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Benrath: Initiative kämpft für Kolleg-Bau in Benrath

Benrath : Initiative kämpft für Kolleg-Bau in Benrath

Luise Kaewert hat die Bürgerbewegung "Wir bauen auf den Süden" ins Leben gerufen. Sie und ihre Mitstreiter wollen Unterschriften sammeln, dass das Albrecht-Dürer-Kolleg doch in der Paulsmühle gebaut wird.

Freifläche, so weit das Auge reicht. Aber nicht mehr lange, wenn es nach dem Willen von Luise Kaewert, Seraina Mühlhausen und Dirk Drunkemöller geht. Mit fünf Mitstreitern haben sie die Bürgerbewegung "Wir bauen auf den Süden" ins Leben gerufen. Einziges Ziel: dass die Stadt das Albrecht-Dürer-Berufskolleg auf der Thyssen-Krupp-Brache in der Paulsmühle baut. Ab Ende der Woche sollen dafür Unterschriften gesammelt werden. Am Samstag, 14. März, 11 Uhr, präsentiert sich die Initiative mit einem Info-Stand auf dem Marktplatz. Luise Kaewert: "Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass die Benrather dahinter stehen."

Dirk Drunkemöller wohnt mit seiner Familie an der Telleringstraße genau gegenüber der seit vielen Jahren brachliegenden Fläche, von der Thomas Geisel bei einem Besuch noch vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister sagte, es sei ein Sahnestück. Ob die Sahne nicht durch die jahrzehntelange gewerbliche Nutzung zu stark belastet ist, das soll ein weiteres Gutachten klären. Die ersten Untersuchungen hatten Werte zu Tage gefördert, die je nach Sichtweise, welches der zwei in Betracht kommenden Grundstücke für den Neubau besser ins politische Kalkül passte, als gering oder stark belastet eingestuft wurde.

"Die Paulsmühle wird durch zwei Brachen vom Ortskern abgeschnitten", veranschaulicht Kaewert. Denn auch auf dem alten BEA-Areal kommt das Wohnbauprojekt nicht voran. Früher, so erzählt Drunkemöller, sei in der Paulsmühle viel Leben gewesen. So gab es in unmittelbarer Nachbarschaft zum Thyssen-Walzwerk sogar einen Supermarkt. Doch jetzt schließt bald eine der noch verbliebenen Gaststätten, wie auch die Apotheke. Dem ausstehenden Boden-Gutachten sieht Drunkemöller mit Optimismus entgegen: "Auch das Ausbildungs- und Qualifizierungszentrum ist ja auf der Brache gebaut worden."

Die Idee zu der Bürgerbewegung hatte Luise Kaewert vor vier Wochen. Sie engagiert sich nun schon zum dritten Mal für eine Sache, die ihr am Herzen liegt. Unter anderem schaffte sie es, mit ihrer Initiative vor über 20 Jahren zu verhindern, dass aus dem Ostflügel des Schlosses ein Bürogebäude wurde.

Mitte Januar hatte die Rheinische Post darüber geschrieben, dass Geisel seine Dezernenten gebeten hat, das Areal in der Paulsmühle erneut als Kolleg-Standort zu prüfen. Denn eigentlich war Benrath ausgeschieden, als der damalige Oberbürgermeister Dirk Elbers wegen der vermeintlichen Belastung der Thyssen-Krupp-Brache im Oktober 2013 bekanntgab, dass die Berufsschule an der Völklinger Straße gebaut werden soll. Doch seit dieser Entscheidung sind die Planungen für den Oberbilker Standort keinen Schritt vorangekommen.

Was aus Sicht von Kaewert und ihren Mitstreitern den Vorteil hat, dass Benrath nun wieder eine Alternative ist. "Die Stadtentwicklung ist am Süden vorbeigegangen", sagt Kaewert. Der Bau des Kollegs auf der Brache sei eine Chance für den Stadtteil - vielleicht schon seine letzte. Der ganze Stadtteil werde davon proftieren, das könnte eine Initialzündung werden, unterstreicht Seraina Mühlhausen. Sowohl die CDU als auch die SPD für die Ampel haben für die Ratssitzung am Donnerstag Anträge zum Neubau des Dürer-Kollegs gestellt. Laut Antrag von SPD, Grüne und FDP, die im Rat die Mehrheit haben, soll die Verwaltung das benötigte Raum- und Funktionsprogramm (für Stellplätze etc) für beide Standorte erstellen. Bislang seien die Pläne vage geblieben, die Voraussetzungen unklar. Das Ergebnis soll dem Schulausschuss, dem Bauausschuss sowie dem Rat möglichst noch vor der Sommerpause vorgelegt werden, fordert die Ampel in dem Antrag.

Der CDU-Antrag sieht vor, dass die Verwaltung sogar bis zur Ratssitzung am 30. April einen detaillierten Bericht zur Schadstoffbelastung des Thyssen-Krupp-Geländes und zu den damit verbundenen Folgen für eine mögliche Neu-Nutzung als Schulstandort vorlegt wie auch einen konkreten Zeitplan für die Neuerrichtung des Albrecht-Dürer-Berufskollegs.

Luise Kaewert, Seraina Mühlhausen und Dirk Drunkemöller träumen trotzdem schon einmal davon, wie die Kollegschüler den gesamten Stadtteil beleben könnten. Dass der Schulleiter des Dürer-Kollegs, Jochen Schriever, im RP-Interview darauf hingewiesen hat, dass es am jetzigen Schulstandort am Fürstenwall auch schon mal Ärger zwischen den Schülern und den Anwohner gibt, findet das Trio nicht von so großer Bedeutung: "Es sind doch junge Leute. Das wird schon alles nicht so schlimm sein."

(RP)