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Malerin Anja Hühn liebt es farbenfroh und expressionistisch

Benrath : Malerin Anja Hühn liebt es farbenfroh und expressionistisch

Noch bis zum 11. Oktober ist die Ausstellung „Lebenslust“ in der Benrather Bücherei zu sehen.

Intensive Lebenslust zu empfinden ist häufig gar nicht so einfach, und dieses Gefühl dann auch noch dem Betrachter bildnerisch zu vermitteln, stellt sicherlich eine Herausforderung dar. Anja Hühn stellt sich dieser auf eine phantasievolle Art und Weise. Bei der Ausstellung „Lebenslust“, die die Benrather Künstlerin in den Räumen der Stadtbücherei Benrath in der Orangerie zeigt, hat sie den Themenkreis Lebenslust in drei Kapitel unterteilt. So geht es um Kulturvernetzung, Musik und Menschen in Gruppen. Die Ausstellung „Lebenslust“ ist an den Öffnungszeiten der Stadtbücherei noch bis zum 11. Oktober zu sehen.

Malerisch ist Anja Hühn, Jahrgang 1968, Autodidaktin. Bereits als Kind hat sie die Möglichkeit gereizt, sich über Bilder auszudrücken. Doch erst nach einer handwerklichen Ausbildung im werblichen Bereich entschied sie sich für die Kunst. Über künstlerische Internet-Foren gelingt ihr der Einstieg in die Kunstszene, und es folgen erste Ausstellungen, zunächst in Gruppen, später auch einzeln. „Ach, das ist die mit den Eseln“, musste sich Anja Hühn früher häufig anhören, denn in entfernter Anlehnung an Franz Marcs „Blaue Pferde“ erwählte sie sich Esel, in expressionistischer Farbintensität gemalt, als favorisierte Motive. „Mit zehn weiteren Künstlern gab es sogar einmal eine große Esel-Ausstellung“, erklärt die Malerin, die sich künstlerisch zudem Phantasiegestalten widmete, zu denen sie mittelfristig wieder zurückkehren möchte.

„Meine Bilder sollen vorrangig Spaß machen und Emotionen auslösen, das ist keine kritische oder gar politische Kunst“, sagt Hühn, und vernachlässigt ein wenig die Tatsache, dass auch Kulturvermittler wie Fotografen, Koch, Künstler oder Band im weiteren Sinne auch immer politisch agieren. Auch bei Menschen, die etwas gemeinsam erleben, die gemeinsam Lebenslust erfahren, gibt es immer auch eine politische Dimension.

„Da geht mir heute noch das Herz auf“, sagt Anja Hühn und beschreibt einen Konzertabend in einer kleinen Kneipe in Südfrankreich, den sie als Bild konserviert hat. „Die haben toll gespielt, und es gab es zu essen und man konnte auch mit den Musikern reden“. Ihre von einem definierten Strich konturierten Figuren erinnern an Bilder Jörg Immendorffs. Häufig sind es Details, wie überlange Finger, überspitze Schuhe oder die Beseeltheit geschlossener Augenlider, die die musikalischen Akteure, angefangen von einer Geigerin, einem Folk-Sänger, Taiko-Trommlerinnen bis hin zu einer Jazzband kennzeichnen. Die Musiker werden zwar farblich in eine Art Phantasiewelt entführt, doch die Authentizität des gruppendynamischen Musikmachens sowie die erlebten Gefühle beim Hörer bleibt jedoch erhalten.

Bei soviel emotionaler Befrachtung wundert es, dass die Bilder in einer ehemaligen Baumberger Arztpraxis entstehen, wo früher sterile Nüchternheit herrschte „Ich konnte die Praxis von meinem Schwiegervater übernehmen und als Atelier nutzen. Hier habe ich so viel Platz, dass ich einmal im Jahr mit anderen Künstlerinnen und Künstlern eine große Ausstellung präsentieren kann.“
www.anjahuehn.com.