1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Benrath

Milder Winter stört Natur im Schlosspark Benrath

Klimawandel auch in Benrath : Warum das Hermelin nicht mehr weiß wird

Im Naturkundemuseum gibt es eine Führung zur Tierwelt im Winter. Vor der Tür blühen bereits die Gänseblümchen.

Seit 15 Jahren arbeitet Sabine Kauke im Naturhistorischen Museum von Schloss Benrath. Sie führt Kinder und Erwachsene durch die umfangreiche Sammlung, die mehrere Hundert Tierpräparate beherbergt. Am morgigen Sonntag leitet sie die Führung „Frostschutzmittel und Dauerschlaf“, die sich damit befasst, wie sich die heimische Tierwelt im Winter verhält. Geeignet ist sie für Kinder ab sechs Jahren.

Die Stücke, die den Museumsbesuchern in Glaskästen präsentiert werden, sind teilweise weit über 100 Jahre alt. Damals waren die Winter noch deutlich kälter und reicher an Schnee. Mit dem Klimawandel musste sich auch die Tierwelt auf die veränderten Gegebenheiten einstellen, wie Kauke erklärt. „Ich zeige beim Rundgang durch das Museum zum Beispiel das Hermelin, das ist ein kleiner Marder, der im Sommer braun, im Winter weiß ist.“ Allerdings, so erklärt die Museumsführerin, gebe es das rein weiße Winterkleid, einstmals Zeichen der Könige, heutzutage kaum noch – zumindest im Rheinland.

„Das Hermelin wechselt sein Fell mit dem ersten Schnee – und wenn es nicht schneit, bleibt es braun.“ Auch der Winterschlaf, den viele Tiere halten, wird durch die milden Temperaturen beeinflusst. Igel können beispielsweise deutlich früher aufwachen, das Nahrungsangebot ist dann jedoch noch knapp. Das kann für die Insektenfresser zu Problemen führen, wenn sie sich bei einem Kälteeinbruch später im Jahr ohne genügend Fettreserven wieder schlafen legen müssen.

Unproblematisch, so erklärt Sabine Kauke, seien die Temperaturschwankungen hingegen für wechselwarme Tiere wie Frösche. „Die haben eine Art Frostschutzmittel in den Zellen und können einfach je nach Kälte aktiv sein oder in Winterstarre verfallen.“

Bemerkbar sind die Auswirkungen der Klimaveränderung bereits beim Kuckuck. Der Nestschmarotzer legt sein Ei bei der Rückkehr aus dem afrikanischen Winterquartier in die Gelege anderer Vögel, das Küken wirft die falschen Geschwister dann aus dem Nest. Wenn die Wirtsvögel aufgrund der milden Temperaturen früher brüten, sind die Jungen oft bereits geschlüpft, wenn der Kuckuck aus Afrika zurückkommt. Daher funktioniert die Strategie dieser Vögel oft nicht mehr – und es gibt bereits jetzt merklich weniger Kuckucks in unseren Wäldern.

Auch die Pflanzenwelt scheint derzeit aus den Fugen geraten. Im Benrather Schlosspark hängt noch verhältnismäßig viel Laub an den Buchen, an den Stämmen und auf dem Boden wachsen Pilze, die sonst hauptsächlich im Herbst zu sehen sind. Gleichzeitig haben viele Sträucher und Bäume bereits Knospen, junge Triebe wachsen aus dem Boden. Auf den Wiesen sind sogar schon einige Gänseblümchen zu sehen, die normalerweise erst im März austreiben. Sollte es in den kommenden Monaten noch Frost geben, könnten diese jungen Pflanzen absterben.

Das Hermelin im Winterfell, als Exponat im Naturkundemuseum. So weiß färben sich die Tiere nur, wenn Schnee liegt. Foto: RP/Dominik Schneider
An vielen Stellen im Schlosspark wachsen noch Pilze. Foto: RP/Dominik Schneider
Gänseblümchen blühen normalerweise erst im März. Auf den Wiesen sind jedoch bereits die ersten Blüten zu sehen. Foto: RP/Dominik Schneider

„Viele Kinder, die zu meinen Führungen kommen, haben noch nie größere Mengen an Schnee in Düsseldorf gesehen“, sagt Kauke. Dennoch – oder gerade deshalb – will sie das Wissen über die Natur in der kalten Jahreszeit vermitteln. „Es passiert viel Faszinierendes im Winter“, schwärmt sie. Wer sich beim Rundgang durch das Naturkundemuseum selbst davon überzeugen will, kann am morgigen Sonntag an der Führung „Frostschutzmittel und Dauerschlaf“ teilnehmen. Beginn ist um 15 Uhr, die interaktive Führung dauert etwa eine Stunde. Karten gibt es zum Preis von 6 Euro im Museumsshop oder unter www.schloss-benrath.de.Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.