Benrath: Kustodin verlässt Naturkundemuseum

Benrath : Kustodin verlässt Naturkundemuseum

Lavinia Schardt (35), Betreuerin der Naturkundmuseums, hat Mitte April dem Stiftungsvorstand ihre Kündigung zu Ende Mai überreicht. Über die Gründe schweigt sie sich aus. Der Freundeskreis des Museums bedauert ihren Schritt.

Die Veranstaltung zum "Tag der Natur" am 14. Mai im Naturkundemuseum hat deren Kustodin Lavinia Schardt noch vorbereitet. Doch sie wird nicht anwesend sein. Die promovierte Biologin hat Mitte April für viele überraschend zu Ende Mai gekündigt. Am 9. Mai geht sie in ihren Resturlaub. Zum 1. Februar 2014 war Schardt aus Wiesbaden nach Benrath gewechselt. Sie sollte das angestaubte Naturkundemuseum in die Gegenwart holen. Eine Mammutaufgabe.

Sie habe noch viel vor gehabt, sagte die 35-Jährige gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: "Es waren drei schöne Jahre. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht; aber das Kapitel ist für mich abgeschlossen." Zu den Gründen ihrer Kündigung will Schardt gegenüber unserer Redaktion keine Stellung nehmen. Sie geht zurück in ihre Heimatstadt Wiesbaden - übrigens ohne einen Anschlussvertrag. Schardt hat sich in ihren drei Jahren in Benrath einen Ruf als bienenfleißige Arbeiterin verschafft; in den Mittelpunkt stellen wollte sie sich hingegen nie.

Ulrich Ohm, Vorsitzender des Freundeskreises des Benrather Naturkundemuseum, bedauert ihren plötzlichen Weggang: "Frau Schardt hat mich vor kurzem persönlich über diesen Schritt informiert." Der Freundeskreis habe mit ihr ein "herzliches und vertrauensvolles Verhältnis gehabt. Ich bin entsetzt über ihre Entscheidung." Ohm hofft drauf, dass darunter nun weder die für das Jahresende geplante Eröffnung der lange überfälligen Pallenberg-Sammlung leidet noch das Naturkundemuseum.

Nicolas Maas, Kaufmännischer Leiter der Stiftung Schloss und Park Benrath, war in Urlaub, als Lavinia Schardt ihre Kündigung eingereicht hatte: "Das war überraschend für mich", sagte Maas im RP-Gespräch. Er geht davon aus, dass die Pallenberg-Ausstellung wie geplant zum Jahresende eröffnet werden kann: "Die wissenschaftliche Arbeit ist beendet, allerdings gibt es noch einiges mehr dafür zu tun." Danach werde die Stiftung die Stelle des Kustoden für das Naturkundemuseum neu ausschreiben, berichtet der Vorstand. Denn wenn der Geldregen für das Schloss in Kürze einsetzt - Bund, Land und Stadt wollen zusammen in den nächsten zehn Jahren 60 Millionen locker machen, um das Schloss zu neuem Glanz zu verhelfen, könnte auch das in die Jahre gekommene Naturkundemuseum profitieren. Viele Jahre ist zu wenig Geld in die Gebäude gesteckt worden. An allen Ecken und Enden bröckelt das barocke Jagd- und Lustschloss von Carl Theodor. Geld, um das Naturkundemuseum, das in zwei Jahren 90 Jahre alt wird, auf die Höhe der Zeit zu bringen, war all die Jahre nicht vorhanden. Dabei, so unterstrich es Schardt, hat das Naturkundemuseum vor allem mit der Frey'schen Sammlung einen hohen Stellenwert: "Es ist für die Biodiversitätsforschung wichtig." Herzstück des Museums ist ein Teil der Sammlung von Mitbegründer Peter Frey (1872 - 1954). Er hatte dem Museum 1074 präparierte Vögel und 17 Säugetiere vermacht. Die haben nach ihrer Meinung sogar einen deutlich höheren Stellenwert als die Pallenberg-Sammlung.

Mancher Naturfreund befürchtet, dass die Stiftungsleitung vieles andere als wichtiger erachtet als ein Naturkundemuseum, in dessen Attraktivierung viele Millionen Euro investiert werden müsste, Im Laufe des Jahres hatte Lavinia Schardt mit dem Vorstand über das Programm zum Jubiläum in zwei Jahren sprechen wollen. Doch dessen Ausgestaltung wird sie nun einem möglichen Nachfolger überlassen müssen.

(RP)