Schloss-Schüler aus Benrath forschen auf Elba

Schulprojekt : Schloss-Schüler forschen auf Elba

Gemeinsam mit Biologen der Heinrich-Heine-Universität verbringen vier Schüler des Benrather Gymnasiums ihre Ferien damit, den Einfluss von Plastikmüll im Mittelmeer zu untersuchen.

Sonne, Strand und blaues Meer: So lassen sich die Herbstferien angenehm verbringen. Vier Schüler des Benrather Schloß-Gymnasiums haben im Moment genau das; sie verbringen ihren Urlaub auf der Insel Elba. Aber statt mit der Clique oder den Eltern sind sie mit einem Team von Wissenschaftlern am Mittelmeer, und statt am Strand zu faulenzen, wollen sie forschen.

„Wir wollen herausfinden, welche Arten von Plastik sich an welchen Orten der Insel finden“, sagt Sven Goud, Mikrobiologe an der Heinrich-Heine-Universität, der die Feldstudie auf Elba leitet. Außer ihm sind noch vier Studenten seiner Fakultät mitgekommen.

Vor Ort wollen die Schüler und Studenten, unterstützt von einer lokalen Forschungseinrichtung, sich ein genaues Bild darüber machen, wie stark Land und Meer mit Plastikmüll belastet sind. Dabei wird nicht nur an den Stränden Müll gesammelt, kartiert und klassifiziert, es werden auch Wasserproben genommen, um den Gehalt an schädlichem Mikroplastik zu bestimmen.

Noch bis zum 26. Oktober arbeitet das Team auf Elba. Dokumentiert wird die Reise in einem Online-Blog. Dort sind auch die typischen Irrungen und Wirrungen dokumentiert, die eine solche Reise zwangsläufig mit sich bringt. Einer ungeplanten Herausforderung musste sich das Team bereits beim Hinflug am Sonntag stellen, als sich herausstellte, dass für die vier Schüler kein Platz in der Maschine gebucht war. Statt nach Pisa flogen die vier also kurzerhand nach Bologna, von wo aus sie eine der Studentinnen abholte und sie gemeinsam gerade noch die letzte Fähre nach Elba erwischten.

Vor Ort begannen die Studien in Theorie und Praxis. So fanden die Schüler beispielsweise heraus, dass nur knapp zehn Prozent des Plastikmülls der vergangenen 60 Jahre wieder verwertet wurde. Diese und andere Zahlen verdeutlichen, wie wichtig es ist, sich mit dem Problem zu beschäftigen. Auch erste Ausflüge an die örtlichen Strände und ins Meer zeigten deutlich, wie gravierend das Problem mit dem Plastikmüll ist.

„Das Projekt hat das Ziel, die Schüler dafür zu interessieren, wie wichtig und realitätsnah Wissenschaft sein kann“, sagt Arne Claussen, Sprecher der Heinrich-Heine-Universität. Auf diese Weise will die Hochschule junge Menschen für die Wissenschaft begeistern und langfristig auch um Nachwuchswissenschaftler werben. Die Wahl auf das Benrather Schloß-Gymnasium wurde auf Grund persönlicher Verbindungen getroffen.

Das Projekt ist Teil der so genannten Bürgeruniversität. Mit verschiedenen Veranstaltungen sucht die Wissenschaft die Nähe der Bevölkerung, aber auch der Politik und Wirtschaft, um sich so in die Praxis der Gesellschaft einbringen zu können. Dazu gehört, auf Schulen zuzugehen und junge Menschen mit der Forschung und Lehre in Kontakt zu bringen.

Wissenschaftlich ist die Feldforschung Teil von Sven Goulds Projekt „Awareness-to-Go: der Einfluss von Plastik-Verschmutzung auf marine und terrestrische Ökosysteme“. Die Daten, die die Schüler und Studenten in den zwei Wochen auf Elba sammeln, werden mit dem Ziel ausgewertet, die Bedrohung der Ökosysteme im Mittelmeer durch Kunststoffabfälle quantifizieren zu können. Auch für die Benrather Schüler geht es nach ihrer Rückkehr weiter: Sie wollen ihre Ergebnisse und Erlebnisse in Form von Collagen, Postern und Fotos an der Schule präsentieren. Mikrobiologe Gould hat klare Ziele für seine Forschung. Er will „unser Augenmerk auf eine ökologische Bedrohung richten und damit für Aufmerksamkeit sorgen“

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