Neues Mobilitätskonzept für die Benrather Paulsmühle gesucht

Mobilität : Wunsch nach Tiefgaragen für Fahrräder

Unterirdische Abstellplätze für Fahrräder sollen das drohende Verkehrsproblem in der Benrather Paulsmühle entschärfen.

Die autofreie Siedlung in Köln-Nippes lockt Neugierige aus der ganzen Welt an. Sogar Interessenten aus Japan, China und Südkorea hat Hans-Georg Kleinmann vom Verein Nachbarn60 schon durch die Wohnanlage geführt, die den Autoverkehr weitgehend ausgespart hat. Vor einem knappen Jahr waren auch Besucher aus Benrath da, die Grünen-Mitglieder der Bezirksvertretung. Sie wollten sich vor allem ein Bild von den dort realisierten Fahrradtiefgaragen machen. Ein Besuch mit Folgen: Für die Sitzung der Bezirksvertretung 9 am morgigen Freitag bringen CDU, SPD und Grüne nun einen interfraktionellen Antrag ein: Die Stadt wird gebeten, zu prüfen, ob bei den geplanten Wohnungen auf dem Grundstück „Nördlich Paulsmühlenstraße“ Fahrradtiefgaragen wie in Köln-Nippes eingerichtet werden können.

In der autofreien Siedlung verfügen alle Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 450 Wohnungen über Fahrradtiefgaragenplätze. Je nach Größe der Wohnung sind zwei bis fünf markierte Fahrradstellplätze vorhanden. Die Nutzung ist im Mietpreis inbegriffen.

„Das Angebot wird extrem gut genutzt“, sagt Kleinmann. Den Grund dafür sieht er in dem damit verbundenen Komfort für die Nutzer. „Es gibt einen breiten Mittelgang, einen Schalter zum Öffnen der Tür und eine Ausfahrt-Rampe“, sagt der Vereinsvorsitzende, der so etwas wie der Bürgermeister der Siedlung ist. Von der Tiefgarage können die Nutzer direkt in den Aufzug steigen und hoch zu ihrer Wohnung fahren. All das erleichtere den Umstieg auf das Fahrrad. Für Bewohner von Altbauten, die das Fahrrad aus dem Keller über eine Treppe nach draußen tragen müssen, sei dies oft ein Hemmnis, das Rad zu nutzen.

Komplett autofrei ist die Siedlung in Köln nicht. Etwas abseits gibt es deshalb ein Parkhaus für 80 Fahrzeuge. Das hatte schon vor einigen Jahren Richard Franz Wagner von den Grünen auf den Gedanken gebracht, die Idee für die Paulsmühle zu nutzen. „Beim Erstentwurf 2015 war die Stadttochter IDR davon ausgegangen, dass es wegen der Altlasten keine Keller geben könnte“, sagt Wagner. Deshalb sei für das Berufskolleg und die Siedlung ein gemeinsames Parkhaus vorgesehen gewesen. Gute Bedingungen für eine autoarme Siedlung. Doch mit dieser Idee konnte Wagner damals keine Befürworter gewinnen, nicht in der eigenen Fraktion und nicht in der Bezirksvertretung. Als dann die Altlasten auf dem Grundstück saniert werden konnten, wurde doch mit einer Tiefgarage unter den Häusern geplant. Nun möchten die Antragsteller der Stadt nahelegen, bei Investoren hinzuwirken, dass sie separate Fahrradtiefgaragen bauen.

„Das ist eine gute Sache“, findet auch Dirk Angerhausen von der CDU, der sich mit einer Düsseldorfer Delegation gerade in Hamburg über Mobilitätskonzepte informierte. Da die Paulsmühle über den RRX und die Straßenbahn über eine ordentliche Anbindung verfüge, seien die Fahrradtiefgaragen eine gute Möglichkeit, das Gebiet von Autoverkehr zu entlasten.

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