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Pläne für die Bebauung der Benrather Paulsmühle

Bauprojekt in Benrath : Das zukünftige Gesicht der Paulsmühle

Die Sieger des Architektenwettbewerbs haben ihre Ergebnisse vorgestellt. Anwohner sehen das Bauprojekt noch immer kritisch, sie befürchten, dass zu viele Menschen ins Quartier kommen.

Ein großes Loch klafft in der Bebauung nördlich der Paulsmühlenstraße in Benrath. Direkt vor dem Albrecht-Dürer-Berufskolleg liegt eine eingezäunte Brachfläche aus Schutt, Steinen und Unkraut. Rund 500 Wohneinheiten sollen hier entstehen – gemeinsam mit dem bereits fertiggestellten Quartier auf der anderen Seite der Straße ergibt sich ein neues Wohnviertel, dass die bis vor kurzem noch eher verschlafene Siedlung Paulsmühle vor einige neue Herausforderungen stellt.

Nahversorgung, Verkehrsführung, Integration – all diese Themen beschäftigen derzeit sowohl die Bewohner der Paulsmühle als auch die Lokalpolitiker des Düsseldorfer Südens. Zumindest in der Frage, wie das neue Wohnquartier aussehen könnte, ist man jetzt jedoch einen Schritt weiter.

Im Sommer wurden die Entwürfe von vier Teams aus je einem Architektenbüro und einem Landschaftsarchitekten öffentlich ausgestellt, sowohl im Internet als auch an den Bauzäunen entlang der Brachfläche. Konkret ging es dabei um die Gestaltung der Hausfassaden und der Freiflächen. Auf dem Postweg und über das Internet konnten Bürger ihre Meinung zu den Vorschlägen der Teams abgeben – eine Vor-Ort-Diskussion, wie sie bei solchen Vorhaben üblich ist, gab es in diesem Schritt nicht – zur Minimierung des Infektionsrisikos.

Alle acht beteiligten Unternehmen bemühten sich um eine moderne, offene Gestaltung der neuen Paulsmühle. Der Zuschlag wurde letztlich aufgeteilt. Im Baugebiet nördlich Paulsmühlenstraße entstehen fünf Wohnblocks. Für zwei davon wird das Hector 3 Architektenbüro verantwortlich sein, zwei weitere übernimmt das Düsseldorfer Büro HGMB Architekten, welches bereits unter anderem an der Solarsiedlung Garath beteiligt war. Der fünfte Wohnkomplex  wird vom Team Rotterdam Dakowski umgesetzt. Die Gestaltung der Außenflächen teilen sich Land Germany und die Wündrich Landschaftsarchitekten.

Im Benrather Osten soll ein modernes Quartier entstehen, das sich durch eine hohe Vielfalt der Bewohner auszeichnet. Geplant sind unter anderem gemeinschaftlich genutzte Gärten, Wasserfontänen und Brunnen, Spielplätze für Kinder sowie Außengastronomie und öffentlich zugängliche Obstbäume. Bei der Gestaltung der Fassaden ist ein Klinkeranteil von mindestens 30 Prozent vorgeschrieben. Die Siegerentwürfe arbeiten zudem mit viel Glas sowie Staffelgeschossen, außerdem sind Balkone und Loggien vorgesehen. Die genaue Gebietszuweisung der Gewinner-Teams ist auf der Homepage der Stadt Düsseldorf einsehbar und hängt neben deren Entwürfen derzeit am Bauzaun aus.

Momentan befindet sich nur eine Brachfläche an der Stelle, wo rund 500 neue Wohnungen entstehen sollen. Foto: RP/Dominik Schneider

Dort sehen sie regelmäßig auch die Mitglieder der Bürgerinitiative Lebenswerte Paulsmühle. Diese wehrt sich seit Jahren gegen die Bebauung des ehemaligen Industriegeländes an der Paulsmühlenstraße. Sie fürchtet, dass die Paulsmühle mit der großen Anzahl neuer Wohnungen verkommt. Die Stadtplanung hat den unzufriedenen Anwohnern, die von Teilen der Lokalpolitik unterstützt werden, einige Zugeständnisse gemacht, etwa einen verbreiterten Bürgersteig auf der Telleringstraße, den Erhalt des Brunnens als Treffpunkt an der Ecke zur Paulsmühlenstraße und die Schaffung öffentlicher Parkplätze zugesagt. Die Bürgerinitiative freut sich, auch bei diesem Schritt beteiligt worden zu sein – ist mit den Ergebnissen des Architektenwettbewerbs jedoch nur mäßig zufrieden. „Gerade im Freiraum gibt es schöne Ansätze, aber wir hätten uns bei der Gestaltung der Gebäude ein wenig mehr Phantasie gewünscht“, sagt Maike Liess, Anwohnerin und aktiv für die Lebenswerte Paulsmühle. „Wir haben erfahren, dass die Ideale der Architekten oft von denen der Bürger abweichen.“ Liess und ihre Mitstreiter haben den Verantwortlichen bei den Workshops zahlreiche Anregungen mitgegeben, die in den Entwürfen allerdings zum Großteil nicht umgesetzt wurden.

Der größte Kritikpunkt der Anwohner bleibt bestehen: Die Zahl der neuen Wohnungen sei zu groß. Offiziell wird von rund 500 Wohneinheiten gesprochen, Liess und ihre Anwohner befürchten deutlich mehr. „Die neuen Menschen, die ins Mühlenviertel südlich der Paulsmühlenstraße gezogen sind, beleben das Quartier. Aber wenn es zu viele Anwohner gibt, kann das ganz schnell kippen“, so Liess. Zudem hätten sie und ihre Mitstreiter sich einen höheren Anteil an Gewerbe gewünscht, abgesehen von etwas Gastronomie ist in der neuen Paulsmühle lediglich Wohnbebauung vorgesehen. „Wenn man nur zum Wohnen hierher kommt, dann wird aus unserer schönen Paulsmühle irgendwann ein Ghetto“, warnt die Bürgerinitiative seit Jahren – und wird vermutlich mit ihrer Beteiligung fortfahren, bis in der Paulsmühle die Bagger rollen.