Benrath : Nach dem Abi nach Burundi

Julius von Diergardt (19) berichtete Schülern am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium von seinen Erfahrungen, die er während einer dreimonatigen Freiwilligenarbeit für eine Hilfsorganisation bei Missionaren in Ostafrika machte.

"Was mache ich nach dem Abitur?", diese Frage stellt sich Julius von Diergardt, wie viele seiner Altersgenossen. Sprachen lernen, ein Praktikum absolvieren und soziales Engagement, mit diesem groben Plan geht der junge Gerresheimer die Sache an. Für eine dreimonatige Freiwilligenarbeit bei Missionaren in Burundi muss er erst einmal Französisch lernen - die Amtssprache in Burundi. "In der Schule habe ich das gar nicht gelernt", verrät der 19-Jährige den Schülern am Annette-Gymnasium in Benrath. So macht er sich auf nach Frankreich und verbringt erst einmal drei Monate in Montpellier, um sich die Sprache anzueignen. Auch das ist ein Teil seines Orientierungsjahres nach dem bestandenen Abitur.

Anschaulich berichtet er den Jugendlichen in Benrath von den Erfahrungen aus einem der ärmsten Länder der Welt, in dem 43 Prozent der Bevölkerung hungern. Von Januar bis Ende März dauert sein Freiwilligeneinsatz in Burundi, dem Land, von dem er selbst vorher wenig wusste. Sein Onkel arbeitet dort, ein erster Kontakt, der ihn zu seinem Freiwilligeneinsatz führt. "Für ein Visum braucht man eine Einladung aus dem Land", sagt er.

Der Bürgerkrieg liegt in Burundi erst einige Jahre zurück, Korruption ist allgegenwärtig. Im "Centre Nouvelle Espérance" in der Hauptstadt Bujumbura engagiert sich Julius von Diergardt. Geleitet wird es von den Afrika Missionaren. Im Mittelpunkt der humanitären Hilfe stehen im Zentrum Angebote für Menschen mit Aids. Für den Gerresheimer eine besondere Erfahrung. Er ist mit dem Team unterwegs mit einer mobilen Küche, klärt über Ernährung auf, gibt Informationen zu Aids und hilft da, wo soziale Unterstützung bei Arbeitsbeschaffung und Wohnungsbau nötig ist.

In dem armen Land wird fast alles mit dem Fahrrad erledigt. "Manchmal ist bei Autos der Tank leer und an den Tankstellen kein Benzin vorhanden", erzählt er den Schülern. Er berichtet von gefährlichen Situationen und Schüssen auf einem Fußballplatz. "Auch Aberglaube und Hexerei spielen eine Rolle", sagt er. Obwohl 70 Prozent der Bevölkerung Christen sind, erlebt er kuriose Situationen und bekommt die Empfehlung sich hier und da doch einen Hexenmeister mitzunehmen. Nach Einbruch der Dunkelheit darf er nicht raus. "Nach Sonnenuntergang musste ich zu Hause sein", sagt er. Die Situation sei sonst zu gefährlich.

Jeden Tag steht Sport auf dem Programm, morgens um halb sechs steht Julius von Diergardt auf, es folgt eine Messe, das Frühstück und die tägliche Arbeit. In dem Zentrum erlebt er, wie Menschen Mikrokredite erhalten. "Mit 30 bis 50 Euro kann man sehr viel erreichen", erklärt er den Schülern. Das Geld bekommen die Einheimischen als Startkapital für ein eigenes Geschäft. "Sie arbeiten dann beispielsweise als Friseur oder Seifenhersteller", sagt Julius von Diergardt.

Neben finanzieller Hilfe gibt es im Zentrum auch Unterstützung in gesundheitlichen Fragen. So erlebt von Diergardt die psychologischen Beratungsangebote und lernt Menschen kennen, die mit ihrer Aidserkrankung neue Perspektiven finden. Den Kontakt nach Deutschland beschränkt der junge Mann in dieser Zeit auf die Wochenenden. "Ich wollte mich ganz auf das Leben einlassen", sagt er. Er trifft auf bittere Armut, Menschen mit wenig Kleidung, ohne Zugang zu fließendem Wasser oder ausreichender Nahrung.

Zurück aus Burundi vermisst er dennoch das Wetter und auch die Einfachheit des Lebens dort. Für sich selbst hat er entschieden, im Herbst mit dem Studium zu beginnen. Dann stehen Wirtschaft, Soziologie und Politik auf dem Programm.

(sime)
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