Kritik an Bebauungsplan für die Paulsmühle in Düsseldorf Benrath

Stadtplanung : Letzte Chance für Kritik beim Paulsmühler Bauprojekt

Fünf fünfstöckige Wohnkomplexe sollen nördlich der Paulsmühlenstraße entstehen. Die Anwohner fürchten eine zu große Verdichtung und rufen die Bürger dazu auf, der Stadt eine Stellungnahme zukommen zu lassen.

Benrath Es ist eine Zahl, die die Einwohner der Benrather Siedlung Paulsmühle schlucken lässt: „Gut 500“. So viele Wohneinheiten sollen nach Auskunft der Stadt auf der jetzigen Industriebrache zwischen Paulsmühlen- und Telleringstraße unmittelbar neben dem neu gebauten Albrecht-Dürer-Kolleg entstehen. Zu viele, finden die Mitglieder der Bürgerinitiative Lebenswerte Paulsmühle – und sind bereits seit über einem Jahr gegen die Pläne der Stadt aktiv.

Jetzt haben die Paulsmühler die letzte Gelegenheit, sich zu den Plänen zu äußern: Noch bis zum 25. Juli läuft das Offenlegungsverfahren, bei dem Bürger aufgefordert sind, der Stadt ihre Meinung mitzuteilen.

Was die Mitglieder der Bürgerinitiative davon halten, ist klar: „Es sind viel zu viele Neubauten“, sagt beispielsweise Jens Weiner. Er und seine Mitstreiter rechnen damit, dass, zählt man alle aktuell in Arbeit befindlichen Baugebiete in der Siedlung zusammen, sich die Einwohnerzahl der Paulsmühle innerhalb der nächsten Jahre verdoppeln wird. Auch die Stadtteilpolitiker sehen diese Entwicklung kritisch. Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf (CDU), der sich in der Sitzung der zuständigen Bezirksvertretung gegen die Pläne der Stadt ausgesprochen hatte, sagt, 500 Wohneinheiten seien für die Siedlung unverträglich. Unterstützung bekommt Graf in diesem Punkt auch von seinem Stellvertreter Udo Skalnik (SPD).

Foto: RP/Podtschaske , Alicia

Ursprünglich waren 320 Wohneinheiten auf dem Gebiet nördlich der Paulsmühlenstraße geplant, ein Häuserkomplex mit offenen Wohnblöcken, Innenhöfen, Straßengrün und zentralen Plätzen. Als die Zahl auf 570 Wohnungen erhöht wurde, formierte sich Protest in der Anwohnerschaft. Sie fürchten, dass eine gettoartige Siedlung entsteht und der bisherige Nachbarschaftscharakter der Paulsmühle verloren geht. Düsseldorf brauche Wohnraum, so die Argumentation der Paulsmühler, und der werde geschaffen, wo gerade Platz sei. „Dabei wird aber nicht an den Verkehr gedacht“, sagt Weiner von der Initiative. Zwar liege das Neubaugebiet nicht weit vom Benrather Bahnhof entfernt, für die zu erwartende Zunahme des Autoverkehrs sei die Siedlung allerdings nicht ausgestattet. So fehle es laut der Anwohner an entsprechenden Parkmöglichkeiten; die Paulsmühler befürchten, dass auch die engen Seitenstraßen in Beschlag genommen werden. „Man hat manchmal das Gefühl, dass die Stadtplanung ohne die Menschen geschieht“, sagt Weiner.

Um das zu ändern, hat die Initiative seit fast genau einem Jahr gegen die Pläne gekämpft, unter anderem eine Demonstration organisiert, zu der über 400 Leute kamen. Sie wollen vor allem die hohen Häuser verhindern, die aktuell fünfstöckig geplant werden. Im Vorfeld hatte es mehrere Veranstaltungen gegeben, bei denen die Verwaltung und die Anwohner ihre Argumente austauschten. Die Stadt war den Bürgern ein Stück weit entgegengekommen, hat etwa die Erhaltung des Brunnenplatzes und mehr öffentliche Parkplätze zugesagt. Zufrieden ist die Initiative damit aber nicht.

Sie fordert deswegen alle Anwohner auf, der Stadt ihre Meinung mitzuteilen. „Die Verwaltung ist verpflichtet, auf die Eingaben zu antworten, und wenn genügend Beschwerden aus der Bevölkerung zusammenkommen, können wir nur hoffen, dass der Planungsausschuss noch einmal über die Sache nachdenkt“, hofft Jens Weiner. Zu viele Hoffnungen wollen er und seine Initiative sich jedoch nicht machen. Sie haben bereits das nächste Projekt in der Siedlung im Auge: das Gelände an der Paulsmühlenstraße, auf dem bald die alte Eissporthalle abgerissen werden soll. „Was da gebaut wird, ist nach Aussage der Stadt noch vollkommen offen“, erklärt Weiner. Er befürchtet: noch mehr Wohnhäuser.

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