gelte die Regel: Wer nicht da ist, hat eine Fehlstunde. Die wird festgehalten. Wer in einem Fach nicht mehr die Mindeststundenzahl abdeckt, bekomme Schwierigkeiten – bis hin zur Nichtzulassung zum Abitur, hatte Millard erklärt. Diese Sorge ist den vier Schülern genommen. Ihre Zulassungen haben sie und nun Freitagsmorgens keinen Unterricht mehr.

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