Benrath : Modeshooting vor Altpapierbergen

Modestudent Martin Appelt fotografierte sein Modell bei Gänsehaut-Temperaturen vor Recyclingmaterialien.

Beim Entsorger Remondis stehen am Wochenende die Lastwagen akkurat aufgereiht, die Sonne überstrahlt den grauen Winter. Es herrscht Wochenendruhe, doch nicht so ganz. In der Halle vor wüsten Papier- und Kartonbergen stöckelt eine zierliche, hübsche Frau auf silbernen High Heels routiniert hin und her. Irgendwie wirkt die Szene deplatziert; doch für den Studenten Martin Appelt muss sie exakt so sein. "Ich wollte die Wiederverwendung von genutzten Ressourcen zum Thema gemacht", erklärt der zukünftige Modedesigner die eigenwillige Kulisse für eine Kollektion.

Modell Saskia Negro posiert bei Gänsehaut-Temperaturen in Plastik-Mode, kombiniert mit Jeansstoff - natürlich aus alten Jeanshosen. Das Innenfutter - quasi der Ersatz für Daunen - besteht aus Titel- und Fotoseiten des Modejournals Vogue. Nichts ist zufällig, alles ist von Martin Appelt bewusst ausgewählt. "Das Altpapier aus der Vogue greift mein Thema noch einmal richtig schön auf", erklärt der 23-Jährige. Für seine Semesterarbeit habe er zwei Kostüme und einen Mantel entworfen und angefertigt. Die Kleidungsstücke seien natürlich nicht kommerziell verwendbar, sie sollen als Metapher die gesellschaftlich relevanten Themen Recycling und Ressourcen aufgreifen. "Bist Du mit dem Make-up zufrieden", fragt Fotografin Karina Kreische. Martin nickt, er ist nicht nur damit, sondern rundherum zufrieden. Denn mit diesem Fotoshooting hat er wirklich Glück. "Von Herrn Tölle, dem Niederlassungsleiter der Firma Remondis, bekam ich schnell die Zusage für das Foto-Shooting, von woanders hatte ich eine Absage", erklärt der junge Mann. Modell Saskia spendiere ihre Zeit und die Fotoagentur gebe sich mit einer Aufwandsentschädigung zufrieden. Das sei alles nicht selbstverständlich, irgendwie fänden alle das Thema interessant, meint der Student.

Das Fotoshooting samt der ungewöhnlichen Kleidung gehört zu einer Präsentation, die Martin Appelt für jedes Semester erarbeiten muss. Außerdem muss er eine Trend-Analyse und ein Konzept erstellen und die Begründung für das Design liefern. Für diese Zusammenstellung hat sich Martin das Format eines Modejournals ausgedacht. Es muss grafisch und künstlerisch ansprechend sein, nichts bleibt dem Zufall überlassen.

Der 23-jährige Hasseler studiert an der Hochschule Fresenius in Derendorf Modedesign im dritten Semester. Nach sieben Semestern kann er mit einem Bachelor abschließen. "Ich wollte was Kreatives machen, und Mode hat mich schon immer interessiert. Meine Mutter ist auch sehr modebewusst", erklärt Martin Appelt die Wahl seines Studiums. Frei nach dem Motto "Kleider machen Leute", findet er es wichtig, dass Menschen mit und in ihrer Kleidung ein gutes Lebensgefühl haben. "Es ist schön, mit aufwändigen Stoffen zu arbeiten. Aber ich experimentiere auch gerne mit ungewöhnlichen Materialien", unterstreicht Martin Appelt seine Recycling-Kollektion. Bis zum Bachelor sind noch einig Semester und danach? "Im Design ist es schwierig, man muss sich hervortun", erklärt Martin Applet seine Branche. Ein großes Label - das wäre ein Traum.

(RP)