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Hobby der Benrather Münzfreunde stark von Corona betroffen

Interview: Sammler in der Krise : „Einige Vereine werden es nicht schaffen“

Der Vorsitzende der Benrather Münzfreunde spricht über die Folgen der Pandemie für ein Hobby, das ohnehin seit Jahren extreme Nachwuchssorgen hat.

Herr Vogel, Sie sammeln seit ihrer Jugend Münzen. Wie aktiv konnten Sie ihr Hobby im vergangenen Jahr ausüben?

Peter Vogel Außer Haus quasi gar nicht – leider. Ich bin Mitglied in fünf Vereinen und bei drei regelmäßigen Sammlertreffs. Vier davon haben seit 15 Monaten nicht mehr stattgefunden, die anderen konnten immerhin im letzten Sommer unter starken Einschränkungen ihre Treffen durchführen. Damit war im Oktober aber auch wieder Schluss.

Viele Menschen haben durch den Lockdown mehr Zeit als vorher – räumen sie ihre Dachböden auf und finden alte Münzsammlungen?

Vogel Das kommt vor. Wir Münz- und Briefmarkenfreunde haben uns über die Jahre eine ganze Menge an Fachwissen angeeignet, das wir gern teilen. Wenn jemand Münzen in einem Nachlass oder Briefmarken beim Aufräumen findet, dann sind meine Sammlerfreunde und ich gern bereit, sie zu schätzen und zu bewerten. Wenn es die Umstände zulassen, kann die Bewertung größerer Sammlungen auch vor Ort erfolgen – natürlich unter Einhaltung aller bekannten Sicherheitsmaßnahmen. Ich habe auch in Corona-Zeiten immer wieder Beratungen über Telefon und Internet angeboten oder durchgeführt. Aber, ich muss sagen, große Börsen oder Treffen mit vielen Gleichgesinnten ersetzt das nicht.

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Haben in den vergangenen Monaten denn neue Menschen das Sammeln für sich entdeckt?

Vogel Darauf hoffen wir aktive Sammler – aber leider fehlen uns darüber die Informationen. Die ausgefallenen Sammlertreffen haben Neueinsteigern die Kontaktmöglichkeiten genommen. Das Glück, einen neuen Sammler zu gewinnen, hatten wir in dieser Pandemie nicht. Es wäre natürlich schön, wenn die Menschen ihre neu gewonnene freie Zeit in ein Hobby wie das unsere investieren würden. Nach unserm Neustart, wir hoffen in der zweiten Jahreshälfte, zeigt sich vielleicht ein positiver Trend. Ich selbst kann nicht genug dafür werben, aber, und dieser Wahrheit muss ich ins Gesicht sehen, das Sammeln ist einfach nicht mehr Teil des Zeitgeistes.

Woran liegt das?

Vogel Ich denke vor allem daran, dass es zu viele Alternativen gibt. Sich ernsthaft mit einem Hobby zu beschäftigen, kostet viel Zeit, und die Menschen wollen sich nicht mehr auf eine Freizeitbeschäftigung festlegen, wenn es so viel anderes zu tun gibt.

Und das hat Folgen für die, die noch sammeln.

Vogel Langfristig ja. Ich kenne ein paar jüngere Sammler, aber auch die sind inzwischen über 40. Und es kommen seit Jahren so gut wie keine neuen Mitglieder hinzu. Unser Treffen der Benrather Münz- und Briefmarkenfreunde steht kurz vor seinem 40-jährigen Bestehen. Wir haben schon mehrfach über die Frage der Auflösung diskutiert, uns aber immer dagegen entschieden. Zumindest das Jubiläum wollen wir noch erreichen – und danach so lange wie möglich weitermachen, auch wenn die Gemeinschaft zusehends kleiner wird.

Könnte Corona dem Hobby den Todesstoß versetzen?

Vogel Seit Jahren geben immer wieder Vereine auf, vor kurzem erst hat der Verein der Düsseldorfer Münzfreunde nach rund 60-jährigem Bestehen aufgehört – auch hier war ich seit Jahren Mitglied. Wie viele Vereine und Gruppen nach der Pandemie wieder ihre Arbeit aufnehmen werden, kann man jetzt noch nicht absehen. Von uns Benrathern kann ich aber sagen: Wir stehen in den Startlöchern. Viele unserer Mitglieder sind älter, inzwischen geimpft – und wollen unsere regelmäßigen Veranstaltungen so bald es geht wieder aufnehmen.

Wann wird das sein?

Vogel Das kann niemand absehen. Wir treffen uns ja im Normalfall stets am 2. Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Bürgerhaus Benrath, das gehört der Stadt. Wir können also erst weitermachen, wenn die Stadt das Gebäude wieder öffnet. Einen Mietvertrag über den Raum habe ich in diesem Jahr noch nicht abschließen können und es bleibt abzuwarten. Andere Vereine außerhalb von Düsseldorf treffen sich in Volkshochschulen, Gemeindesälen oder Gaststätten – es wird also keinen einheitlichen Startschuss für uns alle geben. Bis dahin stehe ich jedoch jederzeit für Fragen zur Verfügung unter 0211 7900969 oder pv@iacd.net

Wie viel Gemeinschaft ist in den vergangenen Monaten verloren gegangen?

Vogel Die Vereine heißen ja nicht ohne Grund häufig „Münzfreunde“. Das Internet hilft natürlich, sich zu informieren und neue Stücke zu finden. Aber das Hobby lebt auch von der Gemeinschaft: vom Austausch von Fachwissen, auch ein Stück weit vom Vorstellen oder Besprechen des eigenen Sammelgebietes. Wir Benrather haben uns auch auf die Beratung von Außenstehenden spezialisiert. Da kommen teilweise echte Schätze zum Vorschein, mit denen die Besitzer gar nicht gerechnet hätten. Ich würde sagen, der interne und externe Austausch ist für unser Hobby überlebenswichtig.

Dieser Austausch ist seit über einem Jahr stark eingeschränkt: Wird das Sammelhobby Corona überstehen?

Vogel Wahrscheinlich werden einige nicht weitermachen. Aber war einmal so tief in der Materie steckt wie wir, der gibt nicht so schnell auf. Solange wir Sammler leben, werden wir das Hobby praktizieren, und versuchen, es an die nächste Generation weiterzugeben. Ob das gelingt und ob Vereine und Sammlertreffs wie der unsere auch in einigen Jahrzehnten noch existieren werden, kann ich nicht sagen. Aber Münzen sammeln ist Geschichte zum Anfassen, und sie wurden zu allen Zeiten gesammelt – trotz großer Menschheitskrisen. Deshalb wird dieses Hobby auch Corona überstehen.