Benrath : Langer Atem für den Lärmschutz

Der Lärm der A59 ist für viele Anwohner unerträglich geworden. Am Donnerstag trafen sich Betroffene, um eine Bürgerinitiative zu gründen.

Eines wurde den Anwesenden schnell klar: Sie werden wahrscheinlich einen langen Atem haben müssen, um ihre Forderungen durchsetzen zu können. Seit Jahren leben die Menschen rund um die Paulsmühlenstraße mit einem permanenten Geräuschpegel von der Autobahn. Anwohnerin Elke Nowak will endlich etwas gegen den Krach unternehmen - und ruft ihre Nachbarn auf, sich an der Bürgerinitiative "Lärmschutz Paulsmühle" zu beteiligen. Mehr als 30 Betroffene und mehrere Lokalpolitiker kamen zum ersten Treffen im Bürgerhaus Benrath.

Früher sei die Lärmbelästigung nicht so stark gewesen, waren sich die Anwohner einig. Das Problem: Die streckenweise vorhandene Wand sei eher ein Sichtschutz als eine Lärmschutzwand. Der drei Meter hohe Lärmschutzwall aus den 80er Jahren sei inzwischen so weit abgesackt, dass er seine Wirkung verliere. Außerdem seien wesentlich mehr Autos und Lkw unterwegs als noch vor einigen Jahren.

Elke Nowak zeigte eine Lärmkarte, auf der deutlich zu erkennen ist: Neben der Autobahn in Richtung Wohngebiet ist es zwar laut, aber die kritische Marke von 65 Dezibel tagsüber wird nicht überschritten. "Allerdings ist die Karte wahrscheinlich zehn Jahre alt und längst überholt", sagte Nowak. Sie will sich auf dafür einsetzen, dass ein neues Lärmgutachten in Auftrag gegeben wird. Einige der Anwohner überlegten sogar, selbst eines zu finanzieren . Doch die Kosten dafür würden wahrscheinlich im fünfstelligen Bereich liegen.

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Ein erster Schritt soll sein, die Geschwindigkeit auf dieser Strecke zu begrenzen. Denn: Der Abschnitt der A59 in Benrath ist einer der wenigen in Düsseldorf ohne Tempolimit. "So haben wir nicht nur den permanenten Krach der Autobahn, sondern auch sehr laute Lärmspitzen durch einzelne Motorradfahrer, die den Abschnitt als Rennstrecke nutzen", erklärte Anwohner Volker Schleede. Viele pflichteten ihm bei.

Selbst auf den Zufahrtsstrecken würden einige Motorradfahrer schon mächtig die Motoren aufheulen lassen. Die Bezirksvertretung - da waren sich die anwesenden Politiker parteiübergreifend einig - wird sich für ein Tempolimit einsetzen. Zunächst soll der Antrag für die Nachtstunden gestellt werden. Einen gleichlautenden Antrag der Bezirksvertretung 10 hatte die Bezirksregierung bis jetzt immer abgelehnt.

Nowak will sich damit nicht zufrieden geben: "Nachts kann ich zur Not meine Fenster schließen, aber tagsüber möchte ich mich draußen aufhalten. Der Lärm schränkt nicht nur die Lebensqualität ein, sondern gefährdet auch die Gesundheit." Sie und die anderen wissen, dass ihnen ein harter Kampf bevorsteht: für ein Tempolimit, für eine Lärmschutzwand, für Flüsterasphalt.

Bezirksvertretung und der Rat können sich zwar für die Belange der Bürger einsetzen - die Entscheidungen liegen aber bei der Bezirksregierung und den Bundesbehörden, die für die Autobahnen zuständig sind. "Machen Sie sich keine großen Hoffnungen auf einen neuen Fahrbahnbelag", sagte CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk, Die Anwohner lassen sich nicht entmutigen: "Wenn es uns zu laut wird, müssen wir eben laut werden", sagte Nowak. Die ersten Unterschriftenlisten hat Bezirksvorsteher Karl-Heinz Graf bereits in Empfang genommen, nun wollen die Betroffenen einzeln Beschwerden an das Umweltamt schreiben.

(RP)