Mobile Redaktion : Paulsmühler hoffen auf Kompromiss

Viele Anwohner waren gestern der Einladung unserer Redaktion in die Paulsmühle gefolgt. Möglicherweise kommen in der heutigen Sitzung des Stadtplanungsausschusses nur 380 statt 580 neuer Wohnungen zur Abstimmung.

Mit ein wenig Hoffnung haben die Mitglieder der Initiative „Lebenswerte Pauslmühle“ und viele Bewohner des Viertels gestern Nachmittag die Mobile Redaktion der Rheinischen Post verlassen. Dirk Angerhausen, der für die CDU in der Bezirksvertretung 9 sitzt, sagte, dass er aus der Verwaltung ein Signal bekommen habe, dass man sich wohl einen Kompromiss vorstellen könnte. Der könnte vorsehen, die Zahl der neben dem Dürer-Kolleg zu bauenden Wohneinheiten von jetzt 570 auf rund 380 zu reduzieren. Die beiden mit sieben Geschossen geplanten Wohntürme könnten „nur“ noch fünfgeschossig werden. „Immerhin besser als nichts“, reagierte Elke Nowak von der Initiative auf diese Neuigkeit.

Nicht nur sie beschäftigt das wachsende Viertel, in dem bald neben der Kollegschule ein weiteres Wohngebiet entstehen soll. Und so herrschte gestern Nachmittag bei der Mobilen Redaktion großer Andrang. Auch die Verwaltung war mit Experten aus den Bereichen Stadtplanung und Verkehr erschienen. Die Sorgen, die den Menschen unter den Nägeln brennen, sind vielfältig: Wo sollen die neuen Bewohner parken, wo die Besucher? Gibt es genügend Grundschul- und Kita-Plätze?

Den Bau von 570 Wohneinheiten auf dem Baufeld Paulsmühlenstraße/Telleringstraße wollen die Anwohner unbedingt verhindern, wie sie bereits durch eine Unterschriftenliste und einen Protestzug am Sonntag kundgetan haben. Bedenken bestehen vor allem wegen des zu erwartenden erhöhten Verkehrsaufkommens in den engen Straßen der Paulsmühle. Und auch die beiden Wohntürme stechen den Anwohnern ins Auge. „Diese passen einfach nicht in die Struktur des alten Arbeiterviertels“, betonte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Udo Skalnik (SPD) und erntete prompt großen Applaus - auch für seine Mahnung an die Verwaltung, dafür zu sorgen, dass sich die Menschen, die in der Paulsmühle leben, weiterhin dort wohlfühlen.

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Im heute Nachmittag tagenden Stadtplanungsausschuss steht der Bebauungsplanentwurf auf der Tagesordnung. Für die Liberalen hatte Bezirksvertreter Christoph Schork bereits angekündigt, dass diese gegen die Verwaltungsvorlage stimmen werden. Doch zu einer Abstimmung auf des Messers Schneide könnte es gar nicht erst kommen, wenn es den besagten Kompromissvorschlag gäbe.

Markus Raub, Fraktionsvorsitzender der SPD und zugleich Vorsitzender im Stadtplanungsausschuss, ließ im Gespräch mit unserer Zeitung gestern offen, ob es nicht auch zu einer Vertagung kommen könnte. Allerdings nach einer ausführlichen Diskussion im Ausschuss, wie Raub betonte. Seine Fraktion steht nämlich in einem Dilemma. Wie könnten Sozialdemokraten gegen den Bau von mehr Wohnraum stimmen?

Die SPD hatte sich in ihrer Sitzung am Montagabend laut Raub  noch nicht abschließend positioniert. Doch der Widerstand aus dem Viertel ist auch in der SPD-Fraktionsspitze angekommen: „Es finden aktuell weitere Abstimmungsgespräche statt. Wir wollen dort Wohnbebauung; die Frage ist jedoch, in welchem Umfang.“ Zudem, so Raub, halte er die Planungen städtebaulich „für keinen großen Wurf“.