Benrath : Der Adventskalender zum Mitmachen

Seit Anfang Dezember öffnen Familien ihre Türen für die Nachbarschaft. Am Sonntag gibt es eine Feier im Schlosspark.

Das Quiz beginnt vor der Tür eines Einfamilienhauses in Benrath. Der Hausherr hat sich in einen pink-silbernen Anzug mit Schlaghosen geworfen, der glatt aus dem Schrank von Thomas Gottschalk stammen könnte. Reno Swyter bleibt selbstbewusst, auch wenn hier und da Lacher bei den Freunden, Nachbarn und Besuchern aufkommen, die sich vor seiner Tür versammelt haben. Er selbst muss ein bisschen grinsen, als er die Posaune an die Lippen setzt und ein paar Töne spielt. „Oh Tannenbaum!“ ruft ein kleines Mädchen aus den Reihen der gut 20 Kinder. Richtig geraten hat sie, und darf zur Belohnung in die Keksschüssel greifen. Reno Swyter und seine Frau Anna öffnen heute ihr Türchen für den lebendigen Adventskalender in Benrath.

Vor 13 Jahren hatte Berit Zohren, die nicht weit weg von den Swyters wohnt, den lebendigen Adventskalender ins Leben gerufen. Nicht als evangelisches oder katholisches Projekt, sondern vielmehr als ein Ereignis für die Nachbarschaft. „Wir hatten die Idee von Freunden in Karlsruhe mitgebracht“, sagt Zohren. Was einen besonderen Reiz dabei ausmacht: „Man weiß nie genau, was einen erwartet. Es gibt keinerlei Vorgaben.“ Manchmal öffnet jemand die Tür und liest eine Geschichte vor. Ein anderes Mal werden die Besucher mit Waffeln, Kakao und Glühwein empfangen. Oder eine weihnachtliche Quizshow, wie heute vor der Tür von Familie Swyter. Denn die Aktionen finden immer draußen statt. Bloß als es einmal stürmte, lud die Familie alle kurzerhand ins Haus ein.

Eine Reihe von Familien und Einrichtungen macht regelmäßig mit, andere wechseln. „Oft steigen Familien aus, wenn die Kinder größer geworden sind.“ Neue Teilnehmer erfahren häufig durch Mundpropaganda von dem lebendigen Adventskalender und melden sich dann.

Familie Swyter ist zum dritten Mal dabei. Um 17:20 Uhr, zehn Minuten bevor sich die Tür öffnet, toben und rennen Kinder vor dem Haus herum, spielen Fangen und klettern über die Zäune der Vorgärten. Die zugehörigen Eltern stehen zusammen, quatschen, man kennt sich. Und so braucht Anna Swyter ein paar Anläufe, ehe sie die Aufmerksamkeit der Gäste hat. Beim vorweihnachtlichen Quiz gibt es immer abwechselnd eine Runde für Kinder und eine für Erwachsene, wer zuerst die Lösung rein ruft, bekommt eine Belohnung: Süßes für die Kinder, Kaffee-Likör für die Erwachsenen.

Es gilt, die von Reno Swyter gespielten Weihnachtslieder zu erraten, außerdem müssen übersetzte Texte englischer Weihnachtslieder sowie Strophen von Kirchenliedern erraten werden. Anna Swyters Mutter Renate Büdding, die gemeinsam mit Mann Clemens das Schauspiel verfolgt, zeigt sich besonders textsicher. „Schön ist das“, sagt sie, schlürft an ihrem Likör und erzählt, was andere Familien in diesem Jahr so auf die Beine gestellt haben: Manche haben gesungen, andere Gedichte vorgelesen, es gab sogar ein kleines Schattentheater.

22 Familien haben sich am Benrather lebendigen Adventskalender beteiligt. Das 24. Türchen ist am Montag der Weihnachtsgottesdienst, die entsprechenden Schilder hängen dann an der Dankeskirche sowie an St. Cäcilia aus. Am 23. Dezember, so erzählt Organisatorin Berit Zohren, sei es immer schwierig gewesen, Freiwillige zu finden. Daher gibt es sei einigen Jahren an diesem Tag eine besondere Tradition: Die Waldweihnacht.

Wald, das ist für Benrather Kinder der Schlosspark. Und zur Waldweihnacht sollen nicht die Menschen beschenkt werden, sondern die Tiere. An einer vorher ausgesuchten Tanne werden dann kleine Leckereien, etwa Möhren und Meisenknödel, aufgehängt. Dazu werden Lieder gesungen und Geschichten erzählt. Damit es genug Licht gibt, sollten die jungen Teilnehmer Martinslaternen mitbringen. Je nach Windlage wird ein Baum mit Kerzen oder batteriebetriebene Lichterkette geschmückt. „Das ist immer wunderschön“, erzählt Zohren. Die Waldweihnacht locke bis zu 60 Teilnehmer an, nicht nur Familien mit Kindern. Beginn ist um 17.30 Uhr, vom Schlosspark-Eingang Sophienstraße aus ist der Weg zum Festbaum gekennzeichnet. Jeder Besucher ist herzlich zur Waldweihnacht eingeladen.

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