Wohnbaupläne für den Benrather Osten : Politik stoppt Baupläne in der Paulsmühle

Die Freude bei der Initiative ist groß. Es soll jetzt einen städtebaulichen Wettbewerb geben.

Die Initiative „Lebenswerte Pausmühle“ hat einen Sieg errungen: Die Mitglieder des Stadtplanungsausschusses haben gestern Nachmittag in ihrer Sitzung das von der Verwaltung vorgelegte Bebauungsplanverfahren für das Areal neben dem Dürer-Kolleg erstmal gestoppt. Stattdessen wird nun die Verwaltung ein so genanntes qualitätssicherndes B-Plan-Verfahren einleiten – also einen städtebaulichen Wettbewerb – in dem dann die Interessen der Bürger und das Verkehrsproblem berücksichtigt würden, berichtete Ausschussmitglied Andreas Hartnigk (CDU) unserer Redaktion.

Die Freude bei den Mitgliedern der Initiative ist groß. „Wir sind total glücklich“, sagte Ralf Willke nach der Sitzung: „Wir haben den Druck richtig dosiert.“ Am Sonntag waren rund 400 Paulsmühler eindrucksvoll in einem Proteszug vom Bunker zum Benrather Rathaus marschiert. Zudem haben sie über 1000 Unterschriften gesammelt.

Außerdem, so Willke, sei in der Sitzung das Engagement der Initiative gelobt worden. „Alle fanden gut, dass wir ja letztlich für Wohnungsbau sind. Aber er muss im Rahmen bleiben. Man hat uns in Aussicht gestellt, dass wir uns im weiteren Verfahren engagieren können, unter anderem in dem wir mit in der Jury für den städtebaulichen Wettbewerb sitzen.“

Die neuen Planungen sollen nun wieder eine zu bauende Zahl von um die 320 Wohnungen haben und nicht wie von der Verwaltung vorgesehen um die 570. Damit folgte der Ausschuss auch den Wünschen aus der Bezirksvertretung 9, die sich in ihrer jüngsten Sitzung sich geschlossen für die geringere Anzahl an Wohnungen stark gemacht hatte.

Diese Entscheidung der Politik wird auch weitere RP-Leser aus der Paulsmühle freuen: Stefan Ränkel fehlt in dem Viertel ein Masterplan für Benrath. Warum werde der Stadtteil nicht mehr als Ausflugsziel beworben? Er denkt unter anderem an eine Therme, Hotels sowie mehr Gastronomie und Einzelhandel. Für ihn gibt es in und um die Paulsmühle viele Ansätze für einen Masterplan: das Berufskolleg, die beiden neuen Wohnviertel, der Halt des RRX am Bahnhof, das zu überplanende Areal an der Hildener Straße, der Hallenbad-Neubau, das sanierungsbedürftige Bürgerhaus und die Bahnunterführung. „Auch ich begrüße erstmal grundsätzlich jede Baumaßnahme im Viertel. Viel zu lange stand die Entwicklung still. Nun schlägt das Pendel aber in die andere Richtung.“ Das bezeichnet Ränkel als „konzeptlose Aktivität“.

Das Ehepaar Inge und Hans Schröder, das an der Telleringstraße lebt, ärgert sich jetzt schon über den Verkehr: „Die Verwaltung hat keine Vorstellung davon, was der Betrieb dieses größten Berufskollegs an parkplatzsuchende Schüler mit sich bringt.“

Anwohner Philipp Vitez sieht viele ungeklärte Fragen: Wie gedenkt die Stadt den Anwohnern, insbesondere der Generationen 50plus und jungen Familien gerecht zu werden (Wohnraumverdichtung = Abnahme der Lebensqualität) Und auch er sorgt sich wegen der zu erwartenden Verkehrszunahme im Viertel. Die Verkehrsplaner sind der Ansicht, dass die Telleringstraße als Hauptlastträger im Viertel ihre Auslastungsgrenze auch dann nicht noch erreicht haben wird, wenn die Schule in Betrieb ist und die beiden neuen Wohnviertel bezogen sind.